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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Zeitreise in die 50er und 60er Jahre

29.04.2019

Friedrich-August-Hütte Ausverkauft war die Premiere der Plattdüütschen „Wi sünd woller wer – Van Petticoat un Wirtschaftswunner“. Das Nordenhamer Theaterensemble und die dazugehörige dreiköpfige Band entführten ihr Publikum in ihrer rund zweistündigen Musikrevue in die 1950er und 1960er-Jahre.

Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, der Einführung der sozialen Marktwirtschaft und einer Ära, in der im Fernsehen für Markenprodukte wie das Deo Bac, das Waschmittel Persil oder die Zigarette Overstolz geworben wurde. All dies hat Regisseur Philip Lüsebrink, der seit 2013 an verschiedenen norddeutschen Bühnen aktiv ist, in seine unterhaltsame Musikrevue eingebaut. In seinem Theaterstück gibt es keine stringente Handlung, sondern äußerst schnelle Wechsel von Musik- und Wortbeiträgen auf Platt und Hochdeutsch.

Kurzweiliges Schauspiel

Diese Kombination kam bei den rund 120 Zuschauern im Nordenhamer Kasino so gut an, dass von Anfang an begeistert applaudiert wurde, am Ende des kurzweiligen Schauspiel- und Musikabends mit zwei Zugaben Standing Ovations, anerkennende Pfiffe und Zurufe erfolgten. Völlig zu Recht. Denn die Schauspieler der Niederdeutschen Bühne Nordenham im Alter von 16 bis 51 Jahren standen dieses Mal vor besonderen Herausforderungen.

Die Beteiligten und weitere Aufführungstermine

Die Darsteller: Hakan Henken, Dennis Tosun, Til Kara, Katja Kramer, Davina Carstens, Melanie Ruprecht, Melissa Hattermann, Henrike Folkens, Jessica Rother, Nico Otholt, Niklas Eppler, Daniel Gepting, Jacqueline Haase und Dilan Dogan

Band: Tjark Klävemann, Ben Minßen und Timothy Trinks

Regie und Regie-Assistenz: Philip Lüsebrink und Eric Stöver

Spielleiter: Udo Rohde

Inspizienten: Kim Schäfer, Petra Rohde und Elke Puhl

Souffleuse: Vanessa Harfst

Maske: Lena Mühlan, Rabea Friedrichs und Petra Wilks

Technik: Keno Thümler, Luca Priebe und Malte Wallrath

Bühnenbau: Georg Modersitzki, Karl-Heinz Winter, Werner Scholz und Heiko Cordes

Pressearbeit: Lasse Kramer

Weitere Aufführungen im Kasino in Friedrich-August-Hütte finden statt am Mittwoch, 1. Mai. Die Aufführung beginnt um 11 Uhr, Frühschoppen ab 9 Uhr; Donnerstag, 2. Mai, 19.30 Uhr; Freitag, 3. Mai, 19.30 Uhr; Samstag, 4. Mai, 15.30 Uhr; Mittwoch, 8. Mai, 19.30 Uhr; Donnerstag, 9. Mai, 19.30 Uhr; Freitag, 10. Mai, 19.30 Uhr und Samstag, 11. Mai, 15.30 Uhr.

Karten gibt es im Vorverkauf bei Nordenham Marketing & Touristik (NMT) unter Telefon  04731/93640 und an der Tages- beziehungsweise Abendkasse im Kasino Friedrich-August-Hütte, jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Es galt, enorm viel Text auswendig zu lernen, auf der Bühne diverse, meist deutschsprachige Schlager aus der Nachkriegszeit zu präsentieren und die verschiedensten Tanzeinlagen zu bewältigen. „Das war schon ein ganz besonderer Triathlon für die Darsteller“, meinte Regisseur, Operettensänger und Schauspieler Philip Lüsebrink. Zumal die jungen Leute überwiegend noch die Schulbank drücken und nachmittags auch Hausaufgaben zu erledigen hatten.

Hinzu kam, dass bei der Premiere kurzfristig wegen zwei Krankheitsfällen improvisiert werden musste. Der Hamburger Regisseur stand am Freitag daher selbst im schwarz-weiß gepunkteten Kleid im Stil der 1950er Jahre und mit hohen Absätzen auf der Bühne.

Die wechselnden Verkleidungen spiegelten die Nachkriegszeit hervorragend wider, egal, ob eine Szene mit Petticoat, im Anzug oder lässigem Trenchcoat, ebenso die zahlreichen Requisiten wie beispielsweise das Pappmodell einer alten Isetta. Das Leichtfahrzeug war in den 1950er Jahren in Deutschland beliebt. Genauso wie die Italienurlaube, wie das junge Ensemble mit unterhaltsamen Lied- und Wortbeiträgen verdeutlichte oder der Rock’n Roll, der nach Meinung der Tanzschullehrerin auf der Bühne mit einer Verrenkung der menschlichen Wirbelsäule einhergeht.

Viele Lacher ernteten die immer wieder eingeschobenen Werbeeinlagen aus dieser Zeit wie etwa für das Toilettenpapier Hakle mit dem damaligen Slogan „Ein neues Papier für ein altes Bedürfnis.“ Dann wieder Ohrwürmer wie „Tulpen aus Amsterdam“ oder „Ich will keine Schokolade“ mit lebendiger und vielseitiger Choreographie und einem einfachen überdimensionalen Telefunken-Röhrenfernseher als Bühnenbild.

Intensive Proben

Zugegeben, nicht alles war perfekt – aus den Boxen krachte es zum Beispiel wegen Funkstörungen wiederholt –, aber das schien keinen der Gäste zu stören. Angetan zeigte sich auch Bühnenleiter Torsten Lange. „Mir hat das Ganze unheimlichen Spaß gemacht.“ „Und es ist toll, was nach nur zwei Monaten intensiver Proben dabei herausgekommen ist“, befand er.

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