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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Integration: Mit Farben zurück ins bunte Leben

08.11.2016

Die Herkunft der multikulturellen Malgruppe war so bunt gemischt wie die Bilder, die dort entstanden. Die Frauen stammen aus Syrien, Marokko, dem Libanon, Iran und Irak. Die Kommunikation klappte mit Händen und Füßen – und natürlich mit einem Lachen, sagte Deyle-Fersch. Viel erklärte sie den Frauen durch Zeigen oder malte ihnen einfach vor, um was es ging. Eine große Hilfe waren ihr auch Nafisseh Siahpoosh und Zeina Issa Samara, die bereits seit einigen Jahren in Elsfleth leben und bei Bedarf in Farsi oder Arabisch übersetzten.

Warme und kalte Farben

Neben der klassischen Farbenlehre lernten die Frauen verschiedene Materialien kennen. So probierten sie Pastellkreide, Acrylfarben und Ölpastellkreide aus. Dazu arbeiteten sie mit warmen und kalten Farben. „Sie lernen, mit Formen und Farben Bilder frei zu gestalten“, erklärte Flora Deyle-Fersch. Als Maltherapeutin und Malkommunikatorin weiß sie, dass das Malen den Frauen mehr Lebensfreude vermittelt, den Druck nimmt und sie in Kommunikation treten lässt.

In Kommunikationsbildern malte jede Teilnehmerin ein Stück eines Bildes. Dann wurde das Blatt weitergereicht. So entstanden bunte Gemeinschaftsbilder. „Am Ende soll das Bild wieder bei der ersten Künstlerin ankommen, die es nach ihren Vorstellung fertigstellt“, erklärt Deyle-Fersch. Durch das Weitergeben werde den Frauen der Druck genommen, allein ein ganzes Bild zu malen, sagt sie.

Selbst ein Bild zu kreieren solle ihnen den Mut zur Veränderung geben, so die Künstlerin. Denn das Malen von Bildern zeige, wenn sie nicht selbst etwas verändern, dann bleibt alles, wie es ist.

Doch an Selbstvertrauen mangelte es den Teilnehmerinnen nicht. „Sie haben sich den Platz, den sie brauchen, auf dem Papier genommen“, sagt Deyle-Fersch. Sie habe oft erlebt, dass schüchterne oder gar traumatisierte Frauen nur winzig kleine Zeichnungen aufs Papier brachten.

Die Stimmung in der Gruppe war fröhlich. Die Frauen lachten und unterhielten sich, während sie malten. Nur in ihren Bildern zeigte sich manchmal, was sie auf ihrer Flucht durchgemacht haben. Als es darum ging, Herzen zu malen, gab es auch gebrochene Herzen. Der Sohn einer Teilnehmerin wurde auf der Flucht erschossen, erzählt die Maltherapeutin. Im Bild kam eine Sonne hinzu, denn sie hatte gezielt vorgegeben, dass kein schwarz, sondern nur warme Farben benutzt benutzt werden durften. „Das fiel der Teilnehmerin schwer. Denn die Frauen bringen viel Trauer mit. Wir wollen ihnen wieder zeigen: Das Leben ist bunt! So sollen sie wieder Mut zur Freude schöpfen“, erklärte die Therapeutin.

Insgesamt vier Tage dauerte der Workshop. Doch der Kursus soll monatlich fortgeführt werden, sagt Petra Czerner vom DRK. Das Malprojekt findet im Rahmen der von Stadt und DRK geplanten Maßnahmen zur Integration statt, erklärt sie.

Den Teilnehmerinnen machte es jedenfalls viel Spaß. Sie habe im Iran Grafik-Design studiert, der Malkurs erinnere sie an diese Zeit, berichtete beispielsweise Nafisseh Siahpoosh. Auch Zeina Issa gefiel es gut. „Ich habe noch nie vorher gemalt, ich habe viel gelernt. Es macht Spaß“, sagte sie strahlend.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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