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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Schnitzkunst: Traurig und doch Teil der Heilsgeschichte

05.09.2019

Friedrich-August-Hütte /Oldenburg Als vor etwa dreieinhalb Jahren aus Holz geschnitzte Krippenfiguren des polnischen Künstlers Roman Sledz in der Pauluskirche in Friedrich-August-Hütte (FAH) ausgestellt waren, fiel Konfirmanden sogleich auf: „Die gucken so traurig.“ Tatsächlich ist das Besondere: Sie sind – wie alle sakralen Holzskulpturen von Roman Sledz – sehr ausdrucksstark und gucken dabei wehmütig und traurig. Sie sind zurückhaltend bemalt. Gerade durch ihre Schlichtheit beeindrucken sie.

Pfarrerin Anke Claßen spricht von Zwiespältigkeit: Statt weihnachtlicher Freude nehmen die Figuren bei der Geburt Jesu Christi in der Krippe als Sohn Gottes schon sein bevorstehendes Leiden mit dem Tod am Kreuz in den Blick. Auch die österliche Erwartung des Heils durch die Auferstehung, durch den Sieg Gottes über Leid und Tod, scheint bei diesen Figuren ganz außen vor zu bleiben.

Wanderausstellung

Die Pauluskirche hat später dank Spenden eine Krippe von Roman Sledz erworben. Weitere Einzelskulpturen und Skulpturengruppen – insgesamt 120 aus der Zeit von 1972 bis 2017 – sind auf Initiative des Rodenkircher Kulturmoderators Frank Klimmeck (81, Pfarrer im Ruhestand) zusammengetragen worden zu einer großen Wanderausstellung.

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Diese Schau mit dem Titel „ecce homo – Seht, welch ein Mensch!“ hat 2018 und 2019 Station gemacht unter anderem in FAH, Warschau, Breslau, Cäciliengroden und Osnabrück. Leihgeber waren Kichen in FAH, Cäciliengroden, Neuengroden, Fedderwarden, Oldenburg, das Westfälische Museum für religiöse Kultur RELiGIO in Telgte sowie Privatsammler (darunter Frank Klimmeck).

Nun hat Frank Klimmeck zum 70. Geburtstag des Künstlers einen zweisprachigen (deutsch und polnisch) Bild- und Textband herausgegeben. In seinem Grußwort hebt Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, die Bedeutung der sakralen Werke von Roman Sledz hervor.

Der polnische Kleinbauer und Bildhauer, der sich seine Schnitzkunst selbst angeeignet hat, fertigte im Heimatdorf Malinovka in Ostpolen nahe der Stadt Lublin mehr als 1500 Skulpturen. Sie stellen die gesamte Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus Christus dar – von der Geburt bis zum Weltgericht.

Erik-Michael Bader hat bereits 1980 im Frankfurter Allgemeine-Magazin diese Holzskulpturen treffend so beschrieben: „Ihre traurigen Gesichter, von Leid gegerbt, wirken alt und wissend, als spielten sie ihre Rollen mit Bedauern und doch in zögerndem Erkennen, dass sie leidend wie handelnd, etwas großes tun, an einem Stück Heilsgeschichte mitwirken.“ Erik-Michael Bader fügt hinzu: „Die Heilsgeschichte ist bei Sledz fast identisch mit der Leidensgeschichte.“

In einem NDR-Beitrag von 1987 bewertete Gertrude Dannenberg die Skulpturen so: „Roman Sledz ermutigt uns, bereit zu sein für Augenblicke, in denen Gott in uns wirksam sein möchte.“

Im Buch mit insgesamt mehr als 100 Fotos sind zahlreiche Skulpturen neben den dazu passenden Bibeltexten zu sehen. So ergibt sich ein sehr berührender Bezug zur christlichen Botschaft.

Auf insgesamt 192 Seiten sind auch Textbeiträge von Kunsthistorikern, Ethnographen und Theologen zu lesen.

Eine „Volksbibel“

Magdalena Zowczak vom Institut für Ethnologie und Kulturanthropologie der Universität Warschau schreibt: „Für mich ist das Werk von Roman Sledz eine zeitgenössische ’Volksbibel’ in Holz.“

In einem Interview mit Frank Klimmeck sagt Roman Sledz: „Meine Kunst bedeutet mir sehr viel. Ich habe mit ihr Geld zum Leben, es gibt mir eine große Zufriedenheit, ich weiß, dass ich die Menschen mit ihr näher zu Gott bringe und näher zu den anderen Menschen – ich vereinige Kirchen und Religionen.“

 Das Buch „ecce homo – Seht, welch ein Mensch!“ ist im Verlag KomReGis Oldenburg erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich und kostet 19,50 Euro.

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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