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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Konzert: Musikalischer Törn durchs Leben

24.09.2019

Elsfleth Unter den Liedermachern der 1970er-Jahre stach der Pazifist Reinhard Mey als scharfer Beobachter der menschlichen Befindlichkeiten mit seinen eher leisen, aber oft ironischen Songs aus der Masse der häufig politisierenden Sängerkollegen heraus. Meys „Bruder im Geiste“, der Nordenhamer Sänger und Gitarrist Hartmut Becker hat sich seit vielen Jahren dem Repertoire des Reinhard Mey verschrieben. Nun gastierte er zum zweiten Mal im voll besetzten Heye-Saal Gast des Kulturvereins.

Ein guter Grund für den Nordenhamer, den Abend mit einer Hommage an die Elsflether Fangemeinde zu starten. „Gut, wieder hier zu sein“, dieses wunderbare Lied stammt allerdings nicht von Reinhard Mey, sondern aus der Feder des englischen Barden Allan Taylor („Good to see you“), aber gesungen hat es Mey auch schon.

Dem Titel des Konzerts „Becker trifft Mey“ hat der Nordenhamer eine Unterzeile hinzu gefügt: 53°23’67’’ Nord/08°46’33’’ Ost“. Diese Koordinaten der Stadt Elsfleth bilden den roten Faden seines Repertoires und sind wegweisend für den Törn durch die stürmische See des Lebens: die Reise geht symbolisch aufs Meer hinaus.

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Narrenschiffe überall

Reinhard Mey und die christliche Seefahrt – wie geht das denn? Es geht, wenngleich auch als Metapher: „Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken – Klabautermann führt das Narrenschiff, volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff“. 1998 hatte der Liedermacher dieses Lied geschrieben. Man schaue nach England, nach Amerika oder Italien – Narrenschiffe feiern fröhliche Urständ!

Ob Rechtsruck, Korruption oder Klimawandel: „Auch heute ist die Welt aus den Fugen und die Situation ist so beunruhigend, wie Windstärke 12 in der Biskaya“ sagt Hartmut Becker.

Auch der Absurdität in bundesdeutschen Amtsstuben hatte Mey einst ein sarkastisches Denkmal gesetzt und genau so süffisant interpretiert Becker die Beamtenhymne mit dem „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“. Die hat zwar keinen Bezug zur Seefahrt, aber die folgende „Heiße Schlacht am kalten Büfett“ mag schon an Trafalgar und Co. erinnern. In der Pause geht es am Getränkebüfett des Kulturvereins aber sehr gesittet zu, ohne zu drängeln oder Ellenbogen einzusetzen, stehen die Konzertbesucher für ein Getränk geduldig Schlange.

Auch im zweiten Teil des Konzerts ergänzt Hartmut Becker die bekannten und weniger bekannten Mey-Songs mit Gedichten von Nietzsche und Ebner-Eschenbach, mit eigenen Erinnerungen an Insel-Ferien seiner Jugendzeit oder mit der wunderschönen Poetry-Slam-Hommage an den Norden.

Dort kann man Urlaub machen oder, wie Reinhard Mey meint und Hartmut Becker singt: man kann es auch lassen. „Ich wollte immer mal nach Barbados“ textete Mey im Jahr 1980, aber statt Calypso, Tequila und Kokosnuss gab es Familienurlaub mit Quallen und Qualen, mit Friesennerz und quengelnden Gören auf Baltrum.

Das Eiland ist nicht ganz so vornehm wie Norderney, dort tragen die leidensfähigen It-Girls „Abendpantoletten“ haben Mey und Becker beobachtet, High Heels als beste Voraussetzung für Venenstau und Hallux Vagus (Zehenfehlstellung).

Während sich Becker in mausgrauen Frotteesocken und geräumigen Sandalen wohlfühlt, muss er sich dennoch ab und zu die Frage stellen, ob er – der Nordenhamer – gefangen ist im Körper des Reinhard Mey. Becker: „Wenn, dann immer noch besser als mit der Frisur von Wolfgang Petry oder dem Gesicht von Matthias Reim aufzuwachen!“

Stürmischer Applaus

Stürmisch, wie die Wogen der Meere, fällt nach fast drei Stunden der Applaus der Konzertgäste aus. Angekommen am Ziel der Reise heißt es „Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu geh’n“. Aber keine Bange, liebe Fans aus Elsfleth und umzu: dieser tolle Sänger und Mey-Interpret kommt bestimmt wieder – aller guten Dinge sind Drei!

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