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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein Könner im Spiel mit der Sprache

09.12.2013

Nordenham „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ Die düsteren „Nachtgedanken“ von Heinrich Heine sind allgemein bekannt. Auch Martin Zingsheim kennt sie, findet aber, man müsse heutzutage positiver formulieren. „Denk ich an Deutschland in der Nacht…Deutschland? Tagsüber geht’s!“, formulierte der Kabarettist fröhlich in der Jahnhalle. Nicht nur Heine wird zitiert, sondern das ganze Programm „Opus Meins“ ist ein subtiles Feuerwerk der Referenzen. Knapp zwei Stunden lang begeisterte der Kabarettist am Sonnabend die Zuhörer.

Bissig und subtil

Der studierte Musik, Theater-, Film-, Fernsehwissenschaftler und Philosoph liebt die Musik, die Sprache und die Kultur. In seinem ersten Soloprogramm „Opus Meins“ verbindet der gebürtige Rheinländer seine Vorlieben mit bissig-subtilen Beobachtungen von Politik und Gesellschaft. Seine Lieder, zu denen er sich selbst an Klavier, Gitarre oder „Campingklavier“ begleitet, enthalten immer wieder textliche und melodische Anspielungen auf bekannte Stücke der klassischen und populären Musik. Dabei sucht der Kabarettist immer wieder den Kontakt zum Publikum.

Thematisch beschäftigt sich Martin Zingsheim mit allem, was die Menschen so beschäftigt: Liebe, Kirche, Staat und Gesellschaft. „Bio-Lebensmittel sind toll. Keine Konservierungsstoffe, die kann man viel schneller wegwerfen. Da ist es zu Hause gleich viel aufgeräumter.“

Die Bio-Lebensmittel-Konsumenten, die im Range Rover oder Porsche durch die Gegend fahren, bekommen ihr Fett ebenso weg wie Angela Merkel, der Kapitalismus und die Deutschen im Allgemeinen. „Warum haben wir so viele Handys? Damit wir zu Silvester um Punkt Mitternacht all die wichtigen Menschen anrufen können, mit denen wir nicht feiern wollten?“

Wer allerdings scharfe Attacken auf zornige Altherren-Art erwartet, der ist bei ihm falsch. Der 29-jährige Kabarettist ist weder alt, auch wenn er jetzt schon Lieder über die 1968er singt, und er ist auch nicht zornig. Seine Lieder erinnern mehr an einen Bodo Wartke oder einen Reinald Grebe als an Hagen Rether. Die auf den ersten Blick eher absurden Lieder verlangen genaues Zuhören und ein gewisses Wissen über Kultur und Gesellschaft, sonst sind die ganzen Anspielungen kaum zu entflechten.

Junger Wilder

Wenn man aber das Zingsheim’sche Cento entwirrt hat, wird einem klar: Der junge Wilde transponiert nicht nur Melodien, sondern auch den Blick auf die heutige Gesellschaft. Ein auf den ersten Blick sorgloser Witz wird so häufig zu sorgsam beißender Kritik. Das Spiel mit der Sprache hilft ihm bei dieser Wandlung. So findet er unter anderem, dass man viele Probleme durch Wortneuschöpfungen umgehen könne. „Seitdem so viele Wohnungssuchende auf den Straßen unterwegs sind, haben wir keine Obdachlosen mehr“, frohlockt er.

Auch vor der Parodie bekannter Persönlichkeiten schreckt der Kabarettist nicht zurück. So kam das Publikum in der Jahnhalle häufiger in den Genuss von „Gastmusikern“ wie Klaus Kinski, Herman van Veen, Herbert Grönemeyer oder Bob Dylan. Das gipfelte in der Weihnachtsgeschichte unter der Regie von Marcel Reich-Ranicki, dargeboten von den genannten Musikern, Bushido und einem Herrn aus Sachsen.

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