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Aktualisiert vor 3 Minuten.

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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

„Ik krigg dat Meer nich ut’n Kopp“

26.03.2019

Brake Helmut Debus zieht an seiner Zigarette, bläst den Rauch genüsslich in Richtung Zimmerdecke. Vor ihm auf dem Tisch liegen Zettel ausgebreitet, darauf stehen Liedtexte. Zeilen wie „Söbentig Johr, keine Hoor un de Kopp full Splien“ sind in seiner Handschrift zu lesen. Alle Lieder eint, dass sie für den 69-Jährigen „Frömde Frünnen“, also „Fremde Freunde“ sind. Zwölf sind es insgesamt, die auf dem neuen, 20. Album veröffentlicht sind. „Die 20 ist nicht das Besondere“, sagt Helmut Debus und zieht wieder an seiner Zigarette, „sondern, dass ich mir gesagt habe, ich möchte mal Sachen veröffentlichen, die schon lange da waren, aber immer wegfielen.“

Auch wenn es „alles Zufall“ war, wie der plattdeutsche Liedermacher betont, so kommen in diesem Jahr doch mehrere „große Zahlen“ zusammen. Im Mai wird Helmut Debus 70, seit 45 Jahren steht er auf der Bühne und das 20. Album „Frömde Frünnen“ ist gerade frisch erschienen. „Eigentlich wollte ich nur fremde Freunde auf dem Album haben“, erklärt er und meint damit: Lieder, die von anderen geschrieben wurden – und von Helmut Debus bearbeitet worden sind. „Ein Cover sollte man nur dann machen, wenn man dem Text etwas Eigenes hinzufügen kann. Etwas, was das Lied für einen selbst besser macht.“

Doch beim Sichten dieser „fremden Freunde“, zu denen unter anderem Bob Dylan, Tom Waits, Lluis Llach oder auch Bettina Wegner gehören, kamen dem Braker auch eigene Lieder unter, die „ich liebe, aber schon länger nicht gesungen habe, weil mich eine Zeile oder die Melodie gestört haben“.

Als Helmut Debus mit dieser Idee zu seiner Band ging, waren Michael Jungblut (Gitarre), Iko Andrae (Kontrabass) und Andreas Bahlmann (Schlagzeug) sofort begeistert – nur nicht von allen Liedern. „Noch’n Tass Koffi“, die Debus-Version von Bob Dylans „One more Cup of Coffee“, war so ein Fall. „Jeder hat einen Hang zum Kitsch“, gesteht Helmut Debus und muss lachen. Bei jedem Cover seien sich die anderen Musiker aber einig gewesen: „Helmut, die klingen alle nach dir.“

Und das gilt auch für die Lieder aus eigener Feder, wie das eingangs zitierte „‘n Leopard in mien Hart“ oder das erste Lied der CD „Worum weenst du, Waterland“. Alle hat Helmut Debus bearbeitet. „Manche sprachliche Dummheiten habe ich rausgenommen, auch wenn die damals ihre Berechtigung hatten“, sagt er über die zum Teil rund 30 Jahre alten Lieder. „Das Album ist gereifter, es hat mehr mit diesem 70-Jährigen zu tun, der ich bald bin.“

Derweil erklingt nicht nur Helmut Debus in einem anderen Klang als es Weggefährten und Fans gewohnt sein mögen. Auch seine Band ist noch besser zusammengewachsen, als es schon auf Album Nummer 19 der Fall war. „Diese Platte hat eine Lässigkeit, eine Leichtigkeit, die vorher nicht da war“, so Helmut Debus über das Zusammenspiel. Leichtigkeit solle aber nicht als Gegenteil von Tiefe, sondern von Schwere verstanden werden. „Ich war teilweise selbst überrascht, was am Ende herausgekommen ist.“ Tatsächlich bringen beispielsweise die Soli und Einlagen von Michael Jungblut mitunter eine zweite Stimme in die Stücke ein. An anderer Stelle holt sich der 69-Jährige tatsächlich gesangliche Unterstützung: So ist auch die Sängerin Sibylle Kynast auf „Frömde Frünnen“ zu hören.

Auf dem Album besinnt sich Helmut Debus auf das für ihn Wesentliche im Leben. „Warum wagen wir es nicht, essentielle Dinge einfach zu benennen?“, fragt er während des Gesprächs. Das bedeutet nicht, dass die Benennung Antworten gibt.

Oft bleiben auf dem Album auch Leerstellen. „Lady Day“ ist so ein Fall: Ein Lied, das sich zeitlos mit Rassismus auseinandersetzt, am Beispiel der Sängerin Billie Holiday. Ein Lied, welches mit Versatzstücken aus Holidays Leben und Liedern spielt, aber auch Helmut Debus Frage danach, „wie man diesen Wahnsinn ausdrücken kann“ widerspiegelt. Andere Stücke wiederum lassen einen träumen – von einer (besseren) Welt, dem Land am Wasser, von Leichtigkeit mit Tiefe und dem Zug an der Zigarette mit Blick auf die Weser.


Weitere Informationen unter   www.helmutdebus.de 
Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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