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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Folge 53: Weihnachtswurst in Nordenham

25.10.2011

NORDENHAM Was haben die Weihnachtsmärkte in Nürnberg, Dresden, Chemnitz, Aachen, Spandau und Nordenham gemeinsam? Sie alle tauchen in dem neuen Buch von Horst Evers auf. Allerdings mit höchst unterschiedlichen Bewertungen. Und dabei kommt der adventliche Budenzauber in Nordenham, dem Horst Evers einmal in einem dringenden Selbsterfahrungsbedürfnis einen Besuch abgestattet hat, nicht besonders gut weg.

Immerhin hat der Komiker und Geschichtenerzähler aus Berlin dem winterlichen Geschehen auf dem Nordenhamer Marktplatz ein ganzes Kapitel in seiner Satire-Sammlung „Für Eile fehlt mit die Zeit“ gewidmet. Unter der Überschrift „Die schönsten Weihnachtsmärkte der Welt“ geht es in Folge 53 um die „Weihnachtswurst in Nordenham“.

Curry, Zimt und Goldstaub

Horst Evers listet die „Nordenhamer Weihnachtswurst“ in seinem Spezialitäten-Ranking in einem Atemzug mit Lebkuchen aus Nürnberg, Printen aus Aachen und Stollen aus Dresden auf. Aber um was handelt es sich bei dieser Weihnachtswurst überhaupt? Horst Evers verrät es: „Die Weihnachtswurst von Wurst-Didi ist im Prinzip eine ganz normale Currywurst, nur dass über den Ketchup dann noch mal zwei bis drei gehäufte Esslöffel Lebkuchengewürz, Zimt und wohl auch so etwas wie Goldstaub gestreut werden.“

Damit wäre auch geklärt, wo es diese Nordenhamer Spezialität gibt. Genau, in der Imbissbude von Dietrich Meier. Dessen Marketing-Slogan ist dem kalauernden Marktbesucher aus Berlin ebenfalls nicht entgangen: „Was wäre Weihnachten ohne die Weihnachtswurst von Wurst-Didi?“ lautet die entscheidende Frage auf der Werbetafel. Horst Evers weiß die Antwort: „Ein kleines bisschen schöner.“

Eigentlich wollte er gar keine Wurst, sondern eine Portion Pommes. Aber das Personal am Grill konnte die Bestellung nicht verstehen, weil es neben Didis Wurstbude, Rosis Glühweinstation und Ewalds Original-Berlinern noch eine vierte Attraktion auf dem Nordenhamer Weihnachtsmarkt gibt. Damit ist die Eislaufbahn gemeint, „die von einem kleinen, verbitterten, luftgetrockneten Mann betrieben wird, der offensichtlich Weihnachten oder Nordenham oder beides oder sogar die ganze Welt hasst“. Zu dieser wenig freundlichen Einschätzung sieht sich Horst Evers durch die Musikbeschallung in Extrem-Lautstärke veranlasst.

Aus den bis zum Anschlag aufgedrehten Boxen im Eislaufzelt „dröhnt ununterbrochen Musik von der Gruppe Scooter in einer Lautstärke, die jegliche Kommunikation bis weit über den Marktplatz hinaus unmöglich macht“. Und das führt letztlich dazu, dass der Imbissbudengast Didis Weihnachtswurst essen muss.

Immer wieder Scooter

Horst Evers gibt allerdings zu, dass er gar nicht genau weiß, ob die Musikstücke wirklich alle von Scooter sind. Erkannt hat er eigentlich nur das Stück, wo H. P. Baxter immer „Hyper! Hyper“ brüllt. Wobei alle anderen Stücke aber quasi genauso klingen.

Nordenhamer sind nach Horst Evers’ Beobachtungen auf dem Weihnachtsmarkt nicht anzutreffen. „Außer mir ist überhaupt kein Besucher auf diesem Weihnachtsmarkt an einem Adventssamstagnachmittag“, schreibt er. Daher fühlt sich Horst Evers den vier Attraktionen gegenüber irgendwie verpflichtet. Er kauft eine Waffel und einen alkoholfreien Glühwein, was aufgrund der Scooter-Beschallung jedoch kein leichtes Unterfangen ist.

Auch das Ausleihen der Schlittschuhe bei dem „kleinen, bösen Mann“ ist nur unter erschwerten Bedingungen möglich. „Als ich vor seiner Bude stehe und den Mund bewege, wird ihm wohl klar, dass ich mit ihm rede“, schildert Horst Evers die Prozedur, „dann bewegt auch er den Mund. Wahrscheinlich unterhalten wir uns jetzt.“ Genauer lässt sich das nicht feststellen, weil man natürlich kein Wort versteht. Trotzdem bekommt der Kunde zu seiner großen Überraschung plötzlich ein Paar Schlittschuhe ausgehändigt.

Zum ersten Mal nach 20 Jahren wagt Horst Evers sich wieder auf eine Eisfläche und muss schnell erkennen, dass „Schlittschuhlaufen leider nicht zu den Dingen im Leben gehört, die man einfach nicht verlernt“. Als er nach einigen schmerzhaften Bruchlandungen die Schuhe zurückgibt, sieht er, wie der „verbitterte, luftgetrocknete Mann tatsächlich lächelt“. Der Eisbahn-Mann macht sogar die Musik aus, flüstert ein „Danke“ und reicht Horst Evers die Leihgebühr zurück. „Sie haben die Schuhe ja kaum benutzt“, sagt der Mann, „also zumindest nicht, um draufzustehen.“

Hier eine Auflistung der Weihnachtsmarkt-Spezialitäten aus der Sicht von Horst Evers: „In Nürnberg gibt es die Lebkuchen, in Dresden den Stollen, in Chemnitz die Schnitzereien, in Aachen die Printen und in Spandau auf die Fresse.“

Das Buch „Für Eile fehlt mir die Zeit“ ist im Berliner Rowohlt-Verlag (ISBN 9783871346828) erschienen.

Sein nächstes Gastspiel in der Nordenhamer Jahnhalle hat Horst Evers am Freitag. 4. November, ab 20 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei Nordenham Marketing & Touristik (Telefon 93640).

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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