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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Nonnengans kläfft wie ein junger Hund

30.10.2018

Feldhausen Der letzte Bodennebel hat sich aufgelöst, langsam kämpft sich die Sonne durch die Wolkendecke über Butjadingen. Ein knappes Dutzend Vogelliebhaber ist früh aus den Federn gekrochen. Nationalpark-Rangerin Susanne Koschel empfängt sie im Langwarder Groden. Für zwei Stunden geht es hinaus in die Natur. Die Mission: Vögel beobachten.

Mit von der Partie sind der ehrenamtliche Nationalparkparkwart Marcus Säfken aus Jade sowie Olaf Christiansen von der Firma Swarovski, der die Ferngläser und Spektive an alle Besucher verteilt. Nicht alle Teilnehmer machen von diesem Angebot Gebrauch – der Hobby-Ornithologe aus dem Westerwald, der extra für die Zugvogeltage nach Butjadingen gereist ist, hat sein eigenes High-Tech-Equipment dabei. Dazu gehören ein Profi-Fernglas und zwei hochwertige Kameras. Andere haben ihr eigenes Spektiv mitgebracht.

Susanne Koschel bittet bald um absolute Ruhe und lädt die Teilnehmer dazu ein, die Augen zu schließen. So kann sich jeder ganz auf die Vogelstimmen konzentrieren. Fünf bis sieben verschiedene Arten können die meisten bereits nach wenigen Minuten unterscheiden. Bei echten Vogelkennern sind es schnell zehn bis zwölf unterschiedliche Vogelstimmen. Nonnengänse hören sich wie kläffende junge Hunde an, die Bekassine wie meckernde Ziegen.

Aha-Erlebnisse

Auf dem kurzen Weg zum Sommerdeich entdeckt die Gruppe immer mehr Vogelarten: Große Brachvögel, Goldregenpfeifer, Silber- und Graureiher, Brandgänse und viele mehr. Hinter ihren Ferngläsern und Spektiven haben die Teilnehmer immer wieder Aha-Erlebnisse. Susanne Koschel erklärt ihnen, dass zum Beispiel die Zahl der Silberreiher, die eigentlich wärmere Gefilde bevorzugen, in den vergangenen Jahren an der Nordseeküste deutlich angestiegen ist. „Das Mittelmeer kommt näher“, sagt die Rangerin und spielt damit auf den Klimawandel an, dessen Folgen längst sichtbar seien.

Höhepunkte der Exkursion sind für viele der Hobby-Ornithologen die riesigen Vogelschwärme. Unzählige Austernfischer, Alpenstrandläufer und Brandgänse steigen gleichzeitig aus dem Watt in die Luft auf, als plötzlich ein Seeadler, der zuvor auf einer der Buhnen gerastet hat, vorbeifliegt. Der König der Lüfte weist eine Flügelspannweite von bis zu zweieinhalb Metern auf – ein majestätischer Anblick, erst recht bei der enormen Vergrößerung durch die technischen Geräte.

Die Teilnehmer erfahren während der Exkursion eine Menge über die Welt der Zugvögel, das Watt als Drehscheibe des Ostatlantischen Vogelzuges und existenzielle Nahrungsquelle. Über zwei Millionen Vögel rasten jedes Frühjahr und Herbst allein im Niedersächsischen Wattenmeer.

Non-Stop-Flug

Die Nonnengänse sind gerade erst angekommen. Die Pfuhlschnepfe hat einen Nonstop-Flug über 4500 Kilometer hinter sich. Nun sammelt sie im Wattenmeer Kraft für den Weiterflug in den Süden. Innerhalb von drei Wochen verdoppelt die Pfuhlschnepfe dabei ihr Gewicht, um genügend Reserven zu haben. Gelingt ihr das nicht, ist das ein Todesurteil. Deshalb sei es so wichtig, die „Spielregeln“ im Nationalpark einzuhalten und die Zugvögel während ihrer Rast in Ruhe zu lassen, betont Susanne Koschel.

Die Rangerin ist sehr gut vorbereitet, hat weiterführende Fachliteratur dabei und kann auf alle Fragen rund um den Groden und den Nationalpark Wattenmeer ausführliche Antworten geben. „Sie macht das wirklich toll“, loben Irmtraud und Hans-Jörg Richter aus dem Kreis Neuss, die in Eckwarden ein Ferienhaus haben.

Auf dem Rückweg sind im Watt Spuren von Füchsen zu erkennen, die die Nester der Brutvögel ausrauben. Freilaufende Hunde, verwilderte Katzen und neuerdings sogar vereinzelt zugewanderte, aus Nordafrika stammende Goldschakale gefährden ebenfalls die Vogelwelt im Wattenmeer, erklärt Susanne Koschel.

Sensibilisiert für die Einzigartigkeit und Schönheit, aber auch für die Verletzlichkeit des Ökosystems Wattenmeer treten die Exkursions-Teilnehmer den Heimweg an. Die letzte Möglichkeit in diesem Jahr, unter fachkundiger Führung die Natur auf dem Langwarder Groden zu erleben, ist an diesem Dienstag, 30. Oktober, von 10.30 bis 12 Uhr; nähere Informationen gibt es im Nationalparkhaus in Fedderwardersiel (Telefon   04733/8517). Danach endet die Saison.


Mehr Infos unter   www.nationalparkhaus-wattenmeer.de 
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