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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Kritischer Blick auf einen gut vernetzten Diplomaten

28.03.2019

Elsfleth Zahlreiche Dokumente und Literatur, zeitgenössische Gemälde, das Oldenburger Schloss, der Oldenburger Kramermarkt, der Weserzoll, Michael Ramsauers Skulptur im Elsflether Heye-Garten und eine als „feudalistisch“ titulierte Reiterstatue, die in Oldenburg auf wenig Gegenliebe stößt – ist das alles, was die Erinnerung an den legendären Oldenburger Grafen Anton Günther (1583-1667) noch hergibt? Über das Wirken und den Mythos des oldenburgischen Landesherren referierte Professor Dr. Gerd Steinwascher auf Einladung des Kulturvereins im Heye-Saal.

„In der Erinnerung ist Graf Anton Günther eine positiv besetzte Figur“, räumte Steinwascher ein, „ob er wirklich der ,Friedensfürst‘ des 30-jährigen Krieges war, ob er seinen Untertanen wirklich der liebevoll sorgende Landesvater und ein kluger Diplomat dazu, das bedarf des genauen Hinschauens.“ Fest steht, dass der populäre Graf in den Kriegswirren (1618 bis 1648) als „Krisenmanager“ stets sicheren Abstand zu den ganz mächtigen Akteuren hielt und geschickt zwischen Kriegsparteien lavierte. Steinwascher: „Sein diplomatisches Handeln galt damals aber weniger dem Wohl seiner Untertanen, sondern ausschließlich der Sicherung seiner Person und Herrschaft.“ Ganz ein Kind des barocken Jahrhunderts war Anton Günther ein absolutistischer Herrscher, in dessen Residenzstadt Oldenburg auch die feinsten Bürger nur „Untertanen“ waren.

Als „liebender Landesvater“ stärkte der Graf durch die Einführung des Weserzolls (1622) Handel und Wandel der Residenzstadt. Den Bürgern wurde erlaubt, ein neues Rathaus zu bauen, die Neuordnung des Deichbauwesens wurde 1658 erlassen, als frommer Christ förderte er den Bildhauer Ludwig Münstermann, den Altarbauer zahlreicher Kirchen in der Region.

Alles gut bei Anton Günther? Nicht alles: Was ihn, den (fast) kinderlosen Herrscher umtrieb, war die Regelung seiner Nachfolge. Die Ehe mit Sophie von Schleswig-Holstein-Sonderburg blieb kinderlos, Anton von Aldenburg, Sohn aus der Liaison mit Elisabeth von Ungnad, war als illegitimer Spross nicht erbberechtigt. Damit seine Herrschaft nach seinem Tod nicht wie ein Kartenhaus zusammenfallen sollte, bestimmte Anton Günther zum Lehnsherren der Grafschaft Oldenburg-Delmenhorst das mit ihm verwandte dänische Königshaus und die Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf.

Anton Günther starb 1667 im Rasteder Schloss. Steinwascher: „Der Graf war kein Friedensfürst, aber ein geschickter und gut vernetzter Diplomat, ein Patriarch, der im Umgang mit seinen Untertanen nicht zimperlich war!“

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