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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Christuskirche: Braker sprechen Lars Koch frei

23.10.2017

Brake „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ betonte Pfarrer Christian Egts und eröffnete damit einen beeindruckenden Theaterabend. Denn in der Christuskirche wurde vom Bremer Kriminaltheater „Terror“ aufgeführt. Das Bühnenstück von Ferdinand von Schirach hat in den vergangenen Monaten für viel Aufsehen gesorgt.

Darf ein Menschenleben geopfert werden, um andere Menschen zu retten? Vor dieser Frage standen die rund 150 Besucher. Als „aktive“ Schöffen mussten sie nach dem Austausch aller relevanten Argumente in der in der Kirche inszenierten Gerichtsverhandlung darüber entscheiden, ob Major Lars Koch für den Tod von 164 Menschen für schuldig befunden werden soll oder das Gericht als freier Mann verlassen darf.

In dem Stück geht es um einen fiktiven Fall. Major Lars Koch wird zur Last gelegt, am 26. Mai 2013 um 20.21 Uhr ein Passagierflugzeug, das sich auf dem Flug von Berlin nach München befand, mit seinem Kampfjet abgeschossen zu haben. Dabei kamen 164 Menschen ums Leben. Das Brisante an dem Fall: Die Passagiermaschine wurde vor dem Abschuss durch einen Terroristen gekapert und flog in Richtung der mit 70 000 Menschen vollbesetzten Allianz-Arena in München.

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Neben der Einbeziehung des Publikums wies das Bühnenstück eine weitere Besonderheit auf: Zwei Braker spielten in dem Stück als Schauspieler mit. In der Rolle des Vorsitzenden agierte Rechtsanwalt Torsten Rückoldt, während Gabriele Borries – bekannt von der Niederdeutschen Bühne Brake – als Protokollführerin eingesetzt war.

Die Gerichtsverhandlung überzeugte; sie machte deutlich, wie facettenreich die Tat beleuchtet werden kann. Die Besucher verfolgten die Ausführungen der Staatsanwaltschaft und des Verteidigers sehr konzentriert. Letztendlich war jedem bewusst, dass sie im Laufe des Abends durch ihre Entscheidung das Urteil bestimmen würden.

Bevor die Braker Schöffen jedoch ihr Urteil fällten, wurde eine Pause eingelegt, in der in vielen Gruppen über den Fall diskutiert wurde. Die Meinungen des Publikums waren dabei keineswegs einheitlich. Vielmehr wurde lebhaft diskutiert. Die Brüder Tim und Max Lüdemann etwa entschieden sich für einen Freispruch von Lars Koch. Sie begründeten ihre Entscheidung mit der Rettung tausender Menschen, die, so schmerzlich es auch ist, den unschuldigen Tod von 164 Passagieren rechtfertigen würde.

Für Ulla Frost dagegen war die Entscheidung alles andere als leicht. Sie müsse sich erst noch einmal alle Argumente, die angesprochen worden sind, durch den Kopf gehen lassen und konnte sich daher noch nicht für „schuldig“ oder „Freispruch“ entscheiden.

Am Ende entschied sich das Publikum mit 89 zu 43 Stimmen für einen Freispruch des Angeklagten. Bei der Urteilsbegründung erklärte Torsten Rückoldt unter anderem, „dass unser Recht offenbar nicht in der Lage ist, jedes moralische Problem widerspruchsfrei zu lösen.“

In diesem Sinne forderte das Bühnenstück „Terror“ den Besucher heraus, sich mit Fragen des Rechts und der Moral auseinanderzusetzen. Die Vorstellung wurde vom Publikum sehr gut angenommen und am Ende mit stehenden Ovationen gewürdigt.

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