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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

In den Lippen liegt die Kraft

16.06.2018

Elsfleth Es ist das Lied der Stille: Hallo Dunkelheit, mein alter Freund. Ich bin gekommen, um mit dir erneut zu sprechen, weil eine sich sanft einschleichende Vision ihre Samen hinterließ, während ich schlief. Und die Vision, die in mein Hirn gepflanzt wurde, verbleibt noch immer im Klang der Stille.

An diesen Text des Gesangsduos Paul Simon und Art Garfunkel muss ich denken, als Anke Harapat das nächste Lied vorschlägt: The Sound of Silence aus dem Film „Die Reifeprüfung“ mit Dustin Hoffman. Die Mitglieder des Fanfarenzugs Vorwärts Elsfleth lassen sich nicht zweimal bitten. Sofort erfüllt der kräftige Klang der Trompeten und der Trommeln den kargen, unfertig gestalteten Raum in der Elsflether Stadthalle. Still ist es gerade nicht, aber schön anzuhören.

Auch ich hatte eine Vision – einmal so Trompete zu spielen wie Chet Baker, Wynton Marsalis oder Till Brönner. Und Anke Harapat ist gern bereit, mir ihr Instrument zu leihen. Schön ist es allerdings nicht, was ich den Musikern biete. Mein Sound der Stille klingt eher wie der Brunftschrei eines röhrenden Hirsches. Oder nach Durchfall, wie es ein Musiker despektierlich beschreibt. Ich bringe so gut wie keinen Ton heraus, egal, wie stark ich Luft ins Instrument presse, dicke Backen mache, wie der Laie sagt. Wie wird eine Trompete gespielt? Die Frage verhallt zwar nicht im düsteren Raum. Ich vermag jedoch nicht, die Tipps umzusetzen.

Kläglich gescheitert

Im Normalfall liegt die Trompete in der linken Hand. Die rechte Hand spielt auf den Ventilen. Bei mir ist es umgekehrt. Doch daran liegt es nicht, dass ich so kläglich scheitere. Mit den Lippen schwingend soll ich ins Mundstück blasen. So würde der Ton entstehen. Den Klang könnte man mit der Lippenspannung und durch den Luftdruck variieren. Wie soll das funktionieren?

Mein Kopf scheint bereits zu bersten. Ich liefe schon rot an, sagen die dabeistehenden Musiker und wollen mich zuversichtlich stimmen, gleich werde es klappen. Der gute Wille allein zählt aber nicht. Was mir fehlt, ist Talent. Das verzweifelte Drücken der Ventile lässt ebenfalls den erhofften Erfolg ausbleiben: Es regiert nach wie vor die Stille, unterbrochen von einem unmelodischen Röcheln.

Mein vergebliches Bemühen ist ein Intermezzo. Der Fanfarenzug zeigt mir, wie Trompetenspiel zu klingen hat. Anke Harapat kündigt ein weiteres Lied an: Mamma Maria. Verdutzt fragt eine Musikerin: „Weißt du, welche Musik ich gerade im Kopf habe?“ Und die Vorsitzende des Fanfarenzugs Vorwärts Elsfleth erwidert „Sage es bitte nicht“. Konzentration ist alles, da will man nicht den Faden verlieren. Anke Harapat hebt sodann ihre linke Hand, und auf Kommando geht es weiter mit Zabadak und Joanna. Eine Trommel verstummt plötzlich mitten im Lied. „Du kannst spielen was du willst. Hauptsache es klappt taktmäßig“, muntert Anke Harapat den Trommler auf. Mir ist schlagartig bewusst, dass hier eine Anfängergruppe übt – der Sound aber überhaupt nicht danach klingt. Respekt. Und eine gewisse Niedergeschlagenheit beschleicht mich, selbst keinen vernünftigen Ton getroffen zu haben.

Harmonie pur

Die Melodie von The Sound of Silence hallt nach. Sie ist beeindruckend. Der Text handelt davon, nicht immer mit dem Strom zu schwimmen. Es geht um gesellschaftliche Kälte, um mangelnde Kommunikation. Keiner redet mit seinem Nächsten, keiner hört dem anderen zu. Das Lied soll wachrütteln – so wie es auch der Fanfarenzug Vorwärts Elsfleth versteht. Nicht nur durch seine musikalischen Auftritte, sondern auch durch das harmonische Miteinander der Mitglieder. In der Stille liegt die Kraft.

 Anke Harapat ist die Vorsitzende des am 22. Mai 2016 gegründeten Vereins. Ihm gehören rund 40 Mitglieder an. Treffen ist immer montags von 16 bis 18 Uhr (überwiegend Anfänger) sowie freitags von 17 bis 19 Uhr in der Elsflether Stadthalle. Jeder ist willkommen, Instrumente werden gestellt. Notenkenntnisse sind nicht erforderlich.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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