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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

„Es muss im Karton rappeln“

02.02.2019

Kleinensiel Auf dem Wandkalender in der Küche von Rolf Schmidt ist kaum noch ein weißer Fleck übrig: Nahezu jeden Tag hat der Kleinensieler mindestens einen Termin. Und das ist auch gut so: „Ich lieg‘ nicht gern auf dem Sofa“, sagt der 54-Jährige mit der für ihn typischen leicht ostfriesischen Sprachfärbung. „Es macht nur Spaß, wenn es im Karton rappelt.“

Spitzname „Schmiddy“

Die Sprachfärbung hat sich Rolf Schmidt, den viele „Schmiddy“ nennen, als Kleinkind angeeignet: Er ist in Roggenmoor aufgewachsen, einem kleinen Ort zwischen Augustfehn und Apen im Ammerland, kurz vor der Grenze zu Ostfriesland. Nach Kleinensiel ist er wegen der Arbeit gekommen: Rolf Schmidt arbeitet seit gut 30 Jahren als Diplom-Ingenieur für Maschinenbau im Kernkraftwerk Unterweser (KKU).

Nach seinem Studium in Emden leistete er seine 15-monatige Wehrpflicht bei der Bundeswehr ab („eine tolle Zeit“). Ein Kamerad chauffierte ihn auch im Bundeswehrauto zum Vorstellungsgespräch im KKU, das er in Ausgehuniform absolvierte. „Ich weiß nicht, wie das angekommen ist, aber sie haben mich genommen“, sagt Rolf Schmidt trocken.

Er kam nicht allein nach Kleinensiel: Seine damalige Frau und die drei Töchter zogen mit in die Mietwohnung an der Fährstraße. Obwohl Rolf Schmidt ein kommunikativer Mensch, fand er zunächst nur schwer Anschluss, wie er schildert. Dafür macht er Mentalitätsunterschiede zwischen Menschen aus dem Ammerland und der Wesermarsch verantwortlich. Seine wichtigste Freizeit-Beschäftigung war das Handballspielen beim TSV Abbehausen, das er aber nach einem schweren Motorradunfall 1992 aufgeben musste. Das Motorradfahren gab er nicht auf.

1996, nach acht Jahren Jahren in Kleinensiel, kaufte er ein altes Siedlerhaus an der Fährstraße, in dem er heute noch wohnt. „Das war das Haus, das ich unbedingt haben wollte“, sagt er. Lotte Lübken, eine gut vernetzte Kleinensielerin, half ihm dabei. Und sie trug dazu bei, dass er mehr Kontakte in seinem Wohnort findet.

Zunächst war Rolf Schmidt mit Um- und Anbauen beschäftigt. Erst nach der Trennung von seiner Frau entdeckte er den Bürgerverein für sich. Es muss wohl 2004 gewesen sein, als er eintrat. Da hatte er schon einiges für den Bürgerverein getan, ohne Mitglied zu sein. Der Vorsitzende Hanke Schnitger hatte ihn angesprochen: „Ist nicht so viel Arbeit.“ Als Mitglied wurde er zunächst in den Vergnügungsausschuss gewählt und dann zum Schriftführer.

Fürs Vergnügen ist er immer noch zuständig – vor allem für das Vergnügen der Kinder. Dabei macht er seine Sache mehr als gut: Bei jeder Veranstaltung, an der beteiligt ist, nimmt die Zahl der Kinder zu. „Ich kann gut mit Kindern umgehen“, sagt „Schmiddy“.

Jetzt hat er den 2. März fest im Blick. Dann feiert der Bürgerverein seinen alljährlichen Kinderkarneval. Anfangs kamen 15 Kinder zu der Verkleidungsparty im Dorfgemeinschaftshaus, mittlerweile sind es 50. „Wenn‘s noch mehr werden, müssen wir anbauen“, sagt der Organisator.

Nach dem Kinderkarneval ist vor dem Kinderfest. Das Kinderfest ist eine der beliebtesten Veranstaltungen im Stadlander Ferienpass. Zu Beginn, vor einem Vierteljahrhundert, kamen etwa 35 Kinder, im vergangenen Jahr waren es 140. Dieses Wachstum ist mit Kleinensieler Kindern allein gar nicht möglich. Dass das Fest trotzdem floriert, liegt daran, dass es auch für Kinder aus der Umgebung attraktiv ist – etwa aus Nordenham oder Rodenkirchen.

Das Kinderfest steht unter der Schirmherrschaft des Bürgervereins, aber auch die anderen Kleinensieler Vereine beteiligen sich an der Organisation. Viele Bürger bieten schon Monate vor dem Termin ihre Hilfe an. Im vergangenen Jahr zählte Rolf Schmidt rund 70 Helfer. Zum Orga-Team gehören neben ihm selbst und seiner Lebensgefährtin Elke Zahn auch seine Tochter Kea sowie Thorsten Bathe und Jessica Schnitger.

Das Angebot reicht vom Dosenwerfen übers Torwandschießen und Aalegrapschen bis zu den Hüpfburgen, der Kutschfahrt, dem Auftritt der Feuerwehr und dem Karussell, das Schmiddy für den Bürgerverein angeschafft hat. Im vergangenen Jahr waren 300 Gäste da, sie sprachen vom „Kleinensieler Jahrmarkt“.

Handballtrainer beim ATR

Nach dem Kinderfest ist vor der Weihnachtsfeier. Ende August geht das Faltblatt rum, mit dem Rolf Schmidt Darsteller von vier bis zwölf Jahren sucht. Sie treffen sich im Jugendzentrum, was schon einen Teil der Attraktivität des Angebots ausmacht. Das Stück sucht der Organisator nach der Zahl der Kinder aus, die sich melden. Im vergangenen Herbst war es 13, das reichte für ein Krippenspiel mit 14 Rollen, aus dem Schmiddy eine herausschrieb. Als ein weiteres Kind abhanden kam, schrieb er das Stück kurzerhand nochmals etwas um.

Auch außerhalb des Bürgervereins ist der Kleinensieler aktiv. Er leitet die Betriebssportgruppe Angeln beim KKU, die an den zehn Teichen beim Kraftwerk fischt, und trainiert die Handball-B-Jugend des AT Rodenkirchen, die unter seiner Ägide ebenfalls stark gewachsen ist. Kein Wunder also, dass sein Terminkalender kaum noch weiße Flecken hat.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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