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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Hin und weg von all diesen Verrückten

04.04.2009

NORDENHAM „Nirum, Narum, Nöffenstien.“ Mit dem L hat Eugen so seine Probleme. Ein schweres Handicap für einen Schauspieler. Deshalb besucht er regelmäßig den „Nogopäden“. Aber noch ist’s nicht „das Genbe vom Ei“. Da kann er sich noch so oft den Korken in den Mund schieben. Trotzdem übt er unverdrossen dramatische Texte. Und er macht es gut. Wenn nur das verflixte L nicht wäre.

Axel de Grave spielt in der Komödie „Pension Schönner“, pardon „Schöller“ von Theater Fatale den Möchtegern-Mimen mit dem Sprachfehler. Am Donnerstagabend ist Premiere im ausverkauften Güterschuppen an der Müllerstraße. Nach der Vorstellung bekommen alle Darsteller den verdienten Applaus. Aber als sich Axel de Grave vor dem begeisterten Publikum verneigt, schwillt der Beifall noch einmal gewaltig an. Und das völlig zu Recht. Denn aus dem durchweg überzeugenden Ensemble ragt er ohne Zweifel heraus: Weil er die phonetische Herausforderung bis zum Schluss mit Bravour meistert und dabei spielt, als habe er nie etwas anderes gemacht. Dass hier keine Profis auf der Bühne stehen, gerät bei einer solchen Vorstellung manchmal in Vergessenheit.

Eugen gehört zu den Stammgästen in der Pension Schöller. Und dort haben sie alle einen kleinen Tick: Da ist der Großwildjäger (Olaf de Grave), der unaufhörlich mit Krokodil- und Bären-Jagden protzt, da ist der stinkstiefelige Major (Frank Meyer), der sich einen Cognac nach dem anderen hinter die Binde kippt, und da ist die sensationslüsterne Schriftstellerin (Inge Hoppe), die jeden, der nicht schnell genug auf den Baum kommt, mit neugierigen Fragen löchert.

Gewaltiger Schwindel

Stadtbekannt ist die Pension für ihre Gesellschaftsabende. In einen solchen platzt der betuchte Phillip Klapproth (Rolf Wilkens), in der Annahme, er befinde sich in einer Irrenanstalt. Als solche hat ihm Neffe Alfred (Rene Marechal) das Haus angepriesen. Der Onkel wollte schon immer mal richtige Verrückte kennen lernen. Und der ist hin und weg von dieser Erfahrung, nicht ahnend, dass er einem gewaltigen Schwindel auf den Leim geht.

Der alte Klapproth geifert vor Neugier, amüsiert sich prächtig über die vermeintlich Irren, versteckt sein Grinsen hinter einer aufgeschlagenen Zeitung und kann seine Lachattacken nur mühsam unter Kontrolle halten. „Bei denen tickt’s im Oberstübchen nicht richtig“, gerät der reiche Onkel in pure Verzückung. Aber nicht ganz so entzückt ist der Mann, als die Schöller-Gäste im zweiten Teil des Stücks bei ihm zu Hause auf der Matte stehen. Ein Haus voller Geisteskranker. Jetzt nimmt die Komödie Fahrt auf. Der alte Klapproth gerät in Erklärungsnot, Neffe Alfred sowieso. Und plötzlich verwischen die Grenzen zwischen Normalität und Wahnsinn. Wer ist hier eigentlich irre? Was ist normal? Was ist verrückt? Oder ist das alles nur eine Frage der Perspektive?

Ecken und Kanten

Wie auch immer der Zuschauer diese Fragen beantwortet – „Pension Schöller“ ist auf jeden Fall eine Liebeserklärung an menschliche Marotten, an Typen mit Ecken und Kanten. Mit ihrem tollen Spiel schaffen es die Darsteller, den schrägen Charakteren sympathische Gesichter zu geben. Und das ist sicherlich auch ein Verdienst des Regisseurs Ulf Goerges, der sein Ensemble mit lockerer Hand zu diesem Premieren-Erfolg geführt hat.

Ganz zum Schluss übrigens klappt’s auch mit dem L. Und Eugen, der verhinderte Mime, kann sich endlich das Geld für den Logopäden sparen.

Noch zwölfmal „Pension Schöller“

Auf der Bühne: Inge Hoppe, Claudia Bartels, Christine Pape, Rolf Wilkens, Axel de Grave, Olaf de Grave, Rene Marechal, Sabine Preuße, Frank Meyer und Hartmut Rese.

Hinter den Kulissen: Jörg Elzener, Reiner Kok, Susanne Kok, Frank Repert, Vera Heinrich, Rita Lüddecke, Dorothee Klemd, Laura Nobel, Ulf Goerges, Marlis Heeren Renate Repert, Marlies Strauch, Monika Taszus, Rolf Wilkens, Inge Hoppe, Sabine Müller, Ursula Wilkens und Jennifer Garrets.

Nach der Premiere wird das Stück noch zwölfmal im Güterschuppen aufgeführt. Abendvorstellungen (Beginn: 20 Uhr) sind am 4., 16., 17., 19., 23., 24., 25., 29. und 30. April sowie am 2. Mai. Nachmittagsvorstellungen (Beginn: 16 Uhr) sind für den 5. und 26. April geplant.

Karten für das Stück gibt es bei NMT am Marktplatz.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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