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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Geschichte: Kleiner Krieger mit großer Bedeutung

09.09.2014

Nordenham Die Kopfbedeckung sieht etwas ungewöhnlich aus. Außerdem hat er keinen Schild in der Hand. Aber der stolze Blick, die entschlossene Körperhaltung und die Kleidungsdetails stimmen auf jeden Fall: Bei der etwa 70 Zentimeter hohen Figur aus Bronze handelt es um eine Miniatur-Ausgabe des Hartwarder Friesen. Letzte Zweifel beseitigt die Signatur, die eindeutig dem Bildhauer Emil Jungbluth zuzuordnen ist. Dass es einen kleinformatigen Zwilling des Kriegerdenkmals gibt, das im Mai 1914 unter viel Getöse in Rodenkirchen enthüllt worden war, gilt in Heimatforscherkreisen als Überraschung, „Wir haben da nichts von gewusst“, sagt Hans-Rudolf Mengers, „für uns ist das eine kleine Sensation.“ Daher freut sich der Vorsitzende des Rüstringer Heimatbundes umso mehr, dass es ihm gelungen ist, das gute Stück zu erwerben und dem Nordenham-Museum zur Verfügung zu stellen.

1000 Euro hat der Heimatbund in den Erwerb der geschichtsträchtigen Bronzestatue investiert, die neuerdings im Friesenzimmer des Museums zu sehen ist. „Das ist ein Schnäppchenpreis“, sagt Hans-Rudolf Mengers. Er weiß, dass solche Kunstwerke normalerweise mindestens das Fünffache kosten.

Aus privater Sammlung

Am 21. Mai 1914 wurde das Denkmal des Hartwarder Friesen in Rodenkirchen enthüllt. BILD: Archiv des Rüstringer Heimatbundes
Am 21. Mai 1914 wurde das Denkmal des Hartwarder Friesen in Rodenkirchen enthüllt. BILD: Archiv des Rüstringer Heimatbundes

Morgenstern und Kopfbedeckung sorgen für Streit

Das 1914 eingeweihte Denkmal erinnert an die Schlachten von Hartwarden und Langwarden, bei denen die Butjadinger und Stadlander Friesen 1514 ihre Freiheit verloren. Sie mussten sich den Heerscharen beugen, die der Oldenburger Graf Johann V. und die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg gegen sie ins Feld geschickt hatten.

Mit der Anfertigung des Denkmals hatte der Rüstringer Heimatbund den Düsseldorfer Künstler Emil Jungbluth (1888 bis 1955) beauftragt. Er bekam wohl auch aus Kostengründen den Vorzug vor seinem Konkurrenten Paul Peterich aus Berlin. Vorsitzender des Heimatbundes war damals Friedrich Haller, dem die Ziegelei in Atens gehörte.

Entsetzt von dem Jungbluth-Entwurf war der Direktor des Landesarchivs in Oldenburg, Dr. Georg Sello. Er kritisierte unter anderem, dass der Friesenkrieger nicht die typische Lanze, sondern einen Morgenstern tragen sollte. Auch die Kopfbedeckung war umstritten.

Bei der Einweihung am 21. Mai 1914 waren rund 4000 Gäste anwesend, darunter der Oldenburger Großherzog Friedrich August.

Den Hartwarder Mini-Krieger hatte das Auktionshaus Rosteck aus Lemgo im Internet zum Verkauf angeboten. Durch Zufall war Dr. Jörgen Welp, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Oldenburgischen Landschaft tätig ist und sich mit Denkmälern in der Region bestens auskennt, Wochen auf die Offerte gestoßen. Über seinen Fund informierte er sogleich den Heimatbundvorsitzenden Hans-Rudolf Mengers. Der nahm telefonisch Kontakt mit dem Auktionshaus auf und verschwieg dabei zunächst, dass der kleine Krieger für die Rüstringer Historie von großer Bedeutung ist. So gelang es ihm, einen guten Preis auszuhandeln.

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In dem Lemgoer Kunsthaus kannte niemand den geschichtlichen Hintergrund der Statue, die schlicht als „mittelalterlicher Krieger“ angepriesen wurde. Über die Herkunft ließ sich nur in Erfahrung bringen, dass die Figur zuletzt den Erben eines privaten Sammlers gehört hatte. Sie beauftragten das Auktionshaus damit, den Nachlass zu veräußern. So kam der Hartwarder Friese letztlich in das Internet.

Hans-Rudolf Mengers und Jörgen Welp können nur darüber spekulieren, wann der kleine Krieger entstanden ist und warum er sich in einigen Punkten von seinem großen Bruder unterscheidet. Sie gehen davon aus, dass der Düsseldorfer Bildhauer Emil Jungbluth die Statue um 1913/14 angefertigt hatte, um sie an private Kunden zu verkaufen. Sie könnte aber auch ein Muster für das Hartwarder Kriegerdenkmal gewesen sein, das an die Niederlage der Rüstringer Friesen gegen das Oldenburger Grafenheer im Januar 1514 erinnern soll.

Auffällig ist, dass die Mini-Version eine Lederkappe auf dem Kopf hat, während der große Friese sein wallendes Haar offen zeigt. In der rechten Hand haben beide Gestalten einen Morgenstern, obwohl der eigentlich gar keine typische Waffe der Friesen war. Bei der kleinen, immerhin 28 Kilogramm schweren Figur hat der Künstler darauf verzichtet, sie mit einem Schild auszustatten. Warum auch immer.

Passend zum Jubiläum

„Die Statue ist eine schöne Bereicherung für die Ausstellung“, zeigt sich Museumsleiter Dr. Timothy Saunders dankbar für die neue Errungenschaft. Die Mini-Ausgabe des Hartwarder Friesen ist im Nordenham-Museum besonders willkommen, weil Exponate zu diesem Kapitel der Heimatgeschichte rar sind. Außerdem passt das Ausstellungsstück wunderbar in das Jubiläumsjahr der Schlachten bei Hartwarden und Langwarden, die jetzt ein halbes Jahrtausend zurückliegen.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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