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Kultur: Das Leben hat Nebenwirkungen

26.09.2014

Brake „Ich bin ein verheirateter Mann. Wenn ich schon nicht frei leben kann, dann wenigstens keimfrei.“ Dass dies allerdings angesichts von Besuchen auf Autobahntoiletten und Campingplätzen nicht immer ganz einfach ist, davon berichtete Kabarettist Ingo Börchers am Mittwochabend seinem Publikum im Braker Fischerhaus.

„Das Leben hat Nebenwirkungen“ – so lautet die Kernthese des selbsterklärten „Humorarbeiters“ und Hypochonders in seinem neuen Programm „Ferien auf Sagrotan“. Und so wurde dem Publikum auch kein keimfreies und steriles Programm serviert, sondern vielmehr ein bissiger Rundumschlag durch die Themen Medizin, Armut und Gesundheit.

Gerade darin liegt die besondere Fähigkeit des ostwestfälischen Schnellsprechers: Börchers jagt mit atemberaubendem Tempo durch sein Programm, beschäftigt sich als treuer Anhänger des TV-Hypochonders Monk mit seinen vielfachen Wehwehchen und Problemen und schafft es dennoch, das Publikum nicht auf halber Strecke zu verlieren. Kein Wunder, denn wie sagte einst TV-Moderator Robert Lembke: „Gemeinsame Krankheitssymptome verbinden mehr als gemeinsame Überzeugungen.“

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Nie aus den Augen bei lauter Wortspielereien verlor der Bielefelder dabei die pointierte Sozialkritik. Sei es die Lebensmittelindustrie, die einzelne Genussmittel wie Medikamente anpreist (Stichwort „Pharmaschinken“), das verzweifelte Suchen der Pharmabranche nach neuen Krankheiten und somit Einnahmequellen („Frauen, die öfter mal neue Klamotten anprobieren, haben eine Stoffwechselkrankheit“) oder der Selbstoptimierungswahn der Gesellschaft: Sie alle bekamen den Spiegel vorgehalten, verbunden mit der These des Abends: „Das Leben hat Nebenwirkungen“.

Dieser Satz ist es, der beim Publikum hängen bleiben sollte. Schließlich verstehe sich der Kabarettist auch als Dienstleister, umschrieb Börchers sein eigenes Berufsbild. Es gehe darum, dass das Publikum auch etwas lerne. In dem Sinne: „Wenn Raucher heute ständig nach draußen geschickt werden, sterben sie nicht mehr an Lungenkrebs, sondern an Lungenentzündung.“

Weisheiten, die beim Braker Publikum gut ankamen. „Hier verlässt jeder das Haus mit Lachfalten im Gesicht“, bemerkte eine Zuschauerin. Und bei all den an diesem Abend erwähnten Krankheiten und körperlichen Verfallserscheinungen war dieser Punkt womöglich besonders wichtig: Schließlich ist Lachen immer noch die beste Medizin.

Martin Thaler Volontär / NWZ-Redaktion
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