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Seine warme Stimme ist für immer verstummt
Hamburg
Aktualisiert vor 2 Minuten.

Gunter Gabriel Ist Tot
Seine warme Stimme ist für immer verstummt

NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Erinnerungen an die goldene Kino-Ära

20.10.2009
NWZonline.de NWZonline 2015-07-28T09:52:33Z 280 158

GESCHICHTE:
Erinnerungen an die goldene Kino-Ära

NORDENHAM „Damals gab’s eben nichts anderes“, erinnert sich Heinz Uecke an die Zeit, als Hans Albers als Lügenbaron Münchhausen auf der Kanonenkugel ritt. Der Film lief 1943 im Union-Kino an der Müllerstraße, wo Heinz Uecke einen Großteil seiner Jugend verbracht hat. Das Union schloss 1982 seine Pforten. 27 Jahre später droht auch dem letzten Nordenhamer Kino das Aus. Seit Anfang August ist im Filmpalast kein Film mehr über die Leinwände geflimmert. Ob, und wenn ja, wann das Kino wieder seinen Betrieb aufnimmt, steht zurzeit in den Sternen.

Der Filmpalast – früher Metropol-Kino – war das erste Lichtspielhaus in der Stadt. 1907 erwarb August Hupe einen Kinematographen für sein Logier- und Speisehaus an der Hansingstraße. Und weil die Filmfreunde in Scharen in die Vorstellungen kamen, erweiterte er schon zwei Jahre später den Zuschauerraum auf Kosten der Gaststätte. 250 Gäste hatten dort Platz. Eine drei- bis vierköpfige Kapelle untermalte die Stummfilme mit Musik.

Kino in Einswarden

Von 1911 bis 1914 versuchte das Apollo-Theater an der Friedrich-Ebert-Straße – letztlich erfolglos –, mit dem Metropol zu konkurrieren. 1922 öffneten die Einswarder Lichtspiele ihre Pforten. Und 1927 kam das Union hinzu. Zwei Jahre nach der Eröffnung übernahmen Herbert und Lotte Uecke das Kino. Der älteste Sohn, Heinz Uecke, der heute 79 Jahre alt ist, erinnert sich gerne an die Zeit zurück, als er sich in eine Ecke neben der Leinwand verkrümelte – Jugendliche durften nur Kindervorstellungen sehen – und sich die Stummfilme anschaute. Er erinnert sich, dass seine Mutter Klavier spielte, sein Vater Geige. Der Filmvorführer musste zunächst noch mit der Hand eine Kurbel drehen.

In den Dreißigerjahren hatte Heinz Uecke eine tragende Rolle im Union-Kino. Vor jeder Vorführung wurde ein Bild eingeblendet, dass den damals Fünfjährigen mit Zylinder und kurzen Hosen vor einem roten Vorhang zeigt. Das Dia hat der Nordenhamer noch heute.

Meistens ausverkauft

„Die Kinos in Nordenham waren meistens ausverkauft“, sagt Heinz Uecke. Ein Ticket für die Kindervorstellungen kostete 25 Pfennig. 1944 wurden Herbert Uecke und sein Filmvorführer Herr Henschel eingezogen. So musste Heinz Uecke im Alter von 14 Jahren als Filmvorführer einspringen. Gerade während des Zweiten Weltkriegs war das Kino ein beliebtes Medium. Heinz Ueckes Frau Waltraud denkt gerne an einen der ersten Farbfilme zurück: „Der weiße Traum“ mit Marika Röck. Das Kino bot damals Zerstreuung – vor allem für die daheim gebliebenen Frauen. Aber es war auch ein wichtiges Propaganda-Instrument für die Nazis. Diesem Umstand verdankt Heinz Uecke, dass er nicht in den Krieg musste. Wäre er als Filmvorführer ausgefallen, hätte das Union-Theater schließen müssen.

1945 lief Ueckes Pachtvertrag aus. Von 1948 bis 1956 betrieb das Ehepaar die alte Friedeburg. Heinz Uecke weiß, dass nach dem Krieg in Nordenham Kinos wie Pilze aus dem Boden schossen. Er erinnert sich an das Regina an der Friedrich-Ebert-Straße, an ein Kino an der Atenser Allee und an das Lichtspielhaus in Einswarden. Aus dem NWZ-Archiv geht hervor, dass es 1963 in Nordenham sieben Kinos gab.

Mit der Ausbreitung des Fernsehens verkümmerte diese Vielfalt. Inzwischen ist Nordenham eine Stadt ohne Kino. Im Filmpalast – dort, wo vor 102 Jahren in Nordenham die Bilder laufen lernten – sind die Türen seit vielen Wochen verschlossen. Und ob sich an diesem Zustand in absehbarer Zeit etwas ändert, ist fraglich.