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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Hinter jedem Bild steckt eine Geschichte

15.08.2017

Butjadingen /Abbehausen „Frag Mama nie nach ihren Bildern. Sonst hört sie nicht wieder auf zu erzählen.“ Das hat eine Tochter von Ursel Koop einmal über ihre Mutter gesagt. Doch es gibt so viel zu erzählen. Denn wenn die 68-jährige Abbehauserin ein Bild malt, dann gibt es dazu immer auch eine Geschichte. So wie bei dem Werk, das sie schuf, als es in einem Workshop um Sturmfluten gehen sollte.

Ursel Koop hätte sich dem Thema ganz klassisch nähern, hätten schäumende Wogen unter einem düsteren Himmel malen können. Stattdessen brachte sie Weckgläser auf die Leinwand. Die Geschichte dahinter: Als 1962 klar war, dass eine schwere Sturmflut die Nordseeküste treffen würde, sagte Ursel Koops Mutter zu ihrer Tochter: „Bring mal lieber die Weckgläser nach oben.“ An diese Episode erinnerte sich die Abbehauserin. Und machte sie zum Motiv ihres Bildes.

Ursel Koop lädt im Rahmen der „Gezeiten“ nicht in ihr Atelier, sondern in ihren Malgarten ein. Der ist an der Butjadinger Straße 45 in Nordenham-Abbehausen zu finden und am Sonnabend und Sonntag, 2. und 3. September, jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Gert Rosenbohm aus Brake präsentiert an den beiden Tagen in Ursel Koops Garten Scrimshaw. Dabei handelt es sich um eine spezielle Technik, mit der früher in Walknochen kleine Kunstwerke geritzt wurden. Heute werden Kunststoffe verwendet.

Ursel Koop wuchs in Brake auf, war viele Jahre lang Grund- und Hauptschullehrerin in Abbehausen und unterrichtete dort auch Kunst. Das Metier war ihr also keinesfalls fremd, als sich im Jahr 1999 entschloss, an einem Schreib- und Malprojekt der Kunstpädagogin Meike Janßen in Seefeld teilzunehmen. Das Projekt trug den Titel „Bilderbuch meines Lebens“. Ursel Koop beschäftigte sich drei Monate lang mit dem Thema, reflektierte ihr Leben, konnte am Ende eine 176 DIN–A-3-Seiten umfassende Mappe vorweisen. Und hatte damit nicht nur ein Bilderbuch ihres Lebens angefertigt, sondern zugleich auch ein neues Kapitel dieses Lebens aufgeschlagen. Ein Kapitel, in dem Kunst eine entscheidende, vielleicht die zentrale Rolle spielt.

Die Abbehauserin hat inzwischen mehr als 500 Bilder gemalt, hat in bislang sieben Einzelausstellungen ihre Werke gezeigt, sich in unzähligen Kursen und Workshops weitergebildet. Unter anderem hat sie mehrfach die Europäische Kunstakademie Trier besucht, dort ihre Technik verfeinert, gelernt, Inspiration in ein werdendes Bild zu kanalisieren. Und wenn das geschieht, sagt Ursel Koop, dann sei der gesamte Rest der Welt ausgeblendet.

Motive findet die Abbehauserin in der Landschaft Norddeutschlands, gerne am Meer. „Ich liebe unsere Küsten- und Insellandschaft, sehe die speziellen Formen am Hafenkai, am Schiffsbug, an den Fanggeschirren, entdecke Kleinode im Wattenmeer oder am Spülsaum, rieche Salz und Tang am Wasser, mache aus Wattengrau durch meine Eindrücke und Empfindungen ein farbenfrohes Bild“, listet die Abbehauserin auf.

Und erklärt damit gleich, worum es ihr geht in der Malerei. Nicht darum, die Dinge, die sie sieht, eins zu eins abzubilden. Ursel Koops Bilder, überwiegend in Acryl gemalt, sind nicht gegenständlich. Sie sind auch nicht abstrakt. Sie liegen genau dazwischen.

Gerne arbeitet die Künstlerin alte Seekarten in ihre Werke ein oder nutzt dafür andere Utensilien. Und nicht selten ist ein Bilder nicht fertig, obwohl es fertig scheint. Dann nimmt Ursel Koop nicht nur kleine Korrekturen vor, sondern klebt hier etwas ab, mal dort großzügig ganze Flächen über. So entstehen Brechungen, entsteht das Bild im Bild. Und das macht den besonderen Reiz ihrer Kunst aus. Jedes Werk ist mindestens einen zweiten Blick wert.

Ursel Koop ist Mitglied im „Gezeiten“-Arbeitskreis. So ist die 68-Jährige auch zu der Reihe der ansonsten in Butjadingen ansässigen Künstlerinnen und Künstler gestoßen, die im Rahmen der Kunst- und Kulturwochen am 2. und 3. September ihre Ateliers öffnen. Im Fall von Ursel Koop wird dieses Atelier – so das Wetter es zulässt – ihr Garten sein. Denn der ist selbst ein Kunstwerk.

Detlef Glückselig
Butjadingen
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2204

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