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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Die Friesische Freiheit ist nur ein Mythos

16.01.2014

Rodenkirchen Die Schlacht an der Hartwarder Landwehr ist von vielen Mythen umrankt, die mit der Wirklichkeit des Jahres 1514 wenig zu tun haben. Das machte der Vortrag von Professor Dr. Gerd Steinwascher über „Die Eroberung des Stad- und Butjadinger Landes“ deutlich.

Der Leiter des Staatsarchivs in Oldenburg sprach am Dienstagabend vor rund 150 Zuhörern in der Markthalle. Die erfuhren zum Beispiel, dass der Spruch „Lever dod as Sklav“, der auf dem Friesendenkmal prangt, keineswegs aus dem Jahr 1514 stammt, sondern aus dem 19. Jahrhundert, als das alte Friesland wiederentdeckt wurde.

Auch über die Schlacht selbst sei wenig Verlässliches bekannt, sagte der 60-Jährige, und hielt sich deshalb nur kurz bei dem Gemetzel auf. Dafür nahm er sich umso mehr Zeit, den Waffengang in die großen Zusammenhänge einzuordnen, die ihn verursachten.

Dazu gehört das Lehenswesen, das im frühen Mittelalter die Herrschaftsform im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war und bis zu seiner Auflösung 1806 formal in Kraft blieb. Tatsächlich wurde es von den kleinen Fürstentümern im Reich immer mehr ausgehöhlt. An der Nordseeküste galt es sowie nicht, weil dieser Naturraum wegen der Sturmfluten schwer zu beherrschen war.

Lehen als Verhängnis

Dennoch wurde das Lehenswesen dem Stad- und Butjadinger Land zum Verhängnis. Denn die Familie Cirksena aus Greetsiel, die sich zum Herrscherhaus von Ostfriesland aufschwang, ließ sich diesen Aufstieg bestätigten, indem sie sich 1464 von Kaiser Friedrich III. mit allen friesischen Landen belehen ließ – und dazu gehörten auch die Landesgemeinden Butjadingen und Stadland.

Das hinderte dessen Sohn Maximilian I. aber nicht daran, 1498 Herzog Albrecht von Sachsen genau das gleiche Gebiet als Lehen zu geben. Denn der Kaiser nahm es mit der Lehensvergabe nicht so genau, und er brauchte das Geld des Lehensmannes.

Die Oldenburger Grafen aber waren stolz darauf, keine Lehensmänner zu sein. Sie wollten sich Butjadingen und Stadland im Jahr 1500 einfach so unter den Nagel reißen. Doch das vereitelten die beiden Lehensnehmer Sachsen und Ostfriesland gemeinsam.

Als der ostfriesische Graf Edzard I. aber Groningen erobern wollte, wurde es dem sächsischen Herzog zu bunt. Albrecht verbündete sich mit den Oldenburgern und den Welfen, um dem aufstrebenden Adligen das ganze Land wegzunehmen; schließlich hatte Albrecht es vom Kaiser als Lehen bekommen. Pikant daran: Die Welfen regierten nicht nur das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, sondern stellten neuerdings auch den Erzbischof von Bremen, weshalb die Butjenter und Stadlander von der Hansestadt, ihrem langjährigen Verbündeten gegen Oldenburg, keine Hilfe zu erwarten hatten. Sie suchten sie aber auch nicht.

Der einzige Sieg

Denn Schlachten zwischen Landesgemeinden und Fürsten seien kein Kampf David gegen Goliath gewesen, sagte Gerd Steinwascher. Oft siegten auch die Angegriffenen. Diesmal gewannen die Angreifer, aber es blieb ihr einziger Sieg im Kampf gegen den großen Ostfriesen.

Die Oldenburger übernahmen Butjadingen und Stadland, aber zu zwei Dritteln war es ein Lehen der Welfen. Da begannen sie, ihre Einstellung zum Lehenswesen zu ändern – und damit ihren Aufstieg zu beschleunigen. 1531 nahmen sie ihre komplette Grafschaft – einschließlich der beiden ehemaligen Landesgemeinden – als kaiserliches Lehen an.

Und die friesische Freiheit? Sie bedeutete nur, dass einige wenige reiche Bauernfamilien keinen adligen Herrn über sich dulden mussten – und sich deshalb selbst aufführen konnten wie kleine Adlige, sagte Gerd Steinwascher. Den meisten ging es unter den Oldenburgern nicht schlechter.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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