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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

„Wir waren damals ahnungslos“

04.09.2017

Fedderwardersiel Der Beitrag aller Bürgervereine aus Butjadingen zum Thema „Sturmfluten – Dörfer erinnern sich“ ist auf große Resonanz gestoßen. Die Gemeinschaftsaktion anlässlich der Kunst- und Kulturwochen Gezeiten führte rund 200 Besucher in das Nationalpark-Haus und Museum in Fedderwardersiel.

Untergegangenes Dorf

Sie schauten sich alte Fotos, historische Landkarten oder handschriftlich gefertigte Notizen an, die auch an die verheerende Weihnachtsflut von 1717 erinnern. Eckhard Dunkhase erzählt vom untergegangenen Dorf Langemehne. Es lief ein Film über die Sturmflut 1962. Im ersten Obergeschoss des Nationalparkhauses war eine Dokumentation über Sturmfluten zu sehen. Bernd Bultmann aus Tossens erklärte das Phänomen der Gezeiten.

Das große Thema war jedoch das eigene Erleben der Sturmfluten. Als Vorsitzende des Arbeitskreises Gezeiten hatte Renate Knauel einige Zeitzeugen gewinnen können, die anschaulich berichteten, wie wie sie Katastrophe in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 erlebt haben.

Der Vorsitzende des Rüstringer Heimatbundes, Hans-Rudolf Mengers, moderierte die mit rund 30 Zuhörern besuchte Gesprächsrunde.

Alle Menschen an der Nordseeküste seien vereint gewesen in der Hoffnung, dass die Deiche halten werden, sagte er. Dass diese Hoffnung nicht immer erfüllt wurde, zeigte die emotionale Schilderung von Jan Boedecker. Der Eckwarder war damals 28 Jahre alt, selbstständiger Bauer und junger Familienvater. „Es war damals unglaublich, unvorstellbar was die Flut angerichtet und wie viel Angst und Schrecken sie verbreitet hat“, erinnerte er sich unter Tränen. Nach tagelang andauerndem Sturm herrschte Neumond, die Nordsee tobte und über den Deich schwappte des nachts weiße Gischt. Sie riss große Löcher in den Eckwarder Deich, so dass Jan Boedecker um Leib und Leben seiner Familie bangen musste.

„An seiner Schilderung merkt man, wie sehr diese Sturmflut vor 65 Jahren jetzt noch die Gemüter der Menschen bewegt“, bestätigte Hans-Rudolf Mengers.

Auch Burchard Oetken aus Ruhwarden kann sich gut erinnern. Damals 19 Jahre alt war der Landwirt in der Ausbildung: „Die Strandhalle Tossens wurde damals ein Opfer der Fluten und alles Mobilar wurde mit weggerissen.“

„Wir waren damals ahnungslos“, sagte hingegen Bernhard Hansing aus Langwarden. Die Menschen hörten zwar Berichte über die Flutkatastrophe in Hamburg, die Butjenter, die nicht direkt am Deich wohnten, hätten sich jedoch sicher gefühlt und die Gefahr zunächst unterschätzt.

Erst als in Langwarden der ganze Sommerdeich weggespült war, habe man die Ausmaße der Sturmflut erkannt und sei froh und dankbar gewesen, das hier keine Opfer zu beklagen waren.

Schwere Nacht

Ganz anders hat Heinz Wilhelm „Teddy“ Rohde diese Tage bei seiner Familie in Waddensersiel erlebt: „Jetzt supp wi aaf“, befürchteten sie angesichts der drohenden Katas-trophe, es sei für ihn eine schwere Nacht gewesen.

Horst Siemers aus Tossens war 24 Jahre alt und junger Feuerwehrmann. Als der Sturm heulte und die Sirenen schrillten, mussten die Helfer ausrücken: „Jeder der ein Fahrzeug hatte und einen Spaten halten konnte, musste mit anpacken.“ In seiner bewegenden Erzählung schilderte er die Not einer schwangeren Frau, die er mit dem Feuerwehrwagen aus ihrem bedrohten Haus am Deich befreite: „Eine gefährliche Aktion. Es kam ein gesundes Mädchen zur Welt, das sich später bei mir für ihre Rettung bedankt hat.“

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