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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Handwerk: Klimawandel macht Orgel zu schaffen

12.08.2016

Elsfleth Bei allein 1157 Pfeifen den Überblick zu behalten, ist schon eine Herausforderung – und das ist nicht die einzige, der sich Orgelbauermeister Martin ter Haseborg und seine Geschäftsleiterin Metallpfeifenbau, Kristin Karm, derzeit gegenübersehen. Auf engstem Raum auf der Orgelempore der Elsflether St.-Nicolai-Kirche, warten, entschimmeln und reinigen die beiden derzeit das Musikinstrument.

Etwa alle 25 Jahre muss eine solche Komplettreinigung vorgenommen werden, erzählt Organist und Kantor Dr. Rainer Nothbaum. Die Orgel in Elsfleth wird in diesem Jahr 180 Jahre alt. Das imposante Musikinstrument wurde 1836 von dem Orgelbaumeister Johann Gerhard Schmid aus Oldenburg gebaut, sagt Orgelbaumeister ter Haseborg. Seine Firma führt die Wartung und Reinigung durch.

Kein giftiger Pilz

Und die sei dringend notwendig, sagt der Orgelbaumeister. „Die Orgel ist akut von Schimmelpilz befallen“, sagt er. Das komme jedoch in vielen Kirchen vor, weiß der Experte. „Das Klima wird immer feuchter, dann bildet sich Schimmel in den Pfeifen.“ Zwar sei es kein giftiger Pilz, der die Elsflether Orgelpfeifen befallen hat, doch gesundheitsförderlich sei dies natürlich trotzdem nicht – vor allem für den Organisten, der direkt vor dem Instrument sitzt und durch sein Spiel die Schimmelsporen in die Luft bläst.

Deshalb wird die Orgel derzeit „generalrevidiert“ – alles wird ausgebaut. Es seien unzählige Teile, sagt ter Haseborg. „Die Orgel setzt sich wie der Mensch aus verschiedenen Organen zusammen“, erklärt er. Dabei habe die Elsflether Orgel einen ungefähren Originalbestand von rund 40 Prozent. Beim Gehäuse seien sogar noch rund 70 Prozent der Originalteile erhalten.

Die Orgelbauerfamilie Schmid sei eine der letzten Oldenburger Orgelbauer-Dynastien gewesen, weiß ter Haseborg. Die ersten Reparaturen an der Elsflether Orgel haben noch Johann Gerhard Schmids Söhne durchgeführt, erzählt er weiter.

Vor allem die Holzteile seien jetzt vom Schimmel befallen, erklärt er. Die Teile werden zunächst abgewaschen, dann mit einem speziellen Mittel behandelt, das den Pilz abtötet. Anschließend wird jedes Teil wieder gewaschen und erneut auf Schimmelbefall getestet. Dieses Verfahren wird so lange wiederholt, bis die Teile schimmelfrei sind.

Sie habe jede der 1157 Pfeifen während der Arbeiten mindestens sechsmal in der Hand gehabt, sagt Kristin Karm, während sie die ersten wiedereingebauten Pfeifen stimmt. Mit einem Stimmhorn überprüft sie die Töne, während Orgelbaumeister ter Haseborg auf der Orgel spielt.

Schwierige Logistik

Vor allem die Logistik sei nicht einfach. Die Orgelempore in Elsfleth sei sehr eng. Einige Teile sind zurzeit ausgelagert, deshalb kann der obere Bereich der Kirche derzeit nicht genutzt werden, auch dort liegen Teile der Orgel. Diese sind alle mit kleinen Zetteln gekennzeichnet, damit am Ende auch jedes Teil wieder zurück an seinen angestammten Platz kommt.

Die Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen würden von den Arbeiten jedoch nicht beeinträchtigt, versichert Nothbaum. Ter Haseborg hat ein Leihinstrument, eine sogenannte Truhenorgel, mitgebracht.

Zwar gehöre die Wesermarsch zu einer der orgelreichsten Gegenden Europas, dennoch gerate der Beruf des Orgelbauers ein wenig in Vergessenheit, sagt ter Haseborg. Vor allem an jungen Leuten, die sich für den Beruf interessieren, fehle es auch in diesem Handwerk, sagt er.

Im Orgelbauer seien viele Berufssparten zusammengefasst, sagt er. Gefragt seien Kenntnisse aus dem Tischlerhandwerk, Metall- und Pfeifenbau, Akustik, Feinmechanik und vieles mehr. Die Ausbildung dauere dreieinhalb Jahre, doch auch nach 30 Jahren Berufserfahrung lerne er immer noch dazu. „Das ist das Schöne an dem Beruf“, sagt ter Haseborg.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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