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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Flugzeugteil dient als Wandverkleidung

06.12.2014

Nordenham /Tossens Beim Aufräumen und Renovieren entdecken Hausbesitzer immer wieder längst verschollen geglaubte Dinge. So erging es auch der Familie Stieler aus Uetze, die sich in Tossens ein Haus gekauft und hergerichtet hat. Vor kurzem war die in die Jahre gekommene Stallung dran. Und dabei machten die Stielers einen Fund, mit dem sie nicht gerechnet hatten.

Beim Entkernen kam ein Flugzeugteil – 7 mal 1,50 Meter groß – zum Vorschein. Es hatte in den Nachkriegsjahren als Notbehelf zur Wandverkleidung gedient. Ein Nachbar der Stielers informierte das Militärhistorische Museum in Nordenham-Grebswarden über den Fund.

Amerikanischer Bomber?

Die erste Annahme: Das Teil könne nur von einem Flugzeugabsturz am 27. Januar 1943 in Mirre bei Tossens, ein Kilometer von der Abbruchstelle entfernt, stammen. Dieser Absturz war der erste Tagesangriff der Amerikaner. Es sollte Vegesack bombardiert werden. Da Vegesack aber unter Nebel lag, wurde Wilhelmshaven als Ausweichziel angegriffen. Dabei wurde der erste amerikanische B-17-Bomber über deutschem Gebiet abgeschossen.

In einer Sonderaktion bargen die Familie Stieler und Mitarbeiter des Museums das Teil und verfrachteten es nach Grebswarden. Um letzte Sicherheit über die Herkunft zu haben, wurden Fotos gemacht und an den Wardenburger Verein „Flieger, Flugzeuge, Schicksale“ weitergeleitet.

Der Verein beschäftigt sich mit der Luftfahrtgeschichte und sucht nach vermissten Piloten aus dem Zweiten Weltkrieg. Nach der Begutachtung durch die Experten in Wardenburg war die Sache dann doch nicht mehr so klar.

Das Teil passte nicht zu dem abgestürzten Bomber in Mirre. Aber da alle Teile in der Regel beschriftet sind, ließen sich nach der Grobbereinigung Nummern wie FL 27 erkennen. Das war ein Hinweis auf eine deutsche Fertigung. Zudem waren etliche Bauteile beginnend mit 138 beschriftet. Das deutete auf das Wasserflugzeug Blohm & Voss 138 hin – das war dann auch die Erklärung.

Dieser Seeaufklärer wurde unter anderem bei Weserflug in Nordenham gebaut. Während des 2. Weltkrieges diente die B & V 138 über der Nord- und der Ostsee sowie dem Ärmelkanal und dem Eismeer vorwiegend als Aufklärer. Einige B & V 138 wurden auch zum Minenräumen genutzt. Auch zur U-Boot-Bekämpfung wurden mit Funkmessgeräten (deutscher Name für das Radargerät) ausgerüstete Flugzeuge verwendet. Darüber hinaus wurde die B & V 138 als Bomber bestückt. Insgesamt sind von dem Flugzeugtyp 276 Stück gebaut worden – keines ist erhalten. In einem dänischen Museum gibt es nur noch einen aus dem Wasser geborgenen Torso.

Rätsel gelöst

Im Grebswarder Museumsarchiv wurde dann auch ein Foto gefunden. Es zeigt genau dieses Fundstück, abgelegt zur Montage vor einer B & V 138 im Weserflugwerk in Einswarden. Das Rätsel war gelöst. Es handelt sich um das Höhenleitwerk dieses Baumusters. Aber wie kam es nach Tossens? Bei Kriegsende lagen die unzerstörten Weserflug-Werke in Nordenham voll mit halb fertigen Flugzeugen und Ersatzteilen. Die Amerikaner wollten die großen Hallen schnell als Nachschubmagazin für ihre Besatzungstruppen in Deutschland herrichten, und vieles wanderte auf Schrottplätze. Sicherlich ist das Höhenruder von dort irgendwie nach Tossens gelangt.

Jetzt soll das Fundstück die Ausstellung des Bombenkrieges im Militärhistorischen Museum bereichern.

Lars Herrmann
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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