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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein Inselparadies versinkt im Müll

03.01.2018

Brake /Ovelgönne /Sansibar Sansibar, die Trauminsel schlechthin mit ihren paradiesischen Stränden, der tropischen Flora und Fauna und dem Unesco Weltkulturerbe Stone Town. So wird Sansibar oft auf Buchungsseiten angepriesen – und das kann ich auch bestätigen.

Was nur leider nicht erwähnt wird, ist die andere Seite des Paradieses. Denn wenn man einmal die touristischen Pfade verlässt und sich auf den Weg in die Dörfer begibt, sieht man schnell eine ganz andere Seite von Sansibar. Dort liegt auf den Straßen nämlich kein feiner weißer Sand, sonder Müll, vor allem Plastik. Ein Problem, das dringend behoben werden muss, denn sonst wird es nicht mehr lange diese Traumstrände und die atemberaubende Tier- und Pflanzenwelt geben.

Die Abfallwirtschaft ist ein sichtbares Problem auf Sansibar. Und wenn man sich die aktuelle Situation einmal genauer anschaut, erkennt man vor allem vier Probleme. Das erste Problem tritt schon beim Einsammeln des Mülls auf. Auf Sansibar werden täglich schätzungsweise 300 Tonnen Müll produziert, davon werden aber gerade einmal zwischen 30 und 45 Prozent eingesammelt, der Rest wird einfach liegen gelassen. Es wird also viel mehr Müll produziert als das Zanzibar Community Council (ZMC) einsammeln kann.

Dies liegt vor allem an zwei Dingen. Nur zehn Prozent der Einwohner zahlen Abfallgebühren, den restlichen Müll versucht das ZMC zwar auch einzusammeln, muss dann aber die Kosten dafür selber tragen. So wird der Mülltransport aus finanziellen Gründen eingeschränkt. Zum anderen verfügt das ZMC nur über acht solide Sammelfahrzeuge, um den Müll zu transportieren. Und diese benötigen gepflasterte Wege, was nicht oft der Fall ist. Deshalb fehlt vielen Menschen einfach der Zugang zu Sammeldiensten.
 Das zweite große Problem ist das Unvermögen, den Müll zu trennen. Organische Abfälle und Plastik werden gleich behandelt, dadurch wird das recyceln erheblich erschwert. Dies liegt an der Unwissenheit der Menschen. Man müsste also erst einmal die öffentliche Meinung ändern bzw. die Leute aufklären.
 Drittens fehlen die Möglichkeiten für angebrachte Müllbeseitigung, so wird der Müll oft vergraben oder verbrannt. Das hat ungeheure Umweltschäden, aber auch für Menschen bedrohliche Konsequenzen.
 Das vierte Problem betrifft vor allem die Arbeiter, die mit den Abfällen in Kontakt treten. Ebenfalls durch Unwissenheit gibt es so etwas wie Schutzkleidung – also Mundschutz, Handschuhe und Helme gar nicht.

Diese offensichtlichen Probleme hat auch die Organisation erkannt, mit der ich hier bin, weshalb wir neben der Arbeit mit den Schildkröten auch an einem Umweltprojekt arbeiten. Dafür sammeln wir fast täglich an einem bestimmten Strandabschnitt den Müll ein, manchmal laufen wir auch durchs Dorf und sammeln mit den Kindern die herumliegenden Abfälle ein. Später suchen wir uns dann den Softplastik heraus. Den restlichen Abfall werfen wir auf unsere eigene Müllhalde.

Wenn dann am Nachmittag all die Arbeit mit den Schildkröten erledigt ist, waschen und desinfizieren wir den Plastikmüll. Dieser wird dann luftgetrocknet und entweder in Plastikflaschen gestopft – also zu einem sogenannten Ecobrick – oder er wird in Säcken und mit der richtigen Presse zu einem Ubuntublox verarbeitet. Das Ziel ist es, daraus irgendwann mal ein Haus zu bauen. Das würde dann so verkleidet werden, dass man gar nicht mehr sieht, aus welchem Material es gebaut wurde. Natürlich wissen wir freiwilligen Helfer, dass wir damit nicht unglaublich viel bewirken, aber da auch viele Einheimische ins Aquarium kommen, können wir sie über diesen Weg gut darüber aufklären, wie schädlich vor allem Plastik ist.

Von diesem Projekt aus haben wir auch schon dabei geholfen, den Abfall der örtlichen Müllhalden in Nungwi abzutransportieren. Außerdem waren wir in Schulen von Nungwi und haben dort Kinder über das Problem Plastik aufgeklärt. Zudem haben schon Helfer von hier mit Einheimischen ein Haus aus Plastikflaschen gebaut, diese sind mit Sand gefüllt. So sind aber etwa 16 000 Plastikflaschen auf diese Weise verarbeitet worden. Dieses Haus dient nun als Gästehaus, das man auf der Website www.habibis-bottle-House.com buchen kann.

Trotz des ganzen Mülls habe ich mich in das Dorf verliebt. Es hat eben seinen ganz eigenen Charme. Es ist nur wichtig, beide Seiten zu kennen. Und auch, wenn man als Tourist ein Land bereist, sollte man aufmerksam sein und sich mit seinem Urlaubsort beschäftigen und es nicht nur „ausbeuten“.

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