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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Liebeserklärung an Spetzerfehn

27.01.2014

Elsfleth Wo, zum Kuckuck, liegt Spetzerfehn? Das sich dieses, den Elsflethern wohl noch unergründete Geheimnis erschließt, dafür sorgt am Freitagabend im Heye-Saal der Elsflether Kulturverein. Das sollte man wissen: Spetzerfehn liegt im tiefsten Ostfriesland und ist Teil der Gemeinde Großefehn. Die rund 2000 Einwohner sind stolz auf ihre Galeriewindmühle von 1886, auf ihre moderne Kirche und den Fehnkanal.

Ostfriesisches Naturell

Dass diese ostfriesisch-dörfliche Natur ein sehenswertes Gewächs hervorgebracht hat, wird an diesem Abend unter Beweis gestellt: Das Multitalent Annie Heger, eine Original-Spetzerfehnerin, ist in Elsfleth auf dem Eroberungsfeldzug und setzt mit ihrem Programm „Watt’n Skandal“ auf Sieg. Ganz unbekannt ist das „Ostfriesen-Gewächs“ nicht in der Region: Als stimmgewaltiges Drittel des Damen-Trios „Sweet Sugar Swing“ haben Annie Heger und ihre Mädels längst einen Namen und Bühnenerfahrung quer durch Republik.

„Watt’n Skandal“ – das fing bereits bei ihrer Geburt an. Wer in Spetzerfehn mit exotisch schwarzem Haar zur Welt kommt, ist zwar etwas Besonderes, hat aber auch viele Nachteile. „Meine Mutter schwankte immer zwischen Stolz und Rechtfertigung“, verrät Annie Hager in bestem ostfriesischen Platt und nimmt einen friesisch-herben Schluck aus der Bierflasche, „aber man bekommt stets weniger Bonschen und wird niemals Blütenkönigin in Wiesmoor.“ Dennoch ist sie, die immer so werden wollte, wie Liza Minnelli und andere Broadway-Größen, eine, die sich nicht so einfach beim Sturm vom Deich wehen lässt. „An’n Diek schütz ik di vöört Water“ hat die Heger Simon & Garfunkels Welthit „Bridge over troubeld water“ ins Ostfriesenplatt übertragen, dafür gibt es den ersten donnernden Applaus, der gilt ebenfalls ihrem Begleiter Matthias Monka am Keyboard.

Zwischen flotten Songs und melancholischen Balladen plaudert die zierliche Künstlerin über den Spetzerfehner Alltag, über die familiären Befindlichkeiten mit sechs Geschwistern.

Absolviert Annie Heger den ersten Teil ihrer Bühnenshow ganz unspektakulär und mädchenhaft im Ringelshirt und weißen Jeans, erleben die inzwischen höchst vergnügten Besucher nach der Pause eine Metamorphose: Die Diva hat ihren großen Auftritt mit Glitzerminikleid und Federschmuck im Haar. Aber auch als „Grande Dame“ hat sie ihre Spetzerfehner Wurzeln nicht vergessen, erinnert sich an das Pilzesammeln mit Opa, an den Teekreis beim Pastor, wo man sich Sorgen bei der Einführung des Euro machte und eine Nachbarin sich skeptisch äußerte: „Ik glöv nich, dat sick de Euro hier dörsetzt, dat is doch mehr wat för de grode Stadt!“

Völlig ungeniert

Ganz ungeniert frönt sie während des Auftritts ihrer ostfrieschen Tee-Sucht. Teebeutel sind zwar nicht standesgemäß, aber Kluntjes müssen sein. „Watt ist mit Rahm?“ tönt es im Publikum. Die Heger grinst: „Ik bün de mit de Laktoseintoleranz!“ Keinesfalls dürfen „Kluntjes“ mit Klunkern verwechselt werden. Den „Diamonds“, die immer noch die besten Freunde aller Mädels sind, setzt sie ein Denkmal auf platt: „Klunkers sünd doch dat, wat blifft“.

Was bleibt an diesem Abend nach 90 Minuten Humor, wunderschönen Liedern und Liebeserklärungen an ihre Heimat? Ein Applaus der gar nicht enden will und die Anerkennung der Vorsitzenden des Kulturvereins, Renate Detje: „Elsfleth liegt dir zu Füßen.“ Mit Charme, Esprit und ihrer tollen Stimme ist es Annie Heger gelungen, alle 95 Gäste um ihre zarten Finger zu wickeln.

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