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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Ein Großensieler Jung erinnert sich

15.11.2017

Grossensiel Sie spielten Knicker mit kleinen Tonkugeln, badeten im Sommer im Großensieler Hafenbecken, liefen im Winter Schlittschuh auf den zugefrorenen Gräben. Auf dem Weg zur Schule begegneten ihnen keine Autos, sondern Pferdefuhrwerke. Manchmal erklommen die Kinder die Ladefläche des Milchwagens, suchten sich einen Platz zwischen den Kannen und ließen sich kutschieren. Das war die Zeit in den 1930er-Jahren, als Hans Wohlkopf in Großensiel aufwuchs. Mit den Erinnerungen an diese Kindheit voller großer und kleiner Abenteuer, in der Freundschaft das Wichtigste war und jeder einen Spitznamen hatte, beginnt Hans „Hannes“ Wohlkopfs selbst verfasste Lebensgeschichte.

In persönlichen Momentaufnahmen, die zudem spannende Einblicke in die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse von der Weimarer Republik bis in das Jahr 2017 geben, schildert das Großensieler Urgestein seine Heimat und seinen Lebensweg. Meistens sind die Anekdoten humorvoll, doch einige stimmen auch nachdenklich. Sie sind jetzt in einem Buch mit dem Titel „Ach, dass du dich erinnerst!“ erschienen.

90 Jahre alt geworden

Es ist Hannes Wohlkopf nicht vergönnt gewesen, die Fertigstellung seiner autobiografischen Geschichtensammlung mitzuerleben. Wenige Monate zuvor starb er im Alter von 90 Jahren.

Vielleicht hatte der Großensieler Jung geahnt, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb, als er im Herbst vergangenen Jahres mit seinem Großcousin Jens Wohlkopf (60) die Entscheidung traf, seine Lebenserinnerungen zu veröffentlichen. Kurz zuvor war sein Erstlingswerk „Hans vertellt von dit un dat un annerwatt“ erschienen. Dabei handelt es sich um eine 464 Seiten umfassende Sammlung an plattdeutschen Kurzgeschichten.

Auf seine Premiere als Autor ist Hannes Wohlkopf sehr stolz gewesen. Das motivierte ihn auch, sich gleich an die Arbeit für das nächste Buch zu machen. Diesmal auf Hochdeutsch. Das war im November 2016.

Den Grundstock bildeten die vielen Geschichte aus seinem Leben, die Hans Wohlkopf über Jahre hinweg niedergeschrieben hatte. Zuerst handschriftlich, später mit einer kleinen Reiseschreibmaschine. „Eigentlich wollte ich nur meinen Lebenslauf schreiben, so wie wir es in der Volksschule gelernt hatten“, notierte Hannes Wohlkopf, „bei Bewerbungen gehörte er unbedingt dazu.“ Doch nach und nach fielen ihm viele weitere Begebenheiten ein, so dass der Umfang der Aufzeichnungen immer mehr zunahm. Gemeinsam mit seinem Großcousin Jens Wohlkopf, der auch um die Digitalisierung der Texte kümmerte, überarbeitete er die teils schon über 20 Jahre alten Beiträge.

Im Geest-Verlag erschienen

Das Buch „Ach, dass du dich erinnerst! Lebensgeschichte eines Großensielers“ ist im Geest-Verlag erschienen (ISBN 978-3-86685-644-8). Es umfasst 294 Seiten und kostet 12 Euro.

Verkaufsstellen sind der Buchhandel, das Büro des Vereins Nordenham Marketing & Touristik am Marktplatz 7 und die NWZ-Geschäftsstelle an der Bahnhofstraße 31.

Der Autor Hans Wohlkopf wurde 1927 in Nordenham geboren. Sein gesamtes Berufsleben verbrachte er im Postdienst. Der Ehrenvorsitzende des Clubs Weserstrand fühlte sich seiner Heimat und der plattdeutschen Sprache sehr verbunden. Er war Mitglied des Schrierverkrings im Rüstringer Heimatbund.

Was anfangs noch fehlte, waren Bilder. Aber in den Fotoalben der Familie wurden Hannes und Jens Wohlkopf letztlich fündig. Es sind zum Beispiel historische Aufnahmen des Großensieler Hafens dabei oder private Motive, die Hannes Wohlkopf als Kind, Jugendlicher und Erwachsener zeigen. Auch die Epoche der Nazi-Herrschaft und des 2. Weltkrieges bleibt nicht ausgeklammert.

Spaß bis zuletzt

„Wir hatten Spaß bis zuletzt“, blickt Jens Wohlkopf auf die Arbeit an dem Buch zurück. Doch dann kam die Krankheit. In der Klinik ging Hannes Wohlkopf mit seinem Großcousin noch die ersten Korrekturen durch. Auch die Auswahl des Titelbildes mit einem Naturmotiv entschied er noch mit. Aber dann erlag Hannes Wohlkopf am 29. August seiner Erkrankung.

Sein Großcousin Jens, der aus Berlin stammt und seit 2002 in Nordenham wohnt, übernahm das Verfassen des Schlusskapitels. Er fügte auch die letzten drei plattdeutschen Texte hinzu, die Hans Wohlkopf geschrieben hatte.