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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

THEATER: Eine Quasselstrippe als heimlicher Star

18.03.2006

FRIEDRICH-AUGUST-HüTTE FRIEDRICH-AUGUST-HÜTTE - Als Inge Debelts ihr Stück „Willi, de Fruchtbore“ geschrieben hatte, da kannte sie Georg Schultz noch garnicht. „Aber genau so habe ich mir den Willi vorgestellt“, sagt die Blexer Autorin, als sie am Donnerstagabend nach der Premiere mit dem Team der „Plattdüütschen“ vor das applaudierende Publikum tritt. Das Ensemble der Niederdeutschen Bühne genießt den Beifall im Kasino FAH. Endlich hat sich auch die Nervosität bei Inge Debelts gelöst. Sie hat die Komödie nicht nur geschrieben, sondern auch Regie geführt. Um ihr Nervenkostüm ist es nicht zum Besten bestellt, kurz bevor sich der Vorhang öffnet.

Vielleicht liegt es daran, dass nur 60 Besucher gekommen sind, was für die „Plattdüütschen“ schon ein wenig enttäuschend ist. Die Spielfreude der Darsteller wird dadurch aber nicht gebremst. Vor allem Georg Schultz gibt Gas. Diesmal schlüpft er in die Rolle des Zirkusdirektors Harry Harras, der eigentlich Willi Pusback heißt. Vor Jahren hat er seine Frau Elsbeth (Helga Schultz) in dem Kaff Ackebarg mit fünf Kindern sitzen lassen. Er ist nach Spanien abgehauen, hat die feurige Esmeralda (Traute Funk) geheiratet, wieder fünf Kinder in die Welt gesetzt, und sich erneut aus dem Staub gemacht. Jetzt tingelt er mit seinem kleinen heruntergekommenen Zirkus durch die Weltgeschichte und landet ausgerechnet dort, wo sich noch viele an den Schwerenöter erinnern: in Ackebarg.

Dass das falsche Spiel des Zirkusdirektors, der neuerdings auch in Hypnose und Hellseherei macht, nicht sofort auffliegt, liegt vor allem an seinem Äußeren: schwarze Perücke, schwarzer Oberlippenhandfeger, gelber Schlips und eine schwarz-rot geblümte Geschmacksverirrung von Oberhemd. Dieser Harras hat das Modebewusstsein eines Staubsaugerbeutels, aber das Selbstbewusstsein eines Playboys mit praller Brieftasche. Dabei geht’s dem Zirkus alles andere als gut. Den „groden Gonzo“ verlässt so langsam die Sehkraft – ein Handicap, das dem Messerwerfer, vor allem aber seiner Assistentin Elvira Kaminski (Heidrun Winter) Probleme bereitet. Immer wieder muss Harry Elviras kleine Kratzer verarzten.

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Die Komödie von Inge Debelts überzeugt vor allem durch die fein heraus gearbeiteten Charaktere. Da ist Albert Röver (Reiner Böning in seiner 100. Vorstellung für die „Plattdüütschen“): strenger Blick, strenger Scheitel, derMann vom Ordnungsamt ist ein Paragrafen-Lexikon auf zwei Beinen. Da ist Rainer Elfmann (Michael Schmidt), der Dorfpolizist: Zunächst fingert er nervös an seiner Dienstmütze herum und kriegt vor Verlegenheit kein Wort heraus. Aber nach einer Behandlung durch Hypnotiseur Harras bekommt seine Stimme einen Klang, der keinen Widerspruch duldet. Und seine Frau bekommt mal so richtig die Leviten gelesen.

Diese Frau heißt Gabriele Elfmann (Renate Brüggemann) und ist der heimliche Star der Komödie. Sie quasselt in einer Tour, ohne Luft zu holen – eine phonetische Meisterleistung in Platt und ein Albtraum. Dass sie den ersten Akt übersteht, ohne handlich portioniert in der nächstbesten Gefriertruhe zu landen, grenzt aber schon an ein Wunder.

Die Schlinge um Harry Harras zieht sich derweil immer enger. Gleich drei geprellte Frauen verbünden sich gegen den Schlawiner, der so herrlich entsetzt aus der Wäsche gucken kann. Allein dieser Blick ist schon fast das Eintrittsgeld wert.

Ob sich der Halunke noch einmal rauswindet, davon sollten sich die Theater-Freunde am besten selbst überzeugen. Die Komödie, die noch elfmal aufgeführt wird (Termine siehe Kasten oben), kommt zwar etwas schleppend in Fahrt. Aber sie bietet dennoch allerbeste Unterhaltung mit vielen sympathischen Darstellern.

Noch elfmal

Hinter den Kulissen bieten die „Plattdüütschen” der Niederdeutschen Bühne Nordenham wieder ein erfahrenes Team auf. Für die Inspizienz ist Manfred Scherotzki zuständig, für die Maske Angelika Fensch und für die Kostüme Almut Kowalski. Als Souffleuse fungiert Gerda Witt. Um die Technik kümmern sich Rolf Puhl und Andreas Günter. Das tolle Bühnenbild mit dem Zirkuswagen haben Bodo Debelts, Horst Dirksen und Manfred Scherotzki gebaut.

Nach der Premiere wird das Stück noch elfmal im Kasino Friedrich-August-Hütte aufgeführt. Abendvorstellungen (Beginn: 20 Uhr) sind heute und morgen sowie am 19., 23., 24., 30. und 31. März und am 1., 2. und 3. April. Nachmittagsvorstellungen (Beginn 15 Uhr) sind am 25. und 26. März.

Karten für „Willi, de Fruchtbore” gibt es bei Lederwaren Clausen in der Bahnhofstraße 19. Gruppenkarten können bei Familie Krupp unter 7185 bestellt werden

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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