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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Die Angst vor Wotan und seinen Raben

30.12.2019

Langwarden „Zwischen den Jahren“: So lautete der Titel einer Veranstaltung, die am Sonnabend im Steinhaus in Langwarden stattfand. Die Kirchengemeinde hatte eingeladen – zu Klaviermusik aus verschiedenen Epochen und Texten bei Tee und Gebäck. Die Erzählerin des Nachmittags war Annegret Martens, am Klavier spielte Gaby Menzel vom Haus der Musik in Schweiburg.

Im Mittelpunkt des Vortrags der Kirchenrätin standen die so genannten Rauhnächte: Dabei handelt es sich um die zwölf Tage und elf Nächte zwischen dem 21. Dezember (Tag der längsten Nacht, Weihnachten wird nicht mitgezählt) und dem Dreikönigsfest“, so Annegret Martens. Und weiter sagte sie: „Vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders mit 365 Tagen wurde auch bei uns nach dem Mondkalender gerechnet. Und der hat nur 354 Tage. Die fehlenden Tage sind die sogenannten Tage zwischen den Jahren.“

Die Rauhnächte haben für das europäische Brauchtum eine recht große Bedeutung, verbinden sie doch heidnisch, vorchristliche Bräuche wie das Geister- und Dämonenvertreiben mit dem christlichen Weihnachtsfest.

Für Annegret Martens war in ihrem Vortrag von besonderem Interesse, was die Urgroßeltern zu dieser besonderen Zeit zu sagen hatten. Fragen tauchten auf: Was sind überhaupt die zwölf Rauhnächte und wie haben die Vorfahren diese Zeit er- und gelebt?

Keine weiße Wäsche

„Das Verhalten der Menschen richtete sich früher sehr nach der germanischen Mythologie. Diese besagte zum Beispiel, dass sich in den Rauhnächten kein Rad bewegen und keine Nadel sticheln durfte. Es durfte keine weiße Wäsche gewaschen und aufgehängt werden. Denn Wotan war dann mit seinen Raben unterwegs, und diese berichteten genau darüber, wo diese Vorgaben nicht eingehalten wurden“, erklärte Annegret Martens.

Im Gegensatz zu südlicheren Regionen Deutschlands, wo sich bis heute zum Beispiel die traditionellen Perchtenläufe zum Geister- und Dämonenvetreiben erhalten haben, scheint der Norden stärker von heidnischen Vorstellungen der nordischen Mythologie geprägt worden zu sein. In Anlehnung an das nordische Julfest, das später zu Weihnachten wurde, feierte man auch hier, so Annegret Martens, die Wiederkehr des Lichtes – und fürchtete gleichzeitig Wotans wilde Jagd und Frau Holle, die in dieser Zeit mit den Seelen der Verstorbenen durch die Lüfte jagten.

Es war gefährlich, so Annegret Martens, sich gegen die Gesetze der Rauhnächte aufzulehnen. Ansonsten hätten Wotan und Frau Holle Tod, Verderben, Dürre, Stürme und Überschwemmungen über die Lande gebracht. Interessant war auch der Hinweis der Referentin, dass in dieser Zeit nicht gebacken werden durfte. Aus diesem Grunde, erfuhr man, wurden der Klaben, der Lebkuchen oder die in Fett gebackenen Schmalzkuchen erfunden, denn sie hielten sich über einen längeren Zeitraum. In dieser Zeit schauten die Bauern besonders auf das Wetter – so entstanden die Bauernregeln mit der Wettervorhersage anhand der Wetterumstände an den zwölf Tagen.

Wenn Tiere sprechen

Wichtig war aber auch, was die Menschen in diesen Nächten träumten. Diese Träume, so die Kirchenrätin, sollten sich angeblich im kommenden Jahr erfüllen. Annegret Martens erinnerte aber auch an alte Bräuche wie etwa die Krüllkuchen, den Grünkohl oder das Rummelspottlaufen in Ostfriesland. Sie erwähnte die Wichtigkeit, die Ställe auszuräuchern (mit Weihrauch) oder den Glauben daran, dass die Tiere in der Heiligen Nacht die Fähigkeit zum Sprechen hatten.

Bereichert wurden die Ausführungen mit dem Singen von Chorälen wie „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Oh, Tannenbaum“ (ebenfalls ein zunächst heidnisches Symbol), begleitet von Gaby Menzel auf dem Klavier.

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