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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Theater: Der alte Ibsen wird zum Happening

20.11.2010

ATENS So voll war die Friedeburg bei einer Theateraufführung schon lange nicht mehr. Fast 400 Zuschauer wollten am Donnerstagabend Henrik Ibsens Gesellschaftsdrama „Ein Volksfeind“ sehen – darunter viele Gymnasiasten, die den Stoff fürs Abitur brauchen. Sowohl langjährige Abonnenten als auch künftige Abiturienten waren restlos begeistert von dem, was ihnen das Oldenburgische Staatstheater bot.

Stimmung kam vor allem im zweiten Teil auf. Schon in der Pause mischten sich die Darsteller unters Publikum und verteilten Wasser in Plastikflaschen. Doch kaum waren die Zuschauer wieder auf ihren Plätzen, ging es richtig los: Plötzlich waren sie Teil der Inszenierung. Das Licht blieb an, der Vorhang zu – und sie waren die Volksversammlung in der Kleinstadt, die über den angesehenen Badearzt Dr. Thomas Stockmann richtet – und ihn als Volksfeind abqualifiziert. Wie hatte es soweit kommen können?

Der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen hat Thomas Stockmann in seinem 1882 verfassten Stück als idealistischen Arzt angelegt, der seine Heimatstadt über alles liebt und sie vor Schaden bewahren will. Fast noch mehr liebt er die Wahrheit.

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Bakterien im Bad

Zum Konflikt kommt es, als Thomas Stockmann (Gilbert Mieroph) entdeckt, dass das Heilwasser im neuen Bad, das wirtschaftlich gerade auf den grünen Zweig gekommen ist, voller gesundheitsschädlicher Bakterien steckt. Er will den Untersuchungsbericht im örtlichen „Volksboten“ veröffentlichen und hat zunächst auch die Unterstützung des windigen Redakteurs Hovstad (Klaas Schramm) und des servil-ängstlichen Buchdruckers Aslaksen (Vincent Doddema).

Doch das Blatt wendet sich, als Stockmanns Bruder Peter (Bernhard Hackmann), der aalglatte Bürgermeister und Vorsitzende der Bädergesellschaft, den wirtschaftlichen Ruin der Stadt an die Wand malt. Plötzlich veröffentlicht der „Volksbote“ nicht die wissenschaftlich fundierte Untersuchung, sondern einen beschönigenden Bericht des Bürgermeisters, und die Bürger erklären Thomas Stockmann zum „Volksfeind“.

Der wiederum versteigt sich in absurde Litaneien, denenzufolge nicht nur das Bad verseucht sei, sondern die ganze Gesellschaft – und zwar vom Kleingeist der kleinen Leute. Am Ende ist er isoliert, unterstützt nur noch von seiner Frau Katrine (Caroline Nagel), seiner Tochter Petra (Rika Weniger) und dem Kapitän Horster (Eike Jon Ahrens).

Typen in einer Farce

Der Regisseur Jasper Brandis hat die Figuren als zeitlose Typen einer Farce angelegt. Thomas tritt in einem weißen Arztanzug auf, der am Ende fast wie ein Jesusgewand wirkt, der Redakteur Hovstad in einem unseriös wirkenden karierten Sakko, der Kapitän Horster ist stark tätowiert und der vierschrötige Gerber Morten Kiil (Thomas Lichtenstein) ausstaffiert wie ein Indianerhäuptling. Da wird der alte Ibsen zum Happening.

Henrik Ibsen ging es in diesem Stück um die Freiheit, die Wahrheit und ihre Manipulation, die immer wieder gelingt, weil der Mensch Mensch ist und kein höheres Wesen.

Mehrfach gibt auch der Regisseur selbst seinen Kommentar dazu – von der Konserve. Er lässt den linken britischen Sänger Billy Bragg in seinem Lied „A new England“ singen: „I don‘t want to change the world,/ I‘m not looking for a new England,/ I‘m just looking for a new girl.“

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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