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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Schiffahrtsmuseum: Ohne Kugeln und Messerstiche

26.10.2019

Brake Im Film „Forrester gefunden“ sagt der Hauptdarsteller Sean Connery zu seinem jungen Schriftsteller-Kollegen: „Es ziemt sich nicht, aus seinem eigenen Werk vorzulesen“. An diesen Rat hielt sich auch Marcel Kruse und hatte sich den Schauspieler Wolfgang Marten aus Bremerhaven mitgebracht.

Am Donnerstagabend ging es im Schiffahrtsmuseum der Oldenburgischen Unterweser scharfsinnig zur Sache. Kommissar Weiland löste seinen ersten Fall. Kommissar Weiland, der schrullige Kommissar mit den unbequemen Fragen, wurde vom Schriftsteller Marcel Kruse ins Leben gerufen. „Weilands erster Fall – mehr Fragen als Antworten“ heißt das erste Buch.

Marten ist Mitglied des Ensembles „Markant“, welches semi-professionelle Aufführungen auf die Bühne bringt. Dies sollte sich am Donnerstag als Glücksgriff erweisen. Marten verstand es, den Text lebendig zu transportieren und fesselte das Publikum von Beginn an mit seiner gestalterisch starken Stimme.

Diese Gestaltung war auch durchaus notwendig, denn Kommissar Weiland ist anders als die meisten Kommissare – und Marcel Kruse ist anders als viele seiner schreibenden Kollegen.

Kruse beschreibt seinen eigenen Krimi als „Soft-Krimi“. Er sagt: „Gewalt lehne ich ab. Das muss nicht sein. Das hinterlässt oft so grausame Bilder in den Menschen. Das möchte ich nicht.“

Durch die Lesung bekam das Publikum einen Eindruck davon, wie Kruse sich einen Krimi vorstellt – Wolfgang Marten las den, zugegeben etwas kurz geratenen Krimi in seiner Gesamtheit als eine Art Live-Hörbuch vor. Aber weil dieses Buch mit nur 16 Kapiteln für eine Lesung dann doch zu lang gewesen wäre, griff der Autor immer mal wieder selbst ein und erklärte den Inhalt von einigen ausgelassenen Kapiteln.

Es kamen sofort Fragen auf beim Publikum. Zum Beispiel: Gibt es hier überhaupt einen Fall? Ist der Polizist und Unfalltote Tamburello eines natürlichen Todes gestorben? Weiland hat sofort so ein Gefühl, als er den Unfallort in Augenschein nimmt – da stimmt etwas nicht, sagt ihm seine Intuition.

Sogleich stellt er den genervten Kollegen Fragen (besonders seinem Gegenspieler Korbes) in seiner ganz speziellen Art – sie erinnern an die Figur des Inspektor Columbo aus der gleichnamigen Fernsehserie: „Was macht der hier?“ Oder auch die scheinbar einfältige Frage: „Was ist passiert?“

Für Weiland zählen die Details, die kleinen Veränderungen, die Intuition, die für diesen Kommissar auf Fakten basiert.

Im Laufe der Lesung stellt sich heraus, dass es tatsächlich Mord war. Mit Unterstützung des „Neuen“ (der neue Kollege Mönch) nähert sich Weiland durch seine unerbittlichen Fragen der Lösung des Falles immer mehr an.

Verschiedene mögliche Realitäten, die Weiland durch seine Fragen nebeneinander stellt, verdichten sich am Ende zu einer einzigen Möglichkeit – der Lösung des Falles.

Die Sprache, die Marcel Kruse dabei verwendet, hat etwas nördlich unaufgeregtes, besitzt eine Klarheit, bei der das Norddeutsche in Kruse scheinbar zu Buche schlägt.

Als Unfallkurve taucht vor dem inneren Auge sofort eine Strecke in der Wesermarsch auf – immerhin ist Kruse 1968 in Brake geboren und lebt und arbeitet als Ingenieur in Bokel auf der anderen Weserseite.

Ein insgesamt lesenswertes Erstlingswerk, das ganz ohne echte Kugeln und Messerstiche auskommt, dafür aber durch einen Kommissar besticht, der es versteht, wie eine Spinne ein Fragennetz zu spinnen und geduldig zu warten, bis die Beute in die Falle geht.

Erhältlich ist der erste Krimi von Marcel Kruse im Internet als Book on Demand zum Preis von 4,99 Euro.

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