• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

War Carl Rudolph Brommy ein Admiral der Revolution?

06.11.2018

Brake Geschichte lebendig und publik zu machen, dafür genießt das „Schiffahrtsmuseum der Oldenburgischen Unterweser“ mit seinen drei Häusern in Brake und Elsfleth – insbesondere Museumsleiterin Dr. Christine Keitsch und ihr engagiertes Team – in der Region einen exzellenten Ruf. Der wurde am Sonntag mit der Eröffnung der Sonderausstellung „Carl Rudolph Brommy – Admiral der Revolution?“ erneut unter Beweis gestellt. Die jetzt ausgestellten Exponate ergänzen nicht nur die vorhandene Sammlung aus der Vita des Admirals, sie stehen vor allem im Kontext zum Zeitgeschehen der Revolution 1848.

Zur Eröffnungsfeier im Braker Haus Borgstede & Becker hatten sich zahlreiche Gäste und Ehrengäste eingefunden. Den Festvortrag hielt der vielfach ausgezeichnete Marinehistoriker und Publizist zahlreicher mariner Schriften, Dr. Heinrich Walle aus Bonn. Herausragendes Exponat der Ausstellung ist die schwarz-rot-goldene Originalflagge, die ab dem 18. März 1848 das Oldenburger Rathaus zierte – wenn auch nur für kurze Zeit.

„Der politische Hintergrund der Revolution 1848 ist lange im kollektiven Gedächtnis der Deutschen präsent gewesen“, sagte Dr. Christine Keitsch in ihrer Begrüßungsansprache. „Sowohl die Dichterin Alma Rogge als auch der Braker Dichter Georg von der Vring waren überzeugte 48er. In jener Zeit gaben viele Bürger mit Schärpen, Kokarden oder Armbinden öffentlich ihrer demokratischen Gesinnung Ausdruck. Auch Brake profitierte von den Geschehnissen dieser Tage und strahlte plötzlich als ein Schlaglicht deutscher Geschichte.“

Ausbau der Bundesflotte

Warum Brake im vorletzten Jahrhundert vier Jahre lang im Zentrum der maritimen Aufmerksamkeit stand, erläuterte der Präsident der Oldenburgischen Landschaft, Thomas Kossendey. Damals habe sich die Frage gestellt, würden es die deutschen Staaten schaffen, eine Bundesflotte auszubauen und unter dem maritimen Sicherheitsaspekt zu unterhalten, sagte Kossendey und zitierte einen Aufruf der „Frauen und Jungfrauen Nürnbergs zur Errichtung einer deutschen Flotte“ vom Mai 1848. Die Bundesversammlung in Frankfurt beschloss schließlich die Gründung einer Bundesflotte mit Carl-Rudolph Bromme (er anglizierte später seinen Namen zu „Brommy“) als Befehlshaber. Und er entschied sich für den Standort Brake. Beim Einlauf des in England gekauften Schiffs „Britannia“, das für die Bundesflotte in „Barbarossa“ umgetauft wurde, hatten auch Braker „Jungfrauen“ für eine entsprechende Beflaggung zu Spenden aufgerufen. Kossendey: „So begann eine außergewöhnlich lebhafte Phase in der Braker Stadtgeschichte, unterstützt vom oldenburgischen Großherzog Paul Friedrich August, der nach Brake reiste, um die dort stationierten Schiffe zu besichtigen.“ Laut Kossendey ist Admiral Brommy für Brake und das Oldenburger Land bis heute eine bedeutsame Erinnerungs- und Identifikationsfigur.

Den Stellenwert der Museumslandschaft in der Wesermarsch unterstrich Landrat Thomas Brückmann in seinem Grußwort: „Die drei Häuser des Schiffahrtsmuseums haben Kunst- und Kulturgeschichte der Unterweser enorm bereichert. Dr. Christine Keitsch und ihrem Team gelingt es immer wieder, Themen aus der Vergangenheit in die heutige Zeit zu transportieren. Dank sei auch dem Engagement aller ehrenamtlichen Kräfte.“ Man könne gar nicht oft genug betonen, welch wichtiger Faktor das „Schiffahrtsmuseum“ für die Stadt Brake und die Wesermarsch darstellt“, betonte Brakes Bürgermeister Michael Kurz. Durch vielfältige Spuren sei Admiral Brommy in Brake stets präsent. Kurz regte an, die Themen „Brommy“ und „48er Revolution“ der jüngeren Generation näher zu bringen.

Humorvoll rekapituliert

Vizeadmiral a. D. Hendrik Born war der letzte Chef der DDR-Volksmarine. In seiner beruflichen Laufbahn sah Born Parallelen zum Leben des Admiral Brommy. In seinem Zeitzeugenbericht „Es kommt alles ganz anders“ hat der gebürtige Mecklenburger das Ende der Volksmarine und seinen Neustart im vereinigten Deutschland festgehalten.

Mit viel Humor rekapitulierte der Nachfahre der Braker Familie Brommy-Gross, Dr. Detlev G. Gross, das familiäre Umfeld des Konteradmirals und dessen Ehefrau Caroline Hascheline Gross. So sei die Ur-Ur-Großtante Caroline 1825 während einer Sturmflut zur Welt gekommen. Gross: „Brake war damals nur ein kleines Nest an der Weser mit nur einer vernünftigen Kneipe und dem Gross’schen Hotel. Caroline war jedoch sehr gebildet und das schönste unter den sieben Mädchen, eines mit klaren Friesenaugen und edlen Gesichtszügen!“ 800 Matrosen standen bei der Hochzeit mit Carl Rudolph Brommy Spalier und ganz Brake feierte mit.

Für den Festredner Dr. Heinrich Walle ist Admiral Brommy ein „Pionier, der in der preußischen Marine und Politikgeschichte weiterlebte“. Die Schaffung der Deutschen Marine durch Brommy sei die einzige Schöpfung sowie ein zentraler Akt und Legitimierung eines ersten freien und demokratischen Deutschlands gewesen, so Walle. Mit Brommy, dem ausgewiesenen Experten in Marinekreisen, habe man dem Leiter der technischen Marinekommission und Bremer Bürgermeister Arnold Duckwitz (1802-1882) einen „gestandenen Seemann“ zugeteilt. Brommys Reglements des Marinelebens hätten heutzutage als „Dienst an Bord“ im Kern überlebt. Leider sei Brommy im Nationalsozialismus als heroisch-tragischer Held instrumentalisiert worden. Anspielend auf das Fragezeichen im Titel der Sonderausstellung stellte Walle ganz klar fest: „Konteradmiral Brommy ist kein Revolutionär gewesen – er selber hat es immer entschieden bestritten.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.