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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Hilfe für 24-Stunden-Mama

19.08.2015

Brake Wenn Richard Laute von sich geben will, braucht er ein Sprechventil. Dann bindet Kerstin Held ihm einen Schlauch um. „Die Farbe darf er sich selbst aussuchen.“ Heute soll es blau sein. Richard ist zwei Jahre alt, Kerstin Held ist seine Pflegemutter. Das Wort Mutter ist dabei für sie Programm.

„Ich bin eine Mama“, sagt sie über sich selbst. Seit 16 Jahren kümmert sich Held um Kinder mit Behinderung. Richard war eine Frühgeburt. Der Junge lacht und gibt Geräusche von sich, als er auf einmal seine eigene Stimme hört.

„Beeindruckend, was Kerstin Held leistet“, finden auch Tanja Nickelsen und Eleonore Gollenstede vom Braker Damen Lionsclub Mimi Leverkus. Durch einen Vortrag über die Pflegekinder sind sie auf die 39-Jährige aufmerksam geworden. Institutionen könnten zwar auch unterstützt werden. Aber: „Wir wollen die Menschen vor Ort unterstützen“, ergänzt Gollenstede. Deshalb überreichte sie zusammen mit Tanja Nickelsen der Pflege-Mama eine Spende in Form eines Lagerungsnestes. Eine Art riesiges Kissen, auf dem der kleine Richard getragen werden kann. Denn die beiden Lionsclub-Mitglieder wissen: Der Zweijährige kann nicht wie andere Kinder draußen frei herumtoben. Mit dem Lagerungsnest kann er aber immerhin mit nach draußen.

Insgesamt neun Kinder hat Kerstin Held, die auch Vorsitzende des Bundesverbands behinderter Pflegekinder ist, bisher groß gezogen. Zwei von ihnen sind derzeit Richard und die elfjährige Cora. Zwei der neun Kinder sind schon gestorben. Auch das gehört zur Mama-Rolle dazu.

Wie Held damit umgeht? „Ich sehe die Zeit, die ich mit den Kindern geschenkt bekomme. Der Tag des Todes ist nur ein Teil davon.“ Es ist, wie sie selbst sagt, eine Lebensphilosophie. „Es ist schlimm-schön.“ Unterstützung bekommt sie von Pflegekräften und Pädagogen, die rund um die Uhr für die Kinder da sind. Und das in ihrem eigenen Haus. „Man gibt sein Privatleben auf“, gibt Kerstin Held zu.

Ans Aufhören denkt sie aber noch nicht. 25 Jahre wenigstens wolle sie den Job als „Mama“ noch weitermachen. Bis dahin genießt sie die Zeit. Zeit, die ihr mit den Kindern geschenkt wurde.