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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Blaues Schlumpfeis und Müsli ohne Rosinen

22.03.2018

Lemwerder Wenn es vor dem Auftritt in Mainz-Bretzenheim heißt, es gibt Probleme mit dem Klavier, und man sagt, dass man ja einfach die Lieder weglassen könne, ist das für einen Matthias Brodowy ärgerlich, aber ein zu lösendes Problem. Schließlich kann er – ganz pragmatisch – seine Lieder ja auf der just in der Garderobe gefundenen Gitarre begleiten.

Aber ist denn heute alles beliebig und egal? Mit der Vorstellung, dass einem Lang Lang in der Elbphilharmonie so etwas passiert, und vor allen Dingen mit seinem aktuellen Programm „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“ sorgte der Kabarettist für eine gekonnte Mischung aus Tiefgründigem und Heiterkeit. Es war der der Auftakt zu einem gelungenen Abend. Denn Probleme mit dem Klavier gab es in Lemwerder zum Glück nicht.

Der Kabarettist legte den Zeigefinger in offene Wunden, machte sich über Absurditäten des Alltags lustig oder jagte musikalisch quer durch die Geschichte. Ganz wohl war ihm nicht, als er in seinem Albtraum Alice Weidel und Beatrix von Storch, die unbedingt in sein Haus wollten, erschoss. Dabei hätten beide ja gesagt, dass es bei der Sicherung von Grenzen erlaubt sei, auch gegenüber von Frauen und Kindern von Schusswaffen Gebrauch zu machen, so der Kabarettist. Und dann tauchte laut Brodowy noch eine Merkel in Burka in seinem Traum auf. Da wäre ihm das am Ende doch lieber, als ein Seehofer im Bikini, sagte der Entertainer.

Brodowy machte sich für ein Europa ohne Grenzen stark, für all die Kultur, Musik oder kulinarischen Köstlichkeiten, die es in den anderen Ländern zu entdecken gibt. Nur hinsichtlich des letzten Punktes sei es mit dem Brexit nicht ganz so dramatisch. Er enttarnte das „Früher war alles besser!“ als verlorenen Kindheitszauber, outete sich als Rosinenhasser, da die Früchte weder etwas im blauen Schlumpfeis noch im Bircher-Müsli zu suchen hätten, landete durch Zufall im Institut für angewandte Gegenwartsbewältigung, schilderte seine Erlebnisse als Hotelgast in einer architektonischen Fehlplanung und machte sich über die äußerst ungeselligen Punktspielereien der Wight Watchers lustig.

Am Ende kam Brodowy zu dem Schluss: 2018 ist das Beste aller Jahre – zumindest wenn man in Deutschland lebe. Jeder könne wählen, in die Politik zu gehen oder Bürgerinitiativen zu gründen. Die Welt wäre mit all ihren Katastrophen schon immer so. Nur jetzt sei man mit seinem Handy überall in Echtzeit live dabei. Dabei sei das Leben doch viel zu kurz, um sich ständig mit Untergangsszenarien zu beschäftigen, merkte der Kabarettist an.

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