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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein Weltverbesserer und Wilder

31.03.2011

BRAKE Manchmal ist Brecht ihm wie ein jüngerer Bruder vorgekommen, manchmal hat er väterliche Gefühle für ihn gehegt. Zur Räson hat er ihn gebracht, wenn seine Frauengeschichten wieder einmal überbordeten. Anpumpen hat er sich lassen, aber nie hat er den Glauben an das Genie des 14 Jahre Jüngeren verloren. Er mochte die freche Ehrlichkeit des stets übel gelaunten Egozentrikers.

Viele Gedanken gehen dem erfolgreichen Schriftsteller Lion Feuchtwanger in seinem kalifornischen Exil durch den Kopf, als er 1956 vom DDR-Minister für Kultur, Johannes Becher, ein Telegramm erhält: „Bertold Brecht gestorben – bitten um Ihre Teilnahme am Staatsakt“.

In seinem neuen Buch „Sunset“ setzt der Oldenburger Schriftsteller Klaus Modick nicht nur der Beziehung der beiden großen Literaten ein Denkmal. „Sunset“ ist auch eine Zeitreise durch die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, angefangen in den 20er Jahren bis hin zu Feuchtwangers Tod im Jahr 1958. Am Dienstagabend las Klaus Modick auf Einladung der Buchhandlung Gollenstede Auszüge aus seinem neuen Buch im Borgstede & Becker-Haus.

„Heute“, so Klaus Modick, „ist Feuchtwanger als Autor nicht mehr so bekannt. Zu Lebzeiten war er ein weltberühmter Schriftsteller mit Millionenauflagen. Und als Jude musste er fliehen.“ Feuchtwanger, Sohn des Margarinefabrikanten Sigmund Feuchtwanger, landete zunächst im südfranzösischen Kultur-Exil der deutschen Emigranten, Sanary-sur-Mer, und dann auf Umwegen in Los Angeles.

Dort, in seiner komfortablen „Villa Aurora“, residierte Feuchtwanger mit seiner Frau Marta, aber er wurde verschrien als „Kommunistenfreund“, immer argwöhnisch beobachtet von den Chargen der McCarthy-Clique.

Modick beschreibt die erste Begegnung zwischen den beiden Literaten und lässt Feuchtwanger zu einem Urteil kommen: „Ein Weltverbesserer, der nicht des schnöden Mammons wegen schreibt, eine Mischung aus dreistem Selbstbewusstsein und jungenhafter Verklemmtheit – aber ein richtiger und echter Dichter, das kann man spüren.“ Ehefrau Marta bringt ihre Eindrücke nur kurz auf den Punkt: „Er ist ein Wilder“.

Im Oktober 1947 treffen sich Feuchtwanger und Brecht in Kalifornien ein letztes Mal. Brecht ist gezeichnet vom Misserfolg nach den gescheiterten Hoffnungen, die „Dreigroschenoper“ in Hollywood verfilmen zu lassen. Feuchtwanger wusste, dass sein Freund am Tag nach dem Treffen vor dem Tribunal der McCarthy-Inquisitoren aussagen sollte. Dass Brecht bereits das Flugticket nach Europa in der Tasche hatte, wusste er nicht.

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