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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein Münstermann im Kleid von 1852

19.02.2014

Blexen Im 17. Jahrhundert hat Ludwig Münstermann aus Hamburg viele Kirchen in der Wesermarsch mit seiner Bildschnitzerkunst prachtvoll ausgestattet. Auch der Altar in der Blexer St.-Hippolyt-Kirche aus dem Jahre 1610 gehört dazu. Sohn Johann Münstermann fertigte 1638 die Kanzel.

Der Blexer Altar war 1965 vorübergehend aus der Kirche entfernt, 1982 zurückgeholt und zuletzt im Jahr 2008 restauriert worden. Seit Jahren wird über eine Restaurierung der Kanzel diskutiert. Jetzt ist die Entscheidung gefallen.

Die entscheidenden Fragen waren: Wieweit kann und wieweit soll die Ursprungsfassung von Münstermann zurückgewonnen werden? Wie stark soll Rücksicht genommen werden auf die übrige Ausstattung der Blexer Kirche?

Denn alle von Ludwig Münstermann oder seiner Werkstatt geschnitzten Altäre, Kanzeln oder auch Epitaphe (Denkmale), die heute in den Dorfkirchen zu sehen sind, haben in den vergangenen Jahrhunderten veränderte Fassungen erhalten.

Die Erstfassung war oft sparsam, weil die Finanzmittel begrenzt waren. Wie Baurat Achim Knöfel vom Oberkirchenrat in einem Vortrag im November 2010 in Blexen weiter deutlich gemacht hat, erhielten die Münstermann-Werke erst Jahre später eine stärkere farbige Gestaltung.

Mode-Erscheinungen

Auch setzten sich im Laufe der Jahrhunderte Mode-Erscheinungen bei Farbgebung oder Restauration durch. Zudem wurden Formen verändert. Im Klassizismus war man der Farben überdrüssig, bevorzugte Graufassungen.

->  Oberkirchenrat, Landesdenkmalamt, Blexer Kirchbauverein und der als Gutachter beauftragte Diplom-Restaurator Thomas Kräckel-Hansum aus Hildesheim sind jetzt einhellig zu der Entscheidung gelangt, dass sich die Restaurierung der 1638 gefertigten Kanzel an der klassizistischen Überarbeitung orientieren soll, die sie im Jahre 1852 erfahren hatte.

->  Die Originalfassung des Jahres 1638 kann wegen der Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte nicht mehr rekonstruiert werden. Alle Fassungen sollen aber so weit wie möglich dokumentiert werden.

->  Mit der klassizistischen Fassung des Jahres 1852 wird die Kanzel ein ähnliches Bild bekommen wie der Altar.

Münstermann ist ein Vertreter des Manierismus, einer Stilrichtung zwischen Renaissance und Barock.

Restaurator Thomas Kräckel-Hansum spricht hinsichtlich der Restaurierung von „Münstermann in klassizistischem Kleid“. Die weiß gefassten Skulpturen, welche die vier Evangelisten und Johannes den Täufer darstellen, hatten 1852 eine Alabasterfärbung bekommen – in Anlehnung an die Antike. Sie waren 1965 mit weißer Farbe überzogen worden, die inzwischen spröde und rau geworden ist. Diese zerrissene Struktur und der Schmutz werden bei der Restaurierung beseitigt. Die Skulpturen sollen wieder dreidimensionaler wirken.

1965 versetzt

1965 war die Kanzel letztmalig renoviert und dabei versetzt worden. Vorher war sie an der Ecke des Chorbogens angebracht, so dass der Pastor von ihr nicht nur ins Kirchenschiff, sondern auch in den Chorraum blicken konnte. Diese Ausrichtung wird nicht wieder hergestellt. Zu starke Eingriffe ins Mauergefüge wären nötig. Beschädigungen des Kanzeldeckels, der seit 1965 an einem Stahlträger hängt, wären programmiert.

Das detaillierte Konzept zur Restaurierung von Kanzel-Korb und Kanzel-Deckel soll im Mai vorgelegt werden. Anschließend sollen die Arbeiten ausgeschrieben werden. Die Kosten werden grob auf etwa 50 000 Euro geschätzt. Wenn die Finanzierung steht, soll die Restaurierung, die etwa drei Monate dauern wird, im August beginnen.

Pfarrer Dietmar Reumann-Claßen, Herbert Dannemeyer (Schriftführer des Kirchbauvereins) und Reiner Blohm (Kassenwart) haben am Dienstag deutlich gemacht, dass sie bei der Finanzierung auch auf Spenden setzen.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/wesermarsch 
Horst Lohe
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2206

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