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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Fotografin durfte bei Hofe Bilder machen

09.08.2008

OLDENBURG /ELSFLETH Anna Feilner war ihrer Zeit weit voraus. Und mit dem Titel Hoffotografin durfte sie sich als einzige Frau in der Stadt schmücken. Die Landesausstellung 1905 hatte die Karriere des „Fräulein Feilner“, wie man damals sagte, sehr beflügelt: eine Goldmedaille als Auszeichnung und Kontakte zum Großherzog und seiner Familie. Die 41-Jährige hatte sich auf der Dobbenwiese einen eigenen Pavillon bauen lassen, in dem sie die Besucher fotografierte. Viele der heute erhaltenen Bilder der Ausstellung stammen von ihr. Und in den „Nachrichten für Stadt und Land“ war am 24. Juli 1905 über die Arbeit der Fotografin zu lesen: „Zu den hübschesten Erinnerungen, die man sich auf unserer Ausstellung erstehen kann, gehören unzweifelhaft die Portraitpostkarten, die in dem renommierten Atelier Feilner – in der Nähe der Haupthalle – angefertigt werden.“

Beinahe wäre diese couragierte Frau in Vergessenheit geraten und ihr Grab auf dem Gertrudenkirchhof vor wenigen Jahren eingeebnet worden. Doch dann trat die „Projektgruppe Feilner“ auf den Plan: Elke Behrens, Petra Mende und Heike Wiese entdeckten die Biografie der Frau im Zuge der Vorbereitungen der Jahrhundertschritt-Ausstellung im Stadtmuseum. Mühsam trugen sie Daten zusammen, sammelten Fotos. Petra Mende, die in der Universitätsbibliothek arbeitet, erzählt, dass sie auch die Pflege des Grabes übernommen haben.

In Oldenburg leben keine direkten Nachkommen Anna Feilners, die weder verheiratet war, noch Kinder hatte. „Uns ist es wichtig, dass die Fotografin nicht in Vergessenheit gerät.“ Einen großen Erfolg verbuchten sie am Dienstag.

Auf dem Grab der 1929 Verstorbenen wurde eine Stele aufgestellt, die die Oldenburger Steinbildhauerin Doris Reske geschaffen hat. Entstanden ist die Plastik während der langen Nacht der Kirchen im Juli als Aktionskunst vor Publikum in der Gertrudenkapelle. Die Friedhofsverwaltung hatte dazu eine historische Grabeinfassung zur Verfügung gestellt. Binnen vier Stunden arbeitete Doris Reske in die 1,40 Meter lange Sandsteinstele einen 15 mal 21 cm großen Frauenkopf.

„Eine solche Aktion bedeutet Mut zur Lücke, denn ich muss in einem festgelegten Zeitraum fertig werden“, sagt Doris Reske. Vier Stunden Zeit bedeute, schnell arbeiten zu müssen und kaum Korrekturen vornehmen zu können. Aber gerade das Fragmentarische einer Arbeit sei besonders reizvoll. Seit 15 Jahren ist die Mitbegründerin des Ateliers Eisenstein mit Steinbildhauerei beschäftigt. Die 50 Kilo schwere Sandsteinstele zu bearbeiten, war dennoch nicht leicht. „Ich hatte einen weiblichen Kopf in meiner Vorstellung, es hätte aber auch etwas ganz anderes herauskommen können, wenn der Stein nicht so gesprungen wäre wie beabsichtigt. Wichtig war mir, dass viel von der ursprünglichen Stele zu sehen ist“, so die Bildhauerin, die ein Atelier in der Etzhorner Brennerei hat.

Auch Anna Feilner, die 1863 in Elsfleth geboren wurde, arbeitete im eigenen Atelier und machte sich selbstständig: Ihre ersten Räume eröffnete sie bereits im Alter von 24 Jahren an der Nadorster Straße 5/6 (heute Nr. 14). „Sie konnte sich schnell etablieren, denn ihre Arbeit überzeugte“, sagt Heike Wiese von der Projektgruppe. Doch sie arbeitete nicht nur im Atelier, sondern machte auch Architektur- und Außenaufnahmen, etwa von der damaligen Spar- und Leihbank. 1908 kaufte sie für 80 000 Mark ein Haus direkt neben dem Schloss, damals Innerer Damm 12 (heute Schlossplatz 23) und ließ es im Jugendstil herrichten.

Am gesellschaftlichen Leben der Stadt nahm sie aktiv teil. Sie war Mitglied im „Oldenburger Künstlerbund“ und im „Deutschen Werkbund“ und mit bekannten Künstlern der Stadt freundschaftlich verbunden. Ihr Atelier übergab sie 1919 an den Fotografen Hans Bourquin.

Sabine Schicke
stv. Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2103

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