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Schauspieler Gerd Baltus ist tot
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Aktualisiert vor 2 Minuten.

Bekannt Aus „derrick“ Und „tatort“
Schauspieler Gerd Baltus ist tot

NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein Wissenschaftler zum Anfassen

08.01.2015

Abbehausen /Atens An seinen Klönabenden im Butjadinger Tor kennt der Rüstringer Heimatbund stets nur ein volles Haus. Als der frühere Leiter des Staatsarchivs in Oldenburg, Professor Dr. Albrecht Eckhardt, am Dienstagabend jedoch versuchte, die längst verwischten Spuren des Karmeliter-Klosters in Atens nachzuzeichnen, wurden die Sitzplätze dann doch mehr als rar – und die Luft dünn.

Über 120 Zuhörer erlebten Albrecht Eckhardt als einen Wissenschaftler zum Anfassen, umgänglich und redselig. Er ist vor allem Wissenschaftler und in seinen Ausführungen absolut präzise.

Da er für seine Rückblende ins frühe 16. Jahrhundert zwangsläufig in einem dichten Nebel aus nicht immer eindeutigen Schriftstücken, diversen voneinander völlig unabhängigen geschichtlichen Quellen und vielen Mutmaßungen, Schlussfolgerungen und Interpretationen anderer Historiker herumstochern musste, führten diese Ausführungen gelegentlich natürlich zu einem leichten Verwirrspiel um Daten und Fakten. Eine Herausforderung an die Konzentrationsfähigkeit der Zuhörer.

Wer sie bestand, erhielt einen Einblick in eine wirre Zeit kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den Rüstringer Landesgemeinden Butjadingen und Stadland einerseits, zwischen den Oldenburger Grafen Johann V. und Anton I. und dem ihm verfeindeten ostfriesischen Grafen Edzard I., des Großen Enno II. andererseits, zwischen dem Herzog Heinrich dem Älteren von Braunschweig-Lüneburg – und mittenmang immer wieder den Bremern.

Trotz allem „noch immer bestehenden Klärungsbedarf“, über den Albrecht Eckhardt sagt, dass es ihn aufgrund der sehr spärlichen historischen Aufzeichnungen „wohl auch nie in Gänze geben wird“, steht fest: Das Kloster in Atens war Realität.

Im Jahr 1505 betraute das Provinzkapitel der Karmeliter den Prior des ostfriesischen Karmeliterklosters in Aspingen, Johannes Kruse, „mit der Gründung und dem Aufbau der neuen Niederlassung und der Aufnahme von Konventsangehörigen.“ Atens war das letzte von insgesamt 37 Männerklöstern des Ordens, war eine recht kleine Niederlassung mit acht Klosterbrüdern, eine Stätte übrigens mit einer überaus bescheidenen wirtschaftlichen und finanziellen Ausstattung.

Sie befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Friedeburg an der seinerzeit schon versandeten, früher einmal 200 Meter breiten Heete.

Erbaut wurde es aus Resten von Holz und Steinen der einst anno 1407 erbauten und späten von den friesischen Häuptlingen geschliffenen Wehranlage sowie aus Mauerresten einer an gleicher Stelle 1423 errichteten Niederlassung des Benediktinerklosters St. Paul von Bremen, deren Mönche vermutlich auch die Atenser Pfarrkirche schufen. 1506/07 bestätigte Papst Julius II. die Klostergründung.

Dennoch war das Klosterkapitel Atens nur von kurzer Dauer: Schon am 20. April 1530 erhielt das Provinzkapitel des Karmeliter-Ordens in Köln die Mitteilung, es gäbe keinen Prior zu Atens mehr, weil das Kloster verödet und verlassen sei.

Eine Erklärung sah Albrecht Eckhardt darin, dass inzwischen die Reformation wohl auch hier eingezogen war. Einen Fingerzeig darauf gebe die Information, dass kurze Zeit später in der Atenser Pfarrkirche ein lutherischer Geistlicher amtiert habe. Der Verlust des Klosters wurde stillschweigend akzeptiert, das Gelände wurde 1562 entweiht. Das leer stehende Gebäude sei von der Bevölkerung dann „als Steinbruch benutzt“ worden.

An die Zeit des Karmeliter-Klosters in Atens erinnern heute nur noch ein Abendmahlskelch, der noch bis 1800 in der Atenser Kirche verwendet wurde und den der Atenser Pastor Christopher Iven am Dienstagabend mit zum Klönabend der Rüstringer brachte, sowie ein Pergament des Priors Johannes Kruse, das er einem Erich von Schmalenfleth für dessen Pilgerreise nach Santiago de Compostela am 12. Februar 1517 als Geleitbrief ausgestellt hatte.

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