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NWZonline.de Region Wesermarsch Kultur

Mit Taschengeld die Armut bekämpfen

21.03.2015

Rodenkirchen Große Armut trotz harter Arbeit – das ist in vielen Entwicklungsländern bittere Realität. Die Schüler der Grundschule Rodenkirchen wissen das, denn schon seit Jahren helfen sie Menschen in den ärmsten Ländern. So ist die Grundschule eine der verlässlichsten Stützen der Brücke Nordenham/Kayes, die in Mali (Westafrika) Schulen und Gesundheitszentren bauen lässt.

„Gutes Leben für alle“

Jetzt geht die Grundschule einen Schritt weiter: Seit Beginn des Schuljahres ist sie Pilotschule „Globales Lernen – gutes Leben für alle“ – als eine von zehn Grundschulen in Niedersachsen und als einzige in der Wesermarsch. Dabei strebt sie die Zertifizierung zur Fair-Trade-Schule an. Äußeres Zeichen dafür ist der Fair-Trade-Kiosk, den die Schule am Freitag offiziell in Betrieb genommen hat.

Fair Trade ist Englisch und bedeutet „gerechter Handel“. Damit ist gemeint, dass die Händler den Erzeugern höhere und verlässlichere Erlöse bezahlen als Großkonzerne. Die Käufer müssen etwas mehr bezahlen als für nicht fair gehandelte Waren. Davon profitieren die Produzenten vor allem, wenn die Erzeugerpreise auf breiter Front fallen, sie aber weiterhin den gewohnten Erlös erhalten und nicht in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Gerechter Handel gilt als wichtiger Schritt zum Abbau der Armut in vielen Entwicklungsländern.

Der siebenjährige Joachim ist gern dabei. In der großen Pause hat er sich für 50 Cent einen Orangensaft gekauft, in der nächsten Pause investiert er sein Taschengeld in einen Kokos-Schokoriegel und eine kleine Tüte Weingummi-Äffchen. Dabei ist er nicht allein: Hinter ihm bildet sich eine Schlange von Schülern. Die Schulleiterin Elke Kuik-Janssen und ihre Kollegin Monika Oldenburg verkaufen, bis der kleine Kiosk leer ist. In den Gesichtern der beiden Frauen zeichnet sich Freude ab: Premiere gelungen!

Nur die Plastikbox mit Tee und Kaffee ist noch voll. Aber aus dieser Box kaufen nicht die Kinder, sondern ihre Eltern, die an diesem Frühlingsprojekttag in die Schule gekommen sind.

Offiziell ist der Fair-Trade-Kiosk eine Nebenstelle des Eine-Welt-Ladens der Kirchengemeinde Rodenkirchen, der seine Waren wiederum von der Gepa (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt) bezieht. Die Gepa ist der größte europäische Importeur von fair gehandelten Waren.

Zu besonderen Anlässen

Der Kiosk öffnet allerdings nicht jeden Schultag, sondern nur zu besonderen Anlässen. Deshalb, sagt Elke Kuik-Janssen, sei es durchaus zu vertreten, Süßigkeiten anzubieten. Aber auch Stifte, Radiergummis und Spitzer, Haargummis, Kinder-Geldbörsen und Einladungskarten gehören zum Angebot.

Doch mit dem Kiosk ist es nicht getan. Die Thematik soll sich auch in die Lehrpläne einfügen. In der ersten Klasse lautet das Thema Kinder in aller Welt, in der zweiten Ernährung, in der dritten Fairer Handel und in der vierten Kinderrechte. Wie sich diese Themen am besten in den verschiedenen Fächern anbringen lassen und welche Unterrichtsmaterialien dazu gibt, erklärt Andrea Pahl von der Stelle „Eine Welt für alle“ der Universität Bremen den zwölf Lehrkräften am Montagnachmittag und am Dienstag bei einer schulinternen Fortbildung.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/wesermarsch 
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Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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