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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Hitze, die brutal quietscht

01.08.2019

Berne „Eigentlich sind wir damals viel zu früh gewesen“: Das war der Satz des Tages. Formuliert hat ihn Michael Brandt, Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft, in seinem Grußwort an den Mann des Tages, Günter Berger.

„Damals“, das war im Jahr 2003, als die Landschaft dem Komponisten, Professor und Pianisten, Organisten, Chorleiter, Autor und Künstler Günter Berger für dessen Verdienste um die Kultur im Oldenburger Land die Landschaftsmedaille verlieh. Damals war Berger 74 Jahre alt, und die Zahl seiner Kompositionspreise belief sich auf 13. Jetzt ist er 90 Jahre alt, und die Liste der Auszeichnungen und Preise zählt 25. Wer weiß, was von diesem Berger noch alles zu erwarten ist?!

Von diesem Berger, der sein Geburtstagskonzert in wohlgesetzter Rede selbst eröffnet, humorig, ironisch und offen: 2018 habe er eine Krebserkrankung überstanden, der Schweiß sei ihm von der Stirn gelaufen, das habe prächtig zu seinem Streichquartett über „Hitze“ gepasst. Von diesem Berger, den es vor Begeisterung nicht auf dem Sitz hält, weil das Asasello Quartett seine Stücke so fulminant zelebriert. Und der sich vor Freude kaum wieder einkriegt, weil Überraschungsgast Alfred Büngen, Leiter des Geest-Verlags und Verleger von Bergers Autobiografie, für seine Lesung zentrale Kapitel über Bergers Jugend ausgewählt und so begnadet vorgetragen hat, dass es jedem im vollem Rund unter die Haut geht.

Unter dem Motto „90 Jahre Günter Berger“ feierte die Warflether Konzert-Gemeinde Günter Berger drei Tage nach dessen 90. Geburtstag mit einem ausgiebigen Jubelfest, und viele Besucher aus Dötlingen (seinem Wohnort) und Delmenhorst (einer der früheren Wirkungsstätten) feierten mit. Neben Reden und Lesungen gab es natürlich auch Musik. Über sie hat die NWZ bereits in der Dienstagsausgabe (Horst Hollmann, NWZ Kultur) ausführlich berichtet. Hier nur soviel:

Seinen Ruf, auch sperrige zeitgenössische Werke meisterlich zu Licht und Leben erwecken können, bestätigte das Kölner Asasello Quartett eindrucksvoll. Primarius Rostislav Kozhevnikov, Geigerin Barbara Streil, Bratschistin Justyna Sliva und Cellist Teemu Myöhänen schufen mit musikalischer Intelligenz, technischer Brillanz und emotionaler Hingabe aus komplexen Strukturen, vertrackter Rhythmik und hochgreifenden technischen Zumutungen Bezwingendes. Ein druckvoller Puls bewegte, riss mit. Bergers Kompositionskunst entfaltete sich bei ihnen zu schönster Blüte: seine Solowerke für Violine und Cello energiegeladen und virtuos, die Streichquartette mutig und brisant. „Per aspera“, ein an Inhalt, Ideenreichtum und mit über 30 Minuten auch an Dauer groß angelegter Quartettzyklus in drei Teilen, geschrieben zwischen 2008 und 2018, begegnet dem, der sich eingehört hat, mit bravouröser Präsenz.

Teils wahnwitzige Tempi, ausgereizte Dynamik, halsbrecherische Effekte, eingebettet in exakte Schläge und einen symbiotisch homogenen Klang, fügen sich zu einer Mixtur, die Themen wie „Traum“, „Sonne“ oder „Hitze“ packend bebilderte und dabei so frisch und frech wirkte, als stamme sie von einem Zwanzig- oder Dreißigjährigen. „Brutalst möglich quietschen und knarren“ hat Berger den Interpreten als Spielanweisung zum Beginn des „Hitze“-Quartetts vorgegeben. Man beachte: Dieses Werk ist, siehe oben, während der Krebs-Erkrankung des Komponisten entstanden, 2018. Da war Berger, es ist kaum zu fassen, 89.

Wer weiß, was wir von ihm noch zu erwarten haben?! Hoffentlich noch sehr, sehr viel, waren sich alle einig und wollten nicht aufhören, Günter Berger und den Musikern zu applaudieren.

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