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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Begegnungsstätte: Tschüss, Dieter Seidel!

30.06.2018

Lemwerder 27 Jahre lang hat Dieter Seidel die Begegnungsstätte Lemwerder als soziokulturelles Zen-trum geprägt und kontinuierlich zu einem Treffpunkt für Jung und Alt ausgebaut. Nun hat er sich am Donnerstag von zahlreichen Weggefährten und seinem Team verabschiedet. Offiziell endet seine Tätigkeit in Lemwerder allerdings erst Ende Juli.

Die zahlreichen Glückwünsche und Lobeshymnen sind dem Oldenburger, Jahrgang 1953, eher peinlich; so offensichtlich im Mittelpunkt stehen, das war seine Sache nie – auch wenn er sich durchaus zu inszenieren wusste, wenn es „seiner“ Begu gedient hat. Dabei hat er, wie er in einem unserer vielen Gespräche mal eingeräumt hat, den Begriff „Begegnungsstätte“ damals „nicht so toll gefunden“. Inzwischen aber, und das hat nichts mit Altersmilde zu tun, stimme die Bezeichnung mehr denn je: „Wo begegnet man sich heute sonst noch?“ Tatsächlich hat er „die Begu“ für alle Altersgruppen geöffnet – Kinder töpfern oder studieren Zirkuskunststücke ein, der Shantychor und ein Frauenchor proben hier regelmäßig, Schachfreunde und Migranten sind willkommen, es gibt Seniorentanztee und Kunsthandwerkermärkte, Volkshochschulkurse und nicht zuletzt ein abwechslungsreiches Kulturprogramm.

„Ich habe hier nichts auszustehen gehabt, man hat mich immer machen lassen“, blickt er im NWZ-Gespräch gelassen zurück.

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Wohl auch deshalb, weil er sich sehr gut aufs „Netzwerken“ verstanden hat. Dieter Seidel hat Verantwortliche stets früh eingebunden und von seinen Plänen zu überzeugen gewusst – manchmal hat er dabei dicke Bretter zu bohren gehabt. Und manchmal hat er sich mit stoischem „Dickkopf“ einfach durchgesetzt. Denn obwohl die Begegnungsstätte zur Gemeinde Lemwerder gehört, konnte er als Leiter der Einrichtung doch weitgehend frei von Weisungen handeln. Aber: „Ich hatte auch immer viel Unterstützung durch die Verwaltung“, betont er.

Als Dieter Seidel im Oktober 1991 die Leitung der Begu übernahm, war sie eigentlich als Jugendzentrum gedacht. Doch das reichte ihm von Anfang an nicht. Der Diplom-Sozialpädagoge hatte weitergehende Pläne. Er öffnete das Haus für andere Gruppen, neben den bereits genannten beispielsweise auch dem Inklusiv-Theater Eden.

Seit 2001, nach Fertigstellung des Saals, kam das Kabarett ins Haus. „Ich bin damit aufgewachsen, die Münchner Lach- und Schießgesellschaft gehörte zum Silvesterabend“. Also holte er namhafte Wortakrobaten ins Haus. Dabei machte er aus seiner – durchaus politischen – Haltung nie ein Hehl. „Ich habe nichts gegen Unterhaltung. Aber ich wollte immer Künstler, bei denen die Haltung dahinter stimmt“, beschreibt er seine Auswahl. Henning Venske, Jochen Busse, Arnulf Rating und viele andere – bekannte und weniger bekannte Namen gaben sich in den vergangenen Jahren die sprichwörtliche Klinke in die Hand und formten den Ruf der Begu als anspruchsvolle Kabarettstätte. Weit über die Gemeindegrenzen hinaus. „Viele Künstler halten uns seit Jahren die Treue. Die kommen immer wieder her, obwohl die auch vor volleren Häusern spielen könnten“, freut sich Seidel. Aber das stets volle Haus ist auch Beleg dafür, dass Seidel und sein Team bei der Programmauswahl ein sicheres Gespür für das Interesse vor Ort hatten. „Wir haben treue Abonnenten“, sagt Seidel. Und die seien „die beste Werbung für unser Haus“.

Mit dem Drachenfest im August hat er eine weitere Stätte der Begegnung auf dem Ritzenbütteler Sand geschaffen – wiederum für die ganze Familie. Auch diese Veranstaltung hat sich im vergangenen Vierteljahrhundert zu einem Termin entwickelt, den sich viele Menschen aus der weitere Umgebung jeweils dick im Kalender anstreichen.

Dieter Seidel kann also beruhigt an seinen Nachfolger Timo von den Berg übergeben. Das Begu-Team sei Garant dafür, dass die Qualität des Hauses gehalten wird. „Ich übergebe ein sehr selbstbewusstes Team, das Spaß an der Arbeit hat“, sagt Seidel.

Viele Erinnerungen würden bleiben, insbesondere an berührende Begegnungen mit vielen ganz unterschiedlichen Menschen, fügt er noch an. Er könne sich also ganz beruhigt zurückziehen: „Mir hat es für mein Berufsleben viel gegeben.“

Zumindest in diesem Jahr allerdings bringt sich Seidel noch ins Drachenfest ein. Dann aber will er endgültig loslassen: „Ich muss jetzt erstmal den Kopf freikriegen und dann kann ich sehen, was da Neues kommt.“

Torsten Wewer Elsfleth / Redaktion Brake
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