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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ihr drohte schon der Abriss

15.11.2017

Eckfleth Es ist der dritte Sonntag im Advent 1982. Der Bardenflether Gesangverein stimmt unter der Leitung von Siegfried Rönisch in der St.-Anna-Kirche zu Bardenfleth ein Lied an. Karin Heinemann spielt die Orgel. Die Stimmung bei dem Einweihungsgottesdienst nach einer umfassenden Sanierung der Kirche ist festlich. Die Gottesdienstbesucher stecken ihre Nasen in ein Faltblatt über die Geschichte des Gotteshauses – und die ist aufregend.

Ganz genau kann gar nicht beziffert werden, wie lange es an dem Standort in Eckfleth bereits eine Kirche oder zumindest eine Kapelle gibt. In einigen Schriften ist von 1324 die Rede, andere behaupten, frühestens 1420 habe dort eine Kirche gestanden, auch das Jahr 1282 wird ins Spiel gebracht. Fest steht: Bei archäologischen Grabungen im Jahr 1980 wurden Überreste eines Findlingsfundamentes entdeckt, auf dem ein Vorgängerbau der heutigen Kirche gestanden haben muss. Gefäßscherben, die ebenfalls ausgegraben werden konnten, deuten auf einen Bau aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hin, der auf einer zwei Meter hoch aufgeschütteten Kleiwurt gestanden haben soll, heißt es in der Moorriemer Dorfchronik.

Altarbild mit Kreuzigungsszene aus 1624

Die Kreuzigung Jesu Christi zeigt das Gemälde des Altars in der St.-Anna-Kirche zu Bardenfleth. Es stammt aus dem Jahr 1624 – kein Wunder also, dass der Zahn der Zeit an dem Altar nagt. 2007 wurde er bereits in einem aufwendigen Verfahren restauriert und konserviert, doch schon 2014 wurde weiterer Handlungsbedarf festgestellt: Vor allem die Malereien auf den Seitenflügeln, die die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchton zeigen, waren nachgedunkelt und kaum mehr zu erkennen. 10 700 Euro kostete diese erneute Restaurierung, bei der unter anderem der nachgedunkelte Überzug auf den Gemälden entfernt wurden. Die Bilder wurden ausgebessert, die gesamte Oberfläche wurde gereinigt, um Schimmelpilzen keinen Nährboden zu bieten, und schließlich konserviert.

1620 war dieser Ursprungsbau jedenfalls so baufällig, dass umfangreich neu gebaut werden musste. 511 Reichstaler soll dieser Bau gekostet haben. Zum Vergleich: Das entsprach etwa einem Wert von 40 Kühen. 1731 folgen Reparaturarbeiten. Dabei wurde wahrscheinlich die barocke Deckenmalerei in Blau gestaltet.

1808 wurde der nächste Neubau diskutiert, diesmal in massiver Bauweise. Der Gemeinde fehlte dafür aber das nötige Kleingeld, zu gering waren die Einnahmen aus den Ackerflächen des Moorlandes. Also blieb die alte Fachwirkkirche stehen.

Um aber das morsche Fachwerk aufzumöbeln, wurde die Fassade der Kirche verputzt. Dadurch und durch den Einbau von Rundbogenfenstern anstelle der alten eckigen veränderte sich das äußere Erscheinungsbild der Kirche vollkommen und entsprach damit dem optischen Trend der Zeit.

Doch modische Trends sind irgendwann immer nur Schall und Rauch – so auch in der Architektur: Putz wurde wieder verpönt, das alte Fachwerk erlebte eine Renaissance. Die Umbauarbeiten an der baufälligen St.-Anna-Kirche beginnen am 2. Mai 1980. Sie bekommt ein neues Fundament, dem alten Fachwerk wird ein neues von außen vorgeblendet, der Dachstuhl wird erneuert, eine Fußbodenheizung wird installiert, und die Fenster werden wieder im alten Fachwerkstil verbaut. Die Deckenbalken und -bohlen sowie ein Teil der Ständer und die Empore können im Original erhalten werden. Zweieinhalb Jahre dauern diese Arbeiten an. Dann ist die St.-Anna-Kirche Bardenfleth wieder ein echtes Schmuckstück und der Bardenflether Gesangverein stimmt sein Lied anlässlich des Einweihungsgottesdienstes an.