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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Leben in allen Facetten genießen

03.09.2019

Elsfleth Mit diesen Worten leitete Alfred Büngen, Inhaber des Geest-Verlages, die Buchvorstellung in der voll besetzten Neuenbroker „Klecksklause“ ein. „Weil ich heute Rumpelstilzchen bin – Erinnerung und Bilanz einer Pflegschaft“ hat Edith Koschnick ihr neues Buch betitelt. Inhaltlich reflektiert die Neuenbrokerin das Leben mit ihrem geistig und körperlich behinderten Pflegesohn Jens.

Mit ganz viel Humor und ohne wissenschaftlichen Anspruch beschreibt Edith Koschnick, wie sehr der Pflegesohn ihr Leben bereichert hat und dass die heiteren Momente überwiegen, wenn man einem behinderten Kind vertraut und ihm Freiheiten einräumt. Das wird schon in der Einleitung des Buches deutlich: Jens, damals sechs Jahre alt und angezogen mit dem schönsten Ballkleid seiner Pflegemutter, eilt mit hochgerafften Röcken zur Straße, um am Siel mit den anderen Kindern vom Brückengeländer ins Wasser zu springen. Edith Koschnick: „Und tatsächlich – er springt! Meine Sorge, das Kleid könne sich am Boden des Sieltiefs im Unrat verfangen, war unbegründet. Es bauscht sich in der Entengrütze zu einem Seerosenblatt, in dessen Mitte ein Kindergesicht strahlt.“

Alle badenden Kinder hatten sich die Szene sprachlos angeschaut, ohne den Jungen auszulachen. Sie spürten, wie authentisch und voller Experimentierfreude der Sechsjährige den Sprung wagte. Und Edith Koschnick hörte einen geflüsterten Kommentar: „Der ist ja cool!“

Und besonders „cool“ ist Jens auch, wenn er die Fragen nach seinem „Bollywood-Outfit“ knapp und klar beantwortet: „Weil ich heute Rumpelstilzchen bin.“

Und auch auf die Fragen der Kollegen in seiner Werkstatt hat der inzwischen erwachsene Jens schlüssige Antworten parat. Edith Koschnick: „Als er sich jüngst seinen Haarschopf total abrasierte – es stand ihm eher suboptimal – fragte ich nach der Reaktion der Kollegen. Er antwortete: Die fanden das alle toll, nur die meisten sagten, es sähe doof aus.“

So reiht die Autorin Szene an Szene, reflektiert Begebenheiten der vergangenen Jahre. Es gibt trotz des eigentlich ernsten Themas ganz viel zu lachen. Ihre Freude an dieser ganz besonderen Lesung drücken die Besucher mit spontanem Applaus aus.

Es ist der Neuenbrokerin auch ein Anliegen, die Terminologie der „Fachleute“ in Frage zu stellen: „Erst sprach man von ,Behinderten’, dann von ,Menschen mit Behinderung’, dann von ,Menschen mit Einschränkungen’ und morgen ist es wieder anders. Für mich ist Behindertsein kein Schimpfwort. Es ist eine Tatsache wie Blondsein, Frausein, Klugsein – oder darf man das auch gelegentlich anzweifeln und es trotzdem sagen?“

Edith Koschnick ist der Meinung, dass jeder Mensch in irgendeiner Weise behindert ist: „Am schlimmsten dran sind die Menschen, die nicht lachen können und jeden Tag mit herabhängenden Mundwinkeln herumlaufen.“

Den Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre fügt Edith Koschnick in ihrem Buch Gespräche und Interviews mit Menschen, die engen Kontakt zu ihrem Pflegesohn hatten und haben, hinzu.

So gelang dieser mutigen Mutter ein gleichermaßen anrührendes und informatives Buch, vor allem aber ein Buch, das mit ganz viel Liebe geschrieben wurde.

Musikalisch wurde diese tolle Lesung von einem engen Freund der „Klecksklause“ begleitet: Viel Applaus gab es für den Irish-Folk-Sänger und Gitarristen Jochen Kaboth.

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