• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Eine Messe für heutige Hörgewohnheiten

02.08.2018

Brake /Rodenkirchen Ihre Uraufführung im vergangenen November war ein Ereignis, das die rund 300 Zuhörer in der St.-Matthäus-Kirche Rodenkirchen nicht vergessen haben. Jetzt ist die „Missa Jubilate Deo“, die Messe zum Lobe Gottes, ein zweites Mal zu hören: am Sonnabend, 11. August, ab 19 Uhr in der Stadtkirche Brake. Der Eintritt ist frei.

Aufgeführt wird das Werk wieder vom St. Matthew‘s Choir Rodenkirchen, der Kantorei Blexen und einem Projektchor – insgesamt 50 Sängerinnen und Sänger. Sie treten unter der Leitung von Alfons Faß auf, der die Messe auch komponiert hat. Das Orchester ist rein elektronisch: ein Musikcomputer, auf dem Alfons Faß jedes Instrument selbst eingespielt hat.

Latein und Deutsch

„Missa Jubilate Deo“ – das ist Lateinisch. Und nicht aus Zufall oder Tradition. Denn vor der Reformation gab es in allen Kirchen nur Gottesdienste in lateinischer Sprache. Das lag nicht etwa daran, das ganz normale Menschen damals deutlich besser Latein sprachen oder wenigstens verstanden als heute. Sondern daran, dass es nicht darum ging, dass sie überhaupt etwas von dem Inhalt verstanden.

Und das gehört zu den wichtigen Dingen, die durch die Reformation vor 500 Jahren anders geworden sind. Denn Martin Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche, und gerade die reformierten Pastoren im Oldenburger Land waren Vorreiter beim Einsatz der deutschen Sprache im Gottesdienst. 1526 setzte sich Luther dafür ein, in die deutschsprachige Messe auch deutschsprachigen Psalmengesang einzubauen.

Darauf baut auch die Messe von Alfons Faß auf. Sie besteht aus lateinischen Texten, wie sie in Gottesdiensten eingesetzt wurden – in der katholischen Kirche übrigens noch bis vor etwa 50 Jahren –, ihren deutschen Übersetzungen und den ersten von Luther übersetzten Psalmengesängen.

Die Messe zeichnet also eine Entwicklung nach, die unsere Gesellschaft bis heute prägt. „Die Gemeinde wurde dadurch vom Objekt zum Subjekt des Gottesdienstes“, stellt die Rodenkircher Pastorin Birgit Faß die Veränderung in den theologischen Zusammenhang. „Der Gottesdienst wurde demokratisiert.“

Auch bei Alfons Faß war am Anfang das Wort – erst das lateinische, dann das deutsche. Erst als er die Worte beieinander hatte, kam die Musik. Zu den lateinischen Passagen komponierte der 70-Jährige klassische Melodien nach dem Vorbild von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) und Samuel Scheid (1587 bis 1654). Die deutschsprachigen Passagen unterlegte er mit moderner Musik – vor allem Rock und Pop. Doch auch diese Kompositionen folgen der Melodieführung der frühen Klassik, damit nahtlose Übergänge möglich sind, eine Verbindung von Mittelalter und Moderne.

Alfons Faß ist ein Vollblutmusiker, er stammt aus einer hochmusikalischen Familie. Sein Großvater war Organist in Wuppertal, sein älterer Bruder Konzertpianist und Chormusiker, sein jüngerer Bruder ist Konzertcellist Faß bekam mit fünf Jahren Klavierunterricht, mit acht nahm er ein Studium im Fach Klavier am Bergischen Landeskonservatorium in Wuppertal auf, das er aber sechs Jahre später wieder aufgab, „weil mir die damalige Pädagogik nicht lag“, wie er sagt.

Oratorium in Arbeit

Als Autodidakt erlernte er die Gitarre und war mit einer Beat-Band unterwegs; als er zur Bundeswehr musste, gab er die Musik auf. Seine Frau Birgit führte ihn dorthin zurück, als er vor etwa 25 Jahren „von jetzt auf gleich“ die Leitung zweier Chöre bei einem Konzert in Iserlohn übernehmen musste.

Bald darauf nahm er das Komponieren wieder auf, erst Singspiele für Kinder- und Jugendchöre, dann drei Musicals, die in verschiedenen Städten Deutschlands aufgeführt wurden. Doch die Missa Jubilate Deo ist auch für Alfons Faß eine Premiere.

Sie soll es aber nicht bleiben. Der Ehemann der Rodenkircher Pastorin arbeitet schon an seinem nächsten Werk – einem Oratorium mit dem Titel „Die Schöpfung“. Es soll am Sonntag, 10. November 2019, in Rodenkirchen uraufgeführt werden. Das Werk ist mit anderthalb Stunden doppelt so lang wie die „Missa Jubilate Deo“.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.