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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein Haus auf dem Lande mit Mäusen und Holzbock

15.08.2012

Abbehausen Die ehemalige Abbehauserin Roselie Görlich hat eine Fortsetzung ihrer Autobiografie veröffentlicht. Der Nachfolgeband zu „Ich denke oft an Piotrowka“ heißt „Die Mutter war (fast) immer dabei“. Auch dieses Buch hat sie im Selbstverlag herausgebracht.

In beiden Büchern verarbeitet die 72-Jährige, die jetzt in Melle (Kreis Osnabrück) wohnt, ihr Leben. Es begann 1940 im oberschlesischen Dorf Petersgrätz, das heute zu Polen gehört und Piotrowka heißt.

Flucht im Schlitten

Im Januar 1945 floh die damals knapp fünfjährige Roselie Görlich mit ihrer Mutter Margarethe im offenen Schlitten zunächst ins Vogtland, dann nach Sachsen-Anhalt. Nach zwei harten Hungerjahren in der sowjetischen Besatzungszone holte eine Großtante die kleine Familie nach Ellwürden, wo sich das Leben langsam verbesserte. Bald fand die Mutter Arbeit auf dem Hof des letzten oldenburgischen Ministerpräsidenten Theodor Tantzen in Heering.

Roselie Görlich besuchte bis 1951 die Volksschule Abbehausen und dann bis zur mittleren Reife 1957 das Gymnasium Nordenham. An der Kunstschule in Bremen absolvierte sie bis 1961 eine Berufsausbildung zur Grafikerin. Anschließend fand sie Arbeit bei einer Werbeagentur in Oldenburg.

Der zweite Band setzt im Herbst 1963 ein, als die Mutter nicht allein in Abbehausen bleiben will. So beschließen Mutter und Tochter, sich mit dem Geld aus dem Lastenausgleich für Flüchtlinge auf dem Lande bei Oldenburg ein Haus zu kaufen. Roselie findet in Huntlosen ein Objekt, das zu den begrenzten finanziellen Mitteln der Görlichs passt. Allerdings ist es arg heruntergekommen.

Fenster und Türen sind morsch, Wasser müssen die beiden sich von der Pumpe im Stall holen, Untermieter zahlen nicht und wollen auch nicht ausziehen, und es gibt tierische Mitbewohner: Mäuse und den Holzbock.

Zwei Frauen, kein Mann

Aber irgendwie werden die beiden Frauen auch ohne Mann mit den Problemen fertig. Allerdings bleiben sie ihr Leben lang aneinander gekettet. Dabei ergeben sich viele lustige Geschichten, die Roselie Görlich gern erzählt. Traurig wird es nur zum Schluss, als die Mutter stirbt.

Mitte September kommt die 72-Jährige mit ihrem neuen Buch nach Nordenham, um in den Weserterrassen daraus zu lesen. Der Termin steht noch nicht fest.