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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Von alten und neuen Pfeifen

05.02.2019

Lemwerder In der Gemeinde Lemwerder stehen zwei Orgeln, die auf den ersten Blick verschiedener nicht sein könnten: Die große, restaurierte Wilhelmi-Orgel in der St.-Gallus-Kirche aus dem Jahr 1795 und die kleine, neu gebaute Orgel in der Kapelle am Deich in Lemwerder aus dem Jahr 1997. Für Natalia Gvozdkova, Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde Berne und Orgelsachverständige, haben sie trotzdem eines gemeinsam: sie sind Erfolgsmodelle.

Orgeln sind die größten und die teuersten Instrumente auf dem Markt. Schon immer waren sie und sind auch heute noch Prestigeobjekte. Die evangelische Kirchengemeinde Lemwerder/Altenesch kann sich über gleich zwei Orgeln freuen, die – jede auf ihre Art – perfekt an ihren Standort passen und hohen Ansprüchen gerecht werden.

Ein technischer Clou

Das Instrument in der Kapelle am Deich aus dem Jahr 1997 ist in Orgeljahren gerechnet fast noch ein Neubau. Dem Vorgängermodell war im Laufe der Jahre sprichwörtlich die Puste ausgegangen. „Das Instrument war im Jahr 1939 noch vor dem Zweiten Weltkrieg beim Orgelbauer Alfred Führer in Auftrag gegeben worden. 1948 wurde es fertig gestellt“, berichtet Tobias Schmidt, Kantor in Lemwerder. Aufgrund des Krieges hätten den Orgelbauern nur minderwertige Materialien zur Verfügung gestanden, auch Teile der Vorgängerorgel seien wiederverwertet worden.

„Bereits in den 70er Jahren gab es die ersten Beschwerden über die Orgel“, sagt Schmidt. In den 90er Jahren sei das Instrument kaum mehr einsetzbar gewesen. Als „kreischend“ beschreibt Schmidt die Töne, die zu dieser Zeit von der Empore zu hören gewesen seien. Ein Sachverständiger habe dann auch festgestellt, dass das Instrument nicht mehr zu retten sei. „Da hieß es sparen und sammeln, um den Neubau zu finanzieren“, erinnert sich Schmidt. Gemeinsam mit dem Orgelbauer Claus Sebastian aus Geesthacht plante er die neue Orgel für die Kapelle am Deich, 1997 wurde sie fertig gestellt.

„Ein Instrument für hohe Ansprüche“, findet Natalia Gvozdkova. Obwohl es relativ klein sei, biete es für den Organisten viele Möglichkeiten. Was das genau heißt, erklärt die die Berner Kantorin gern. „Wenn ich mich an die Orgel setze, bestelle ich mir die Musiker für das Stück. Die Noten lassen uns Musikern in dieser Hinsicht einen Interpretationsspielraum.“ Dafür braucht Gvozdkova die verschiedenen Register der Orgel. Hinter den Registern, die die Organistin auf dem Instrument ziehen kann, stehen die verschiedenen Klangfarben der Orgelpfeifen. Sie stehen für die verschiedenen „Musiker“, die für ein Stück eingesetzt werden können. Da die Orgel in der Kapelle am Deich relativ klein ist und nur über eine Klaviatur, Manual genannt, verfügt, hat man zu einem technischen Trick gegriffen, um möglichst viele Klangfarben unterzubringen: das Manual lässt sich in der Mitte teilen. Dann kann der Organist mit der rechten Hand eine Solo-Stimme und mit der linken Hand die Begleitung spielen.

Der Weg der Töne

Obwohl die Orgel in der Kapelle am Deich gegenüber der Wilhelmi-Orgel in Altenesch brandneu ist, funktionieren die Instrumente nach dem gleichen technischen Prinzip: der Tastendruck wird mechanisch übertragen.

Zur Erklärung öffnet Natalia Gvozdkova die Verkleidung an der ehrwürdigen Altenescher Orgel. Dahinter sind flache Holzstäbe zu sehen, die mit dünnen Metalldrähten direkt mit den Tasten des Manuals verbunden sind. Durch den Tastendruck wird der Holzstab herabgezogen und gibt diese Bewegung über eine Welle ins Innere der Orgel weiter. Dort führt sie über ein Wellenbrett zu den Windladen mit den Pfeifen und öffnet dort ein Ventil – der Ton erklingt. Wie die Pfeifen sich anhören, ist bei jeder Orgel ein bisschen anders. „Wenn eine Orgel keine Persönlichkeit hat, ist sie nicht gut“, sagt Gvozdkova schmunzelnd.

Die Wilhelmi-Orgel in Altenesch hat zum Glück sehr viel Persönlichkeit. Von schnarrenden und gehauchten Tönen schwärmt die Musikerin, wenn sie die verschiedenen Register erklärt. „Die Pfeifen sprechen“, findet sie. Die ältesten Pfeifen der Orgel stammen noch aus dem Baujahr der Orgel: 1795. Die letzte umfassende Sanierung fand im Jahr 2008 statt. Nachdem das Instrument bei vorherigen Reparaturarbeiten viel von seiner ursprünglichen Persönlichkeit verloren hatte, wurde nun der Originalzustand so gut wie möglich wiederhergestellt. „Das barocke Repertoire klingt auf dieser Orgel sehr gut. Alles passt zusammen. Stücke aus der Romantik klingen hingegen nicht so gut“, erklärt sie. Und: „Keine Orgel kann alles.“

Eine Änderung zur Technik im 18. Jahrhundert gibt es dann aber doch: das Gebläse der Wilhelmi-Orgel wird elektrisch betrieben. An der linken Seite sind trotzdem noch die dicken Bohlen zu sehen, mit denen früher die Balge der Orgel mit Luft gefüllt wurden. Sie wurden mit purer Muskelkraft bewegt. Das funktioniert auch heute noch. „Man nennt das ,lebendigen Wind’. Ich persönlich finde, es klingt besser“, sagt Natalia Gvozdkova.

Friederike Liebscher Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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