• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Die Tänzerin kommt zum Finale

02.11.2015
NWZonline.de NWZonline 2015-11-02T05:30:55Z 280 158

Konzert:
Die Tänzerin kommt zum Finale

Nordenham Vor deutlich über 30 Jahren war Ulla Meineckes Karrierehöhepunkt. Da füllte sie die großen Säle und musizierte mit anderen Berühmtheiten des Genres. Etwa mit etwa Udo Lindenberg, der bei ihrem Durchbruch half. Jetzt hat Ulla Meineckes Auftritt in Nordenham gezeigt, dass sie nichts verlernt und – durch das Leben – noch einiges dazu gewonnen hat.

Mit dem ersten Lied „Wenn Zwei zueinander passen“ stellte Ulla Meinecke vor, was den ganzen Abend über im gut besuchten Kulturtempel für Genuss sorgen und ihr viel Beifall einbringen sollte: ihre wunderbare Stimme. Vollklingend, sonor, recht tief für eine Frau und mit großer tonaler Bandbreite. Dieses großartige Instrument beherrscht sie professionell, kann also je nach Gemütslage des Liedes schnurren oder temperamentvoll röhren. Ihr zweites Pfund ist ihre Sprachgewalt. Die äußert sich in den Liedertexten, die poetisch und mitunter geheimnisvoll klingen, vieles nur andeuten, aber sehr viel mehr ausdrücken.

Nicht rosarot

Eine Frau die eine Situation „zerdenkt“ sei hier beispielhaft zitiert. Ihre Themen kreisen um ihr himmlisches Dreigestirn aus Musik, Liebe und Schlaf, die Lieder greifen Alltagssituationen auf und geben ihnen eine neue Dimension. „Schlendern ist Luxus“, „Ich bin zu alt“, „Liebe auf den letzten Blick“ oder „Wenn wir Glück haben“ sind solche Stücke, die Sehnsüchte ausdrücken, kleine Freuden hervorheben, Verletzungen verheilen lassen. Die Bilanz ist nicht rosarot, aber doch durchgehend lebensbejahend.

Ihre Sprachgewalt nutzt sie jedoch auch für ihre Moderation, für die Geschichten und Einleitungen, die den Songs Kontext verleihen. So wird ihr Gastspiel nebenbei auch ein Vortragsabend mit viel Musik. Da Ulla Meinecke charmant ist und authentisch wirkt, so gar nicht künstlich oder affektiert rüberkommt, da sie über Humor und Weisheit verfügt, ist das alles zusammen ein tolles Gesamtpaket.

Mehr als bloße Verpackung darum sind ihre beiden Begleitmusiker. Ingo York ist ihr Gitarrist. Dabei belässt er es aber nicht. Häufig greift er zum E-Bass und weiß mit einem tollen Solo zu gefallen, bedient mit den Füßen zwei Trommeln, spielt Mundharmonika und singt zweite Stimme. Seine Gitarren-Effektgeräte bedient er, ganz nebenbei, von Hand.

Reinmar Henschke ist der Pianist, der aber auch das Highhead bedient und damit das Schlagzeug komplettiert. Außerdem greift er bei Bedarf zum E-Bass und singt, wenn auch seltener als Ingo York.

18 Stücke zelebriert

Gemeinsam zelebrierte das Trio in der Jahnhalle 18 ältere und jüngere Werke aus Ulla Meineckes Sammlung, darunter auch Cover-Versionen. Marc Cohns toller Song „Walking in Memphis“ kommt dabei genausogut an wie Tom Waits großartiges „Grapefruit Moon“. Paul Simons „Fifty Ways To Leave Your Lover“ singt Ulla Meineke in ihrer eigenen deutschen Fassung („50 Tipps, ihn zu verlassen“).

Ohne Zugabe durfte sie den Abend nicht beenden. Deren zweiten Teil gab’s im Doppelpack: „Die Tänzerin“, ihr wohl bekanntestes Lied, und Rio Reisers „Sing ein Lied übers Meer“ bildeten einen würdigen, vom Publikum gefeierten Abschluss.