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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein katholisches Kloster wird evangelisch

24.12.2010

ATENS Wenn es Abend geworden ist, geht Pfarrer Hartwig Dede gern noch einmal die paar Schritte von der Pastorei in die Atenser Kirche. Er genießt die stillen Momente, bevor er für die Nacht die Tür abschließt. Schön findet Hartwig Dede seine versteckt liegende kleine Kirche, schön und „gut evangelisch“.

Evangelisch? Das hätte Johannes Kruse bestimmt nicht gern gehört. Johannes Kruse hat die Kirche 1505 gegründet – als Karmeliterkloster. Kruse war ein Lektor, also ein überdurchschnittlich hoch gebildeter katholischer Geistlicher, der dem Karmeliterkloster Appingen bei Leer angehörte und von seinem Landesherrn, dem ostfriesischen Grafen Edzard I., ausgesandt worden war, in Atens ein Kloster zu gründen.

Die Sache war also hoch politisch. Die freien Friesen-Republiken in Butjadingen und Stadland hatten sich um 1500 unter den Schutz des großen Edzard gestellt, um nicht von den Oldenburgern vereinnahmt zu werden. Im Gegenzug ließ Edzard ein Kloster bauen, um die Butjenter und Stadlander stärker an sich zu binden. Atens war damals eine Hafensiedlung an der Weser, die alle Schiffe auf dem Weg von Bremen zur Nordsee passieren mussten, und lag zudem am Ufer der Heete, die damals Stadland und Butjadingen trennte. Hier lagen die beiden Länder am dichtesten zusammen.

Wie Hartwig Dede sagt, gibt es exakt eine Akte, der zu entnehmen ist, dass es schon vorher ein anderes Kloster in Atens gegeben habe: ein Benediktinerkloster aus Bremen, von dem aber niemand weiß, wo und wie lange es bestanden hat – und ob überhaupt.

Auch die Karmeliter taten sich schwer. Erst 1513 wurde ihr Kloster, zu dem zwei Häuser gehörten, anerkannt. Hartwig Dede schätzt, dass hier „eher vier als acht Mönche“ tätig waren – überwiegend in der christlichen Bildung der Einwohner. Bildung ist ein Arbeitsschwerpunkt der Karmeliter. Dass der Chorraum des Klosters deutlich größer war als der der heutigen Kirche, dass das Kloster auf Zukunft gebaut war.

Doch daraus wurde nichts. Denn schon 1514 eroberten die Oldenburger Butjadingen und Stadland – mit der friesischen Freiheit war es ebenso vorbei wie mit dem Glanz des ostfriesischen Grafen über der Unterweser. Martin Luthers Reformation ab 1517 gab dem Kloster den Rest. 1528 wurde es verlassen, 1530 war es zum Teil zerstört. Übrig blieb der 1522 gestiftete Abendmahlskelch, der noch heute genutzt wird.

1579 baten die Atenser, die Kirche wieder aufbauen zu dürfen, und Graf Johann VII. von Oldenburg gestattete es ihnen – auch er wollte seine neuen Untertanen für sich gewinnen. Die Atenser wollten vor allem ihre Kinder hier taufen, denn die Taufe ist de Zusicherung auf den Einzug ins Himmelreich. 1590 stiftete Umma Dotzen den kelchförmigen Taufstein, der heute noch in der Kirche steht, 1618 stiftete der erste evangelische Pfarrer Johannes Lüken die Kanzel. 1781 wurde ein neuer Turm gebaut, gut 100 Jahre später kamen die Spitzbogenfenster.

Sonst hat sich in all den Jahren nicht viel geändert, denn das Kirchspiel Atens war nie reich. Aber gerade dass so viel aus der alten Zeit in die heutige überkommen ist, macht für Hartwig den großen Reiz der kleine Kirche aus: „Sie ist ein Fels im Wechsel der Zeit.“

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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