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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Wie eine Rübe zur Erfolgsstory wurde

05.01.2019

Butjadingen /Nordenham Chauvi-Witze kommen bei den Damen in der Band nicht ganz so gut an. Bernd Bultmann alias Bulti weiß das. Daher haut er diese Sorte Kalauer vorzugsweise auch erst raus, wenn alle auf der Bühne stehen und ihn niemand mehr bremsen kann. Und weil die Damen wissen, dass auch Bultis Witze Teil des Erfolgsrezepts sind, fallen und Schelte Zensur meistens harmlos aus.

So wird es auch in der Nordenhamer Jahnhalle wieder lustig zugehen, wenn dort am kommenden Wochenende eine musikalische Institution der nördlichen Wesermarsch, die ihre Keimzelle in der Gemeinde Butjadingen hatte, einen runden Geburtstag feiert: die Ruhwarder Saitenhiebe werden 25.

Alles begann 1994 mit zwei Musikern und einem sperrigen Bandnamen: Kathrin Torkel und Bernd Bultmann, seinerzeit beide in Ruhwarden wohnend, riefen den Ruhwarder Überraschungsservice ins Leben. Sie traten bei Hochzeiten, Geburtstagen und anderen Festivitäten auf. Wenn es dem Gastgeber oder der Gastgeberin ein Ständchen zu bringen galt, sammelte Bulti Informationen über die betreffende Person und dichtete einen eigenen Text – meistens auf die Melodie von „Sabinchen war ein Frauenzimmer“.

„Lonesome Boatman“ von The Fureys war der erste Titel, den das Duo einstudierte. Aus dem sperrigen Ruhwarder Überraschungsservice wurde im Butjenter Sprachgebrauch schon bald ein griffiges Rübe. Die hatte ihren ersten öffentlichen Auftritt in Seeverns bei einem der Kleinkunstabende, die Bernd Bultmann damals unter dem Titel „Querbeet“ für das Programm der Kunst- und Kulturwochen Gezeiten organisierte.

Duo wird zum Trio

Was der Rübe fehlte, war eine Sängerin. 1996 machte Hannelore „Hanne“ Müchler aus dem Duo ein Trio und brachte nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihre Flöten und ihre Gitarren mit. Zu drei Fünfteln waren die Ruhwarder Saitenhiebe komplett.

Gemeinsam musizierten Hanne Müchler, Kathrin Torkel und Bernd Bultmann auch in der Gruppe Butjenter Speelwark. Einer ihrer dortigen Bandkollegen war Multiinstrumentalist Uwe Kessens, der sich 1999 mit den Saitenhieben sein zweites musikalisches Standbein anlachte. Bei dieser Besetzung sollte es sechs Jahre lang bleiben.

Geigerin Dominique „Domi“ Wempe spielte bei den Picking Berries, als sie 2005 ein Hilferuf ereilte. Bei den Ruhwarder Saitenhieben hatten sich Kathrin Torkel in eine Babypause und Hanne Müchler überraschend zu einer OP ins Krankenhaus verabschiedet. Es standen Auftritte an, und nun war für die verbliebenen Männer guter Rat teuer. Sie fragten bei den Picking Berries nach, ob die nicht die Auftritt übernehmen könnten. Dazu kam es nicht. Stattdessen stieg Domi Wempe bei den Saitenhieben ein und komplettierte das das heutige Erfolgsquintett.

Die Saitenhiebe haben im polnischen Swinemünde und im britischen Peterlee – die beiden Partnerstädte Nordenhams – gespielt, sie sind auf dem Oldenburger Stadtfest und in Hamburg aufgetreten. Und sie waren live bei mehreren „Hafenkonzerten“ von Radio Bremen dabei. „Der Soundcheck begann immer morgen um 6 Uhr. Man musste also irrsinnig früh aufstehen“, erinnert sich Bulti.

Niemals langweilig

Eine lange und innige Beziehung gibt es zur Jahnhalle. Als die Saitenhiebe zum Trio geworden waren, hatten sie dort 1996 in der Reihe „Café im Takt“ ihren ersten Auftritt. Inzwischen spielt die Band alljährlich im Januar in Nordenhams Kulturzentrum – an zwei aufeinanderfolgenden Abend , die grundsätzlich ausverkauft sind. Das gilt auch für die beiden Gastspiele kommenden Freitag und Samstag, 11. und 12. Januar. „Das freut uns schon, dass wir als kleine Folkband zwei Mal die Jahnhalle füllen können“, stapelt Bernd Bultmann tief.

Und was ist nun außer Bultis launigen Moderationen das Erfolgsgeheimnis der Saitenhiebe? Das kann das jüngstes Mitglied der Band erklären: „Bei uns wird es einfach nie langweilig“, sagt Dominique Wempe. Von melancholisch bis fetzig kann das Quintett jede Stimmung bedienen. Und ganz egal, ob gerade ein Folksong von Show of Hands oder „Nothing else matters“ von Metallica ansteht – es klingt immer nach den Ruhwarder Saitenhieben.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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