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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Gezeiten enthüllen historische Spuren

04.09.2018

Feldhausen Die Geschichte der Nordseehalbinsel Butjadingen, zumindest das Kapitel der Besiedlung und Eindeichung, muss umgeschrieben werden. Dank des Engagements der Brüder Heinz und Fritz Schröder aus Langwarden hat sich die archäologische Fundsituation grundlegend geändert. Die Fundorte im Langwarder Groden waren Ziel einer Exkursion, zu der der Bürgerverein Langwarden anlässlich der Butjadinger Kunst- und Kulturwochen „Gezeiten“ eingeladen hatte.

Der Langwarder Groden ist einem ständigen Wandel unterlegen, berichtete Vorsitzende Karin Behrens. Die Exkursion führte die rund 40 Teilnehmer zu den Siedlungsspuren, die derzeit noch bei Ebbe im Sieltief entlang des Vordeiches sichtbar werden. Dabei handelt es sich um Reste einer spätmittelalterlichen Wurt und um damals zwei dem Schutz der Trinkwasservorräte dienende Sodenringbrunnen ebenfalls aus dem 14./15. Jahrhundert.

Brüder nehmen teil

An der Exkursion nahmen auch Heinz und Fritz Schröder teil, die anschließend im Langwarder Steinhaus auch die Fragen der Gäste beantworteten. Ihnen ist es zu verdanken, dass sich die Pläne der durch Sturmfluten ausgelöschten Siedlungen in den unterschiedlichen Phasen jetzt rekonstruieren lassen. Mit ihren Funden und Beobachtungen im Langwarder Groden, die es in Quantität und Qualität im Nordseeküstenbereich bislang noch nicht gegeben hat, lieferten die Schröders die wissenschaftliche Basis für eine Fortschreibung der Besiedlungsgeschichte Butjadingen. Damit beschäftigt sich jetzt das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK) in Wilhelmshaven.

Bei der Renaturierung des Langwarder Grodens als ökologische Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Jade-Weser-Ports und für zwei Deichbauprojekte waren von 2012 bis 2014 großflächige Bodenabträge und eine Öffnung des Sommerdeichs erfolgt. Bei dieser Maßnahme hatte es jedoch keine archäologische Begleitung gegeben. Bei vielen Begehungen des Areals haben Heinz und Fritz Schröder ihre Beobachtungen und Funde systematisch registriert und per GPS eingemessen.

Auf den Flächen entdeckten sie etliche archäologische Strukturen von Gräben, Sielen, Wurten und Deichtrassen sowie Reste von Fassbrunnen, die der Trinkwasserversorgung dienten. Damit lassen sich die Siedlungsstrukturen in den Phasen zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert rekonstruieren. Im Langwarder Groden müssen im 13. bis 17. Jahrhundert wohlhabende Bauern gelebt und gewirtschaftet haben.

Die Hauptmenge des etwa 4000 Einzelstücke umfassenden Fundmaterials der Brüder Schröder bildet Keramik aus dem Zeitraum von der ersten Hälfte des 13. bis zum 17. Jahrhundert. Sie stammen vornehmlich aus dem Mittelwesergebiet und Werraland. Steinzeug gelangte aus dem Rheinland, Nordhessen und Südniedersachsen nach Langwarden. Auch für Schiffe und Fachwerk verwendete Bauteile wurden gefunden. Zu den Prunkstücken gehört eine bemalte Scheibe mit Fragmenten einer Bleirutenfassung.

Diese Funde deuten auf eine gehobene Wohnkultur hin. Mit ihrer landwirtschaftlichen Produktion und weitreichenden Handelsbeziehungen müssen es die hier siedelnden Bauern zu Wohlstand gebracht haben. Es muss sich um eine größere Siedlung gehandelt haben, die möglicherweise den Namen Feldhausen hatte. Die Sichtung und Erforschung der Funde kann noch Generationen von Archäologen beschäftigen. Das NIhK hofft Studenten zu finden, die die Funde zum Thema einer Masterarbeit machen, berichtet Fritz Schröder.

Wasser arbeitet mit

Grabungen sind im Langwarder Groden nicht geplant. Durch das im Gezeiten-Rhythmus durch den Groden strömende Wasser werden weitere Erosionen stattfinden. Das Wasser wird somit für die Wissenschaftler arbeiten, indem es weitere Funde hervorspült. Die Fundstelle im Langwarden Groden stellt einen der wenigen Punkte im norddeutschen Küstenbereich dar, an dem in größerem Umfang Funde aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit geborgen werden konnten. Mit ihnen können detaillierte Aussagen zum norddeutschen Küstenraum im Vergleich zum bislang deutlich besser belegten städtischen Fundmilieu getroffen werden.

Rolf Bultmann
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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