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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Wasfi denkt jede Sekunde an die Kunst

01.02.2018

Brake Wasfi Ibrahim ist in Deutschland angekommen. Der 56-jährige Künstler hat in Syrien alles verloren und in Brake eine neue Heimat gefunden. Seine beiden Häuser in Damaskus seien im Bürgerkrieg zerstört worden, erzählt er. Als Wasfi, so auch sein Künstlername, dann vor zwei Jahren an die Weser kam, stellte er sich aber der neuen Herausforderung. „Ich bin gesund, ich kann arbeiten“, sagt der Künstler.

Wasfi sprüht vor Energie. Er könne einige Zeit ohne Essen und Trinken leben. „Aber keine Sekunde ohne die Kunst“, betont der gebürtige Syrer. So stürzte er sich schon nach seiner Ankunft in Brake in die Arbeit und gestaltete die Wände im Integrationszentrum an der Kirchenstraße mit seinen Bildern. Jetzt hat er eine neue Technik entwickelt, die wohl einmalig ist. Aus Karton und vielen anderen Materialen schafft er leichte, beinahe schwerelose Bilder und Plastiken, die zum Teil seinen Bezug zur Heimat und zum Neuanfang in Deutschland widerspiegeln. „Ich habe viele Ideen“, erzählt er, und dass er glücklich ist mit seinen Werken.

Es sind auch die Details, die seine neuen Arbeiten so besonders machen. Immer wieder sind Häuser zu sehen, modelliert aus Karton, hin und wieder auch mit Gips und Stoff geformt und schließlich bemalt. Auffällig sind die doppelstöckigen Häuser, Erinnerung an den syrischen Baustil, und die vielen Sprossenleitern, die Etagen, Häuser und Landschaften verbinden. Gemeint ist damit auch der leidvolle Fluchtweg, der ihn bis nach Deutschland führte.

Stück für Stück, Leiter um Leiter ging es für ihn vorwärts. Dass er in Deutschland angekommen ist, zeigt er in einer veränderten Darstellung: Es sind jetzt rechteckige oder quadratische Häuser mit ebensolchen Fenstern, die reliefartig aus den Bilderrahmen herausragen – so wie zuvor die syrischen Häuser.

Diese Plastizität verfehlt ihre Wirkung nicht. Der Betrachter fühlt sich hineingezogen in diese Welt, die aber nicht immer schön ist, wie die unterschiedlichen Arbeiten Wasfis dokumentieren. Eines seiner größten neuen Arbeiten stellt eine zerstörte syrische Stadt dar. Im Vordergrund hält eine weinende Frau einen Säugling im Arm. Vor ihr liegt ein toter Mann auf dem Boden. „Ich trauer um meine Heimat“, sagt Wasfi dazu. Manchmal schalte er ab, erinnere sich. Aber das mache ihn noch stärker. „Es war schwer für mich, neu anzufangen“, erinnert er sich. „Viele Leute halfen mir. Manchmal glaube ich schon, in Deutschland geboren zu sein“, erzählt er mit einem Lächeln. So sehr sei er mittlerweile schon in Brake verwurzelt. Mit dazu bei trägt sicherlich auch der Umstand, dass seine Familie in Deutschland lebt. Seine beiden Töchter wohnen in Brake, seine beiden Söhne in Rheinland-Pfalz.

Wasfi war in Syrien ein wohlhabender und geachteter Mann. Nach seinem Kunststudium in Damaskus arbeitete er zunächst in einem Betrieb, seit 2004 ist er freischaffend. Die Kunst mache er für alle Menschen, nicht für sich. Er würde sich auch gern mit gleichgesinnten Künstlern austauschen, um gemeinsam mit ihnen etwas zu schaffen. Er ist reich an Ideen. In Deutschland neu geboren worden zu sein, wie er sagt, hat sich eines jedoch nicht verändert: Wasfi ist künstlerisch rastlos wie eh und je. Denn ohne Kunst, so sagt er, kann er nicht leben.

 Eine Ausstellung mit seinen Arbeiten wird an diesem Donnerstag, 1. Februar, im Rathaus Jade eröffnet. Beginn ist um 18.30 Uhr.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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