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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Groden weiter voller Dynamik

09.05.2018

Langwarden /Burhave Der Langwarder Groden bleibt ein in vielerlei Hinsicht spannender und dynamischer Ort. Das zeigte sich einmal bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins in der Gaststätte Butjadinger Hof in Burhave.

In seinem Jahresrückblick freute sich Vorsitzender Ralf Töllner darüber, dass die Sturmfluten im vergangenen Herbst und Winter keine großen Schäden angerichtet hätten. Allerdings vernässen im hinteren Bereich des Gebiets einige Flächen zunehmend. Ein weiteres Problem seien die vielen nicht angeleinten Hunde, so Ralf Töllner.

In einem Vortrag, der sich an die Regularien des Fördervereins anschloss, ging Anna Groeneveld von der Nationalparkverwaltung auf die Entwicklung von Flora und Fauna am Langwarder Groden ein. Sie bezog sich dabei auf die Ergebnisse des Monitorings, das von 2015 bis 2017 das Ingenieurbüro Planungsgruppe Grün vorgenommen hatte. Der Groden unterliegt stetigen Veränderungen. Während am Auslass des Hauptpriels Umlagerungen von Sedimenten zu beobachten sind, kam es an anderen Stellen infolge der (gewollten) tidebedingten Überflutungen zu teils starken Erosionen.

Angestiegen ist die Artenvielfalt der sogenannten Makrozoobenthos. Das sind im Gewässerboden lebende Organismen wie Krebse, Muscheln und Schnecken. Und auch immer mehr Fischarten kommen im Groden vor: Stinte, Stichlinge, Schollen und Zander.

Die Pflanzenwelt hat sich ebenfalls verändert. 2015 war auf dem Groden eine Fläche von 28 Hektar vegetationsloses Watt, 2017 waren es lediglich noch 21 Hektar. Die mit Quellerflur bewachsene Fläche hat sich um mehr als 100 000 Quadratmeter vergrößert. „Und auch die Röhrichtbereiche sind mit einer Fläche von zweieinhalb Hektar unerwartet vital“, betonte Anna Groeneveld.

Räuberischer Fuchs

Ähnlich verhalte es sich mit der Vogelvielfalt und den vielen Gastvogelarten. Problematisch gestalte sich jedoch die Zahl der Nachbruten, bedauerte die Referentin. Der Verlust sei sehr wahrscheinlich nicht auf Beute suchende Krähen und Möwen, sondern vor allem auf Füchse, Marder und freilaufende Hunde zurückzuführen. „Wir hoffen trotzdem, dass wir hier nächstes Jahr eine noch größere Artenvielfalt haben“, sagte Anna Groeneveld.

Scherben und Spielzeug

Dr. Martin Segschneider vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung ging als zweiter Referent auf die archäologischen Funde vom Langwarder Groden ein. Der Historiker und Naturwissenschaftler aus Wilhelmshaven würdigte das große Engagement der Brüder Fritz und Heinz Schröder, die während der Renaturierungsarbeiten mehrere tausend historische Fundstücke vor dem endgültigen Verlust gerettet hatten – darunter nahezu vollständig erhaltene Teller, Schalen und Töpfe sowie Glasscherben und Teile von Ziegeln und Fenstern.

Besonders interessant sei die Entdeckung von hölzernem Spielzeug. Mittels der sogenannten Radiokarbondatierung konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass ein Spielzeugboot, das zu den Fundstücken gehört, um 1500 geschnitzt wurde, ein hölzerne Ball jedoch noch erheblich älter ist. „Niemand hat geahnt, welche archäologischen Schätze hier verborgen liegen“, so Martin Segschneider.

Die aus dem späten Mittelalter und der früheren Neuzeit stammenden Funde ermöglichen einen vielschichtigen Einblick in die Alltagskultur einer ländlichen Siedlung im Nordseeküstenbereich. Das Fehlen von Gegenständen aus dem 18. Jahrhundert erklären sich die Wissenschaftler mit der verheerenden Sturmflut von 1717. Nach dieser Naturkatastrophe hat es offenbar keine weitere Besiedlung mehr im Groden gegeben hat.

Funde aus dem Watt zu bergen, ist keine einfache Sache. Aufgrund der Gezeiten ist die Dauer der jeweiligen Feldstudie stark begrenzt.

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Butjadinger Hof | Jahreshauptversammlung

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