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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Aus dem Leben der Thora Thyselius

07.05.2019

Brake Manche meinen, für das Plattdeutsche sei es schon fünf vor zwölf. Wer jedoch sonntagmorgens erlebt, wie das Braker Fischerhaus fast aus den Nähten platzt, wenn beim plattdeutschen Frühstück des Heimatbundes geklönt, vorgetragen und gelesen wird und Reents Feuss mit seiner Quetschkommode beim plattdeutschen Rudelsingen Jung und Alt von den Stühlen holt, der sieht, dass es gelingen kann, diese Uhr zumindest ein paar Minuten zurückzudrehen.

Im Mittelpunkt der jüngsten Zusammenkunft stand die Braker Schriftstellerin Thora Thyselius. Ihr Sohn Uno ließ das Leben seiner Mutter noch einmal Revue passieren: Am 19. Juni 1911 wurde sie in Brake geboren. Ihr Vater war Reeder und schwedischer Konsul. Die Kindheit verbrachte Thora zum Teil in Schweden. Dort schrieb sie im Exil ihren Roman „Schloss Gripsholm“.

In Brake besuchte Thora das Mädchengymnasium und die Oberrealschule und machte 1931 das Abitur. Kurze Zeit später heiratete sie den Lehrer Edo Behrens. Ihr Mann wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg in Russland vermisst.

Bereits 1939 begann Thora ihre schriftstellerische Tätigkeit, nach Kriegsende arbeitete sie ganz als freie Autorin und intensivierte ihre Arbeit in unterschiedlichen literarischen Formen, von Beiträgen in Zeitungen und Zeitschriften über Erzählungen, historische Romane, Kurzgeschichten bis hin zu plattdeutschen Bühnenstücken und zahlreichen Hörspielen, die zwischen 1954 und 1977 beim NDR, bei Radio Bremen und beim WDR produziert wurden. Bis 1987 erschienen acht Romane oder Sammlungen mit Erzählungen.

Uno Thyselius trug das erste Kapitel aus „Tant van’t Siel“ vor, in der vom Vater der Familie die Ankunft des kinderlosen Familienschrecks im Haus an der Mitteldeichstraße angekündigt wird. Angeblich will „Tant“ nur drei Tage bleiben, doch daraus wird „gefühlt“ ein halbes Leben. Man spürt beim Zuhören schon, dass für Thora Thyselius Niederdeutsch eine literarische Kunstform ist: Jeder Satz ist auf hohem Niveau ausformuliert, die Pointen sitzen an der richtigen Stelle. Sie widerlegt damit auch die heute gängige These, dass man plattdeutsch so schreiben darf, wie es gesprochen wird. Plattdeutsch ist nicht ohne Grund eine von der Europäischen Union anerkannte Regionalsprache mit eigenen Regeln, so wie Englisch, Niederländisch oder Dänisch.

Und überall dort, wo die Kaufleute der Hanse unterwegs waren, sprach und verstand man platt. Erst mit Martin Luther und seiner mittelhochdeutschen Bibelübersetzung änderte sich das. Und durch den Niedergang der Hanse wurde Plattdeutsch endgültig in die zweite Reihe gedrängt. Erst im 19. Jahrhundert gab es mit Klaus Groth, Fritz Reuter und einigen anderen eine Renaissance als Literatursprache.

Mit seiner Kunst der Poetik schaffte es Klaus Groth noch bis ins vergangene Jahrhundert in fast jedes Lesebuch. In dieser Tradition steht dann auch Thora Thyselius, als eine der letzten großen niederdeutschen Literatinnen. Das verdeutlicht der damals bedeutendste niederdeutsche Literaturpreis, der ihr 1965 verliehene Fritz-Reuter-Preis. Thora Thyselius starb am 8. März 1991 in Brake.

„Tant ehr lüttje Johann“, mit dem die allseits „beliebte“ Tante den Nachzügler der Familie Thyselius im Kinderwagen über den Deich kutschierte, vermittelte zum Abschluss noch mal einen Eindruck der Erzählkunst der Braker Schriftstellerin, zum Schmunzeln meisterhaft vorgetragen von Annelore Bergner.

Thora Thyselius war häufig im Fischerhaus zu Gast. Der Heimatbund sieht es als eine seiner Aufgaben an, ihr Andenken zu bewahren.

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